Für viele Frauen ist von Anfang an alles klar und sie haben keine Probleme mit ihrem Schwangerschaftsabbruch. Sie sind selten veranlasst, uns zu schreiben. Die Berichte, die uns erreichen, kommen meist von Frauen mit gemischten Gefühlen. Sie zeigen: jede Frau befindet sich in einer andern Situation, jede empfindet anders. Einige bleiben traurig, andere fühlen vor allem Erleichterung. - Für keine ist ein Schwangerschaftsabbruch ein erfreuliches Erlebnis, er braucht aber kein Drama zu sein, es kann jeder von uns passieren. Die meisten Frauen finden ihren Entscheid auch im Nachhinein richtig, obwohl er oft schmerzlich war. Wichtig ist:
Asta
Damals hat sich mein Leben innerhalb von 4 Wochen 3 mal um 180 Grad
gewendet. Erst kam der Bescheid, dass ich für ein Auslandsemester weg
konnte. Mein Freund war todunglücklich darüber.
Dann entdeckte ich total zufällig dass ich schwanger war, nicht mal 2
Wochen nach der Befruchtung. Der erste Gedanke war Panik, ich wollte
dieses Kind nicht.... nicht jetzt. Auch die Beziehung war, und dem
musste ich ins Auge sehn, zu dem Zeitpunkt schlecht. Auch wenn wir beide
immer heiraten wollten und raus zusammen eine Zukunft aufbauen... wir
hatten einfach grade schwierige Zeiten hinter uns und wenig Zeit.
Aber Abtreibung war absolut kein Thema. Eigentlich waren wir beide immer
der Auffassung, dass wir alt genug wären, um das zu managen. Also wurden
die Eltern informiert und wir wollten sogar heiraten, denn seine
Familie war sehr katholisch und wir hatten das sowieso geplant... Die
meisten aus unsrer Umgebung haben es positiv aufgefasst, waren wir doch
das Traumpaar in den Augen der anderen.
Doch dann sollte sich alles schnell ändern... erstens weigerte sich mein
Freund, ein Semester sich karenzieren zu lassen, um mir das
Auslandsemester zu ermöglichen. Das wäre Schwachsinn und
Geldverschwendung. Dann kam seine Mutter ins Spiel - es dürfe keine
Hochzeitsfeier geben, denn wir sind Sünder und es gäbe nichts zu feiern.
Einen Tag später wollte sie nicht mehr zur Hochzeit kommen. Und mein
Freund (zu dem Zeitpunkt übrigens 24!!!!) meinte, sie hätte recht.
Keine Hochzeit. Er will mit meinen Eltern nichts zu tun haben, mit ihnen
keinerlei Kontakt. Anrufe hat er von ihnen nicht entgegengenommen, dabei
wollten sie ihm nur Mut machen... immerhin hatte auch meine Mutter
Probleme mit der Schwiegermutter.
Keine finanzielle Unterstützung von seinen Eltern, ich soll einen Kredit
aufnehmen auf die Wohnung, die ich noch nicht besitze, die meine Eltern
uns überschreiben wollten. Er wird sein Studium nicht verzögern. Dann:
ich darf mein Studium nicht verzögern, er ist gegen Stillen, wir können
uns ein Kindermädchen nehmen.
Zwei Tage später war ich bei ihm daheim und seine Mutter hat mich wüst
beschimpft: Ich habe keine Liebe in mir und wegen mir ist das Studium
von ihrem Sohn gefährdet (wir hätten noch 2 Semester zu diesem
Zeitpunkt). Ich soll auf Exerzitien ihrer religiösen Gruppe mit, um für
meine Sünden zu büßen, und dann ging das Geschimpfe weiter....
Schlussendlich war ich mit den Nerven völlig am Ende, hatte bereits 5 kg
in nur 10 Tagen abgenommen und habs dann geschafft, zu meinen Eltern zu
fahren. Letzte Versuche, mit meinem "Verlobten" zu kommunizieren sind
gescheitert. Er wollte das, was passiert ist, nicht wiederholen. Ja, er
"will" das Kind, aber mich will er so nicht.
Scheiße. Schwanger von einem radikal-Katholiken, dessen Mutter sogar
Drohungen mir gegenüber ausgesprochen hat. Nein, ich wollte dieses Kind
nicht.
Meine Eltern haben die Adresse übers Internet rausgesucht und meine Mum
hat mich begleitet. Heute würde ich vielleicht noch 2 Tage abwarten,
denn ich hatte nach der Einnahme der Tabletten panische Angst, mein
Freund würde zur Besinnung kommen und zu mir kommen... aber meine Mutter
hat mich desillusioniert und hatte auch Recht damit.
Ich war noch so früh in der Schwangerschaft, dass ich die
Abtreibungspille nehmen konnte, bei einem niedergelassenen Gynäkologen.
Das Gespräch hat mir sehr geholfen, er wusste auch ähnliche Fälle, zB
schwanger von einem Priester, Sektengeschichten und so weiter. Es war
ein persönliches und gutes, sachliches Gespräch...
Der Fruchtsack war für die SSW viel zu klein. Es war auch noch kein
Herzschlag zu sehen, obwohl er schon da sein hätte müssen. Ob alles ok
war mit dem Wurm - niemand kann es sagen. Es ist mir aber auch egal. Ich
hätte mich eher tot gehungert als dieses Kind zu bekommen.
Die Tabletten nahm ich zu Hause ein, nachdem ich in meinem Kopf mir eine
Frist gesetzt hatte, wir lange ich auf ein Lebenszeichen von meinem
Freund warte. Dann war es mir egal, die Beziehung zu Ende und ich stand
auf Neuland. Es war zwar alles kaputt, aber es war meines.
Ich war mehr als erleichtert, als ich nicht mehr schwanger war. Hatte
viele Schmerzmittel, das war gut, die Blutungen waren zwar unangenehm,
aber verkraftbar. Als dann alles vorbei war, habe ich langsam zu mir
gefunden und konnte beginnen, das Geschehene zu verarbeiten... heute das
Kind zu haben kann ich mir einfach nicht vorstellen.
Am meisten verletzt hat mich, dass mein Ex mich nachher verhöhnt hat und
nie nachgefragt hat, was denn nun mit der Schwangerschaft passiert sei.
Überhaupt hat er niemals nach meinem Befinden gefragt oder sich
erkundigt.
Und mit jedem Tag, den er sich nicht gemeldet hat, war ich sicherer, mit
der Entscheidung das Richtige getan zu haben.
Ich wollte kein Spielball einer religiös-fanatischen Familie sein,
und das bin ich auch nicht.
Mir gehts heute gut, habe eine neue Beziehung, die ich ganz zart
behandle... manchmal merke ich, wie ich unsicher bin oder Panik habe,
dass etwas Ähnliches wieder geschieht.,. aber das sind schwache Momente
und beziehen sich ausschließlich auf die schlechten Erfahrungen mit
meinem Ex und seinen Eltern.
Ich rede mit meinem Partner über die Abtreibung und ich weiß, ich würde
es wieder tun!
Durch den Tod dieses Lebens sind neue, andere Leben erst möglich
geworden... ich bin mir sicher, eines Tages Mutter zu sein!
Der Wurm hatte trotz seiner kurzen Existenz einen Lebenssinn, nämlich
mich aus dieser Seifenblasenbeziehung hinauszukatapultieren und meinen
Horizont um einiges zu erweitern. Ich bin heute wesentlich toleranter,
was das Verhalten meiner Mitmenschen betrifft, vor allem wenn ich es
nicht verstehe.
Ich mache kein Geheimnis aus dem Geschehenen, und interessanterweise
berichten viele Frauen, dass sie schon mal abgetrieben haben, wenn man
offen redet.... keine, die ich kenne, ist traumatisiert davon.
Sabine
ich danke für diese hervorragende Website!
Ich lese seit Stunden und kann immer nur voll Zustimmung mit dem Kopf
nicken.
Ich habe morgen (!) den Abbruch. Und werde mich danach auch nochmals
melden, wenn auch nicht am selben Tag, bestimmt.
Der Grund für meine Entscheidung ist, dass ich eine gewaltreiche und
kranke Beziehung hinter mir habe, in der nicht nur ich, sondern auch
meine sechsjährige Tochter (aus einer früheren Beziehung) extrem
gelitten haben.
Mein Partner war äusserst eifersüchtig, hatte kein Selbstbewusstsein,
überwachte mich, fuhr mir hinterher, machte Tür- und Telefonterror,
schlug mich blau-fleckig, stellte mich in der Öffentlichkeit bloß.
Als das Kind gezeugt wurde, war die Beziehung in den letzten Zügen. Ich
wollte mich trennen.
Als ich von der Schwangerschaft erfuhr, freute er sich riesig: Jetzt
hatte er mich für immer, jetzt war ich an ihn gebunden.
Die nächsten Wochen waren ein Alptraum. Die Hölle.
Der Gedanke, von diesem Mann ein Kind zu bekommen, bereitete mir
körperliche Schmerzen, liess mich ekeln, machte mich krank. Ich heulte
nur noch, und das nicht wegen der Hormone!
Ich war todunglücklich. Ich wünschte mir mein altes Leben zurück. Das
bunte, lustige Leben mit mir und meiner Tochter. Das Lachen.
Ich entschied mich für den Abbruch... und bekam die Hölle auf Erden zu
spüren.
Mein Ex-Partner warnte mich. Er werde mich als Mörderin in der
Öffentlichkeit denunzieren. Die Schule meiner Tochter werde das
erfahren, mein Arbeitgeber, alle Nachbarn etc etc.
Ich wurde genötigt, den Termin abzusagen.
Darauf brach ich zusammen.
Ich war ohnmächtig. Eine Marionette.
Drei Wochen lang. Ich spürte, wie die Zeit verann.
Mein Ex-Partner drohte mir. Immens. Ich fürchtete um Leib und Leben und
um das meiner Tochter.
Doch ich habe zum letzten "Befreiungsschlag" ausgeholt.
Habe alles auf eine Karte gesetzt, mich gewehrt, mich emanzipiert.
Meine Tochter bei der Oma untergebracht. Die Polizei informiert. Meinen
Arzt angerufen.
Und nun, nach langem Kampf ist es morgen früh soweit.
Ich kann nicht sagen, wie ich mich dann fühlen werde. Doch ich denke,
ich werde frei sein. Erleichtert. Ich werde wieder ich sein.
Zwei Wochen später...
Mir geht es wunderbar. Ich hätte niemals gedacht, dass das Gefühl,
wieder "frei" zu sein, mich so umhaut. Mich so sehr einnimt. Mich so
strahlen lässt.
Klingt das verrückt?!
Ich habe das Gefühl, mein eigenes, mein geliebtes Ich wiederbekommen zu
haben. Als sei eine enorme Last von meinen Schultern genommen worden.
Die OP an sich war klinisch, kühl. Als ich aus der Narkose aufwachte,
stand der Arzt bereits bei mir. Ich musste lächeln. Er meinte:" Schön,
dass Sie wieder lachen können!".
Ja, schön, dass ich wieder lachen kann. Diese Traurigkeit ist weg, das
Weinen ist weg.
Ich warte immer noch auf den Keulenschlag der Moral, auf die Reue, auf
eine neue Traurigkeit. Aber muss sie kommen?
Ich bin einfach dankbar, dass es Menschen gab und gibt, die mir halfen.
Die mir zuhörten, die mich verstanden. Vor allem bin ich meinem Arzt
dankbar. Der mir mein "altes" Leben wieder gegeben hat.
Muriel, 37
Am 01.02.08 hatte ich einen Schwangerschaftsabbruch, der mir noch immer
schwer zu schaffen macht. Mein Verstand sagt mir zwar immer noch, dass
es die richtige Entscheidung war, aber mein Herz denkt anders darüber.
Ich habe bereits zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren, meine
Tochter hat ADHS und war von Geburt an schwierig. Ein schwieriges Kind
war jedoch nicht der einzigste Grund, der mich zu dieser Entscheidung
bewogen hat.
Ich habe mit der Pille verhütet und sie irgendwann nicht mehr vertragen,
deshalb wurde die Verhütung übergangsweise auf Kondome umgestellt. Genau
in dieser Zeit wurde ich dann schwanger, es war ein Schock!
Mein Freund hat sich von Anfang an gefreut, nur ich konnte es nicht! Es
gab so viele Faktoren, die mich daran hinderten Freude oder Glück zu
empfinden. Im Gegenteil, ich hatte einfach nur Angst vor der Zukunft,
wie sollte es weitergehen? Mein Freund ist arbeitslos und ich habe nur
einen 6-Stunden-Job. Es ist so schon schwer genug mit den begrenzten
finanziellen Mitteln zurecht zu kommen, also wie sollte es erst mit
einem dritten Kind werden? Und dann die Angst, dass mein Freund
vielleicht nicht mehr da ist, wenn das Kind auf die Welt kommt. Er hat
Mist gebaut und hat noch eine Strafe zu verbüßen. Und was hätten die
Kinder gesagt zu einem Geschwisterchen? Ich wollte auch meinen Job nicht
verlieren, ich arbeite in einem kleinen Betrieb, da hätte mein Ausfall
eine mittlere Katastrophe bedeutet. Alles in allem, ich wollte dieses
Kind nicht.
Als ich in der 10. Woche war, bin ich dann zur Beratung gegangen. Dort
waren alle sehr nett, ich fühlte mich verstanden und die Beraterin hat
schnell gemerkt, dass meine Entscheidung bereits fest stand. Wir haben
auch über Verhütung nach dem Abbruch gesprochen, speziell über die
Kupferkette Gynefix. Darüber hatte ich mich vorab schon im Internet
informiert. Die Beraterin empfahl mir dann auch eine Praxis, die den
Abbruch durchführen würde und gleichzeitig die Kupferkette legt. Da bin
ich dann hin und die Praxis war sehr ansprechend, die Mitarbeiter sehr
freundlich. Der Abbruch wurde dann in der 11. Woche durchgeführt und die
Behandlung vor, während und nach dem Abbruch war sehr freundlich.
Niemand gab einem da das Gefühl eine Verbrecherin zu sein. Ich hatte
keinerlei Schmerzen und ich fühlte mich erleichtert! Ich war froh, diese
Last endlich los zu sein!
Dieses Gefühl hielt ungefähr 4 Wochen an, dann plagten mich Zweifel, die
Sehnsucht wissen zu wollen ob es ein Mädchen oder ein Junge gewesen
wäre, Träume über meine Familie. Ich fragte mich ob ich es nicht doch
geschafft hätte, schließlich gibt es doch Ämter die einem helfen. Mein
schlechtes Gewissen verfolgt mich, bis heute. Ich rechnete immer mit,
wie weit ich gewesen wäre. Am errechneten Termin ging es mir dann sehr
schlecht, hab heimlich geweint! Mit meinem Freund kann ich darüber nicht
reden, schließlich war ich es doch die den Abbruch wollte, also warum
sollte ich mich jetzt bei ihm ausheulen? Jetzt, wo alles zu spät ist!
Ich hab mir die Kupferkette legen lassen, weil ich mir so verdammt
sicher war, dass ich keine Kinder mehr wollte. Und nun überlege ich, sie
mir wieder entfernen zu lassen. Dabei hat sich an meiner Lebenssituation
nichts geändert.
Ich weiß noch nicht, wie ich mich entscheiden werde! Das schwierigste
ist wohl, seinen Verstand und sein Herz dazu zu bringen, sich einig zu
sein.
Eva
Ich habe zwei Abtreibungen hinter mir. Die erste war relativ leicht. Ich
hatte eine kleine Tochter und wurde ein paar Monate später wieder
schwanger. Ich wollte eigentlich nie Kinder haben, aber mein Partner hat
mich gedrängt, ein Kind zu bekommen, sonst würde er mich verlassen.
Ich war mit meinem Baby total überfordert und sehr depressiv und auch
aggressiv meinem Partner gegenüber, der weder liebevoll noch hilfreich
war. Als ich wieder schwanger wurde, drängte er mich massiv zur
Abtreibung, weil er mich sonst verlassen würde. Er marschierte mit
unserer Tochter im Kinderwagen vor der Klinik auf und ab, während ich
den Eingriff vornehmen liess. (Das erste Mal, dass er auf seine Tochter
länger als drei Minuten alleine aufpasste)
Die eingesetzte Spirale war nicht sehr tauglich und ich wurde wieder mal
schwanger, aber die Spirale war von so schlechter Qualität, dass sie
sich in die Gebärmutterwand bohrte und es zum spontanen Abort kam.
Ich war dann 1 Monat ziemlich krank, weil ich dabei fast an
Blutvergiftung starb, weil ich erst ein paar Tage später, als ich die
Schmerzen nicht mehr aushielt, zum Arzt gegangen war.
Es kamen dann sehr turbulente Jahre, wo wir mal zusammen, mal getrennt
waren. In dieser Zeit wurde ich von einem Freund ungewollt schwanger und
war hin- und hergerissen, und wollte mich entscheiden, die
Schwangerschaft auszutragen und das Kind zur Adoption
freizugeben. Dies ging gesetzlich nicht, da ich verheiratet war.
Und ich fühlte mich zu dieser Zeit nicht fähig, mich von meinem Partner
endgültig zu trennen. Dieser Freund wusste nie, dass ich von ihm
schwanger wurde, da ich auf keinen Fall eine Beziehung mit ihm wollte.
Die einzige Alternative war Abtreibung und es fiel mir schwer, da ich
es geheimhielt, nachdem eine Freundin, der ich mich anvertraut hatte,
mit ihrem Partner massiv auf mich einredete, es zur Adoption
freizugeben. In der Klinik schickten sie mich zu einem Ultraschalltest
und ich war in der 11. Woche.
Die Ärztin war Abtreibungsgegnerin und wollte mich ebenfalls mit
Schuldgefühlen und sonstigen miesen Dingen bearbeiten, als ich meinte,
dass ich nicht in die Schwangerenabteilung weitergehen, sondern
einen Abtreibungstermin vereinbaren wollte.
Sie hatte das U-bild mit dem Embryo aufs pochende Herz gestellt und
quatschte minutenlang auf mich los und liess mich nicht vom Bett
aufstehen, was sehr unbequem war. Ich musste sie fast wegdrücken, um
mich aufrichten zu können. Als ich bei der Türe rausging, drehte sie mir
das Bild noch im Hinausgehen zu.
Ich dachte mir: das kann pochen so viel es will, ich kann nicht und werde
es nicht austragen, weil ich dazu nicht in der Lage bin.
Ich fühlte nach dem Eingriff eine grosse Leere in mir, aber ich war auch sehr froh,
mich zu diesem Schritt entschlossen zu haben, weil ich wusste, dass er
das Richtige war.
Ein paar Jahre später wurde ich von meinem Partner erneut schwanger und
er wollte mich "freundlicherweise" wieder zur Abtreibung zwingen, und
diesmal hatte ich endgültig die Nase voll und trennte mich nach
heftigen, demütigenden Debatten. Mit dem Slogan "Mein Bauch gehört mir" schnappte ich meine Tochter und ging davon und einer ungewissen Zukunft
entgegen.
Der erste Gedanke war Adoption, aber ich wollte die Adoptiveltern
kennenlernen, um mein Kind 1x im Jahr zu sehen - was anfangs keiner
wollte. Ich wurde darauf so wütend, dass ich beschloss, mein Kind selber
aufzuziehen, denn der Traum, dass es zu einer "liebenden Familie" kommen
würde, war endgültig geplatzt. Lauter griesgrämelige, selbstsüchtige
Adoptionsanwärter.
Ich dachte mir: "Ich bin doch keine Kuh, die ein Kalb austrägt". Ich
fühlte das Gebot: "Los, leg dein Kind hin und verschwinde". Ich behielt es
aus Trotz, weil ich sicher war, dass ich zwar viel Mist bauen würde,
aber immerhin würde es seine eigene Mutter sein, nicht eine Fremde, die
ihm ihren eigenen Mist andrehen würde.
Es war nicht einfach mit dem Widerstand meiner Tochter und meiner
Mutter. Ich beschloss auszuwandern, um Ruhe zu haben. Es war und ist
nicht einfach. Meine Tochter ist ausser Haus und mein Sohn 17. Ich bin
im klassischen Sinn keine "Vorbildmutter" aber ich glaube, dass ich es
irgendwie geschafft habe und mein Sohn ganz passabel wurde. Ich habe
beide Kinder sehr frei erzogen und selbstverantwortlich.
Da ich sehr fruchtbar bin, verhüte ich nun sehr penibel, weil ich es
seelisch nicht mehr schaffen würde, schwanger zu werden. Ich will keine
Abtreibung mehr aber auch keine Adoption. Ich freue mich auf einen
hoffentlich baldigen Wechsel, damit ich das Thema Verhütung endlich mal
vergessen kann
Kommentar zu Ihrer Seite:
Ihre Seite gefällt mir sehr gut. Speziell weil sie sehr neutral und
respektvoll geschrieben ist. Keine Hetzreden, weder für noch gegen. Es
ist unsere persönliche Angelegenheit, wie wir uns als Frauen
entscheiden. Und es ist sehr wichtig,
dabei respektvoll unterstützt zu werden. Die Entscheidung für und gegen
ist nicht immer leicht, aber sie fällt leichter, wenn da noch
"irgend jemand" ist, der das ganze klären hilft.
Kim, 22
Seit fast vier Jahren lebe ich glücklich in einer stabilen Beziehung, und
in den vier Jahren konnte man sich gut darauf verlassen, dass es keinen
Nachwuchs geben könnte, weil mein Freund als zeugungsunfähig galt. Es
war einfach nur dumm, sich darauf zu verlassen. Wir haben uns Anfang des
Jahres ein kleines Haus gekauft, und somit nicht wirklich Reserven
auf dem Konto.
Als ich auf der Arbeit wieder mal mächtig viele Überstunden machen
musste, wunderte es mich zunächst nicht, dass meine Regel ausblieb.
Doch nach zwei Wochen merkte ich, irgendwas ist anders. Wutausbrüche und
Lachanfälle lagen ganz nah aneinander. Und da war noch die maßlose
Übelkeit und dieses ziepen im Unterleib.
Dann ging einen Samstag gar nichts mehr. Ab nach Hause, "Grippe"
auskurieren.
Am nächsten Tag war immer noch keine Regel da und mein Freund wurde
schon misstrauisch. So fuhr er in die Apotheke und holte mir einen Test.
Da stand es auf dem Display: schwanger. Eindeutig. - Nein, nicht jetzt. Ich will meine eigene Existenz weiter ausbauen.
Unabhängig sein. Einfach machen, nichts großartig planen. Wir bräuchten
2 zuverlässige Autos. Und unser gerade
erworbenes Haus zu klein für 3. Verkaufen? ausziehen? Auf gar keinen
Fall! Was ist wenn es behindert wird?
Die Woche habe ich mich gleich in Begleitung meines Freundes zum Arzt
bringen lassen und mir das ganze nochmals bestätigen lassen. In der
selben Woche auch gleich zum Konfliktgespräch.
Mein Freund steht, egal wie ich mich entscheiden sollte, voll hinter mir.
Wenn ich darüber rede, nenne ich das in mir wachsende "Es", um keine
Beziehung aufzubauen.
Mit wem kann ich denn reden? Lieber mit keinem. So wird man nicht
beeinflußt.
Die einzigen, die es wissen, sind - abgesehen von den Ärzten - meine
Schwägerin, ihr Mann und meine Mutter.
Alle Familienmitglieder tratschen nicht und stehen, egal wie ich mich
entscheide, hinter mir.
Alle anderen denken, dass ich Grippe habe.
Jetzt so schnell es geht, Termin zum Abbruch holen. Bevor es zu spät ist
und ich keine Wahl mehr habe.
Am Tag des Abbruchs hatte ich ziemlich Angst. Aber alles ging ganz
schnell. Und bis jetzt ist alles gut.
Ich fühle, wie auf einmal eine Riesenlast von mir fällt. Ich fühle mich
gut, weil ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war.
Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich, niemals würde ich eine
Frau, die aus was für Gründen auch immer einen
Schwangerschaftsabbruch macht, verurteilen. Weil das eigene
Leben, die eigene Zukunft ebenso wichtig sind. Und wenn jemand kein Kind möchte,
sollte das akzeptiert werden.
Susan
Ich bin heute 40 Jahre alt. Ich habe über 20 Jahre in lesbischen Beziehungen
gelebt. Als ich mich in einen Mann verliebte, war das schon komisch für
mich. Wir hatten grade mal 3 oder 4 Treffen, als ich im Jahre 2002 von
ihm schwanger wurde. Naja, naiverweise dachte ich, wird ja wohl nicht
gleich beim ersten Mal ein Volltreffer werden.
Ich hatte mich grad nach einer geeigneten Verhütungsmethode umgesehen,
als ich feststellte, dass ich bereits schwanger bin.
Mein Freund, der unpassenderweise bereits verheiratet war, sagte mir,
entweder er oder das Kind. Wenn ich das Kind bekäme, so sagte er, würde
ich ihn verlieren. Er war die Liebe meines Lebens, so dachte ich, und
ich wollte ihn nicht wieder verlieren, da ich hoffte, irgendwann steht
er zu mir und trennt sich für mich von seiner Frau.
So hatte ich die Wahl... tausche Kind gegen Mann... Während der
Schwangerschaft habe ich jegliche Berührungen mit meinem Bauch
vermieden. Ich hatte Angst, Kontakt zu meinem Kind aufzubauen. Ich hab
mich - stark von meinem Partner beeinflusst - gegen das Kind
entschieden.
Die Abtreibung erfolgte in der 12. SSW. Obwohl ich im Wartezimmer der
Praxis in Tränen ausgebrochen bin, als mein Name genannt wurde (mein
Partner war dabei), konnte ich mich nicht gegen seinen Willen wehren
Die Abtreibung war nicht schmerzhaft ( zumindest hab ich keine
Erinnerung an Schmerzen). Alles verlief
ohne Komplikationen.
Was danach kam, hat mein Leben verändert.
Nach 5 Jahren hat mein Partner mich verlassen und ich stand da - ohne
ihn, ohne unser Kind.
So habe ich begonnen, meinen Sohn ins Leben zurück zu holen. Er bekam
einen Namen und seinen Platz an meiner Seite. Er hat mich sehr lange
begleitet. Depressionen sorgten für viele Krisen. Lebensmüde Gedanken
immer in den Momenten, in denen ich feststellte, dass "David" ja gar
nicht bei mir ist, sondern im Himmel.
Als ich vor über einem Jahr kapiert habe, dass ich krank bin, hab ich mir Hilfe bei einem Psychiater gesucht. Seither mache ich
eine Therapie.
Ein großer Tumor 2005 im Bauchraum hatte eine Hysterektomie zur Folge
und somit ist meine Chance, ein Kind zu bekommen, vorüber.
Ich lebe etwas isoliert, aber beinah zufrieden...
"David" wäre heute 5 Jahre und 8 Monate... Ich liebe ihn und habe noch
immer Sehnsucht nach ihm und oftmals nach dem Tod, damit ich bei ihm
sein kann.
Aber mein Therapeut leistet ganze Arbeit und fordert mich immer auf, das
"nächste Mal" wieder zu kommen. Bin froh ihn zu haben....
Anni, 41 Jahre, 18.06.08
Im Januar bin ich mit meinen beiden Kindern nach Vancouver in Kanada
gezogen, zu der Zeit wohnte und arbeitete mein Mann schon hier. Die ersten Wochen waren für uns schwer,
keine Freunde und die Kinder hatten noch keine Genehmigung, in die Schule
zu gehen. Kurze Zeit später wurde mein Sohn von Tag zu Tag ein bisschen
mehr krank, die schlimme Phase ging bis Anfang Juni. Dazu muss ich auch
noch sagen, dass er ADHS hat und das nicht wenig. In dieser Zeit hat
sich natürlich alles um ihn gedreht, ich habe nicht mitbekommen, dass
ich die Pille nicht regelmässig nahm. Ich habe oft geweint wegen meinem Sohn, ich hätte es
bald nicht mehr länger aushalten können. Aber jetzt das Positive: meinem
Sohn ging es seit Anfang Juni merklich besser. Ich merkte dann, dass ich ca. eine Woche
überfällig war. Sofort in die Pharmacy
gefahren, gleich 2 Tests geholt, einer kann ja immer mal falsch
anzeigen, beide das gleiche Ergebnis: SCHWANGER. Und das kurz vor meinem
42. Geburtstag. Am nächsten Morgen bin ich gleich zum Hausarzt (wird
hier alles vom Hausarzt gemacht), er machte Urin- und Bluttest. Danach fragte er mich, willst Du das
Kind behalten? Ich braucht nicht überlegen, das hatte ich ja in der
letzten Nacht getan. Daraufhin gab er mir die Telefonnummer von einer
Einrichtung, welche sich "Everywoman's Health Center" nennt. Mein Termin sollte der 23.6.08 sein,
gestern rief mich eine nette Dame von dort an und sagte, morgen 09.30
Uhr ist noch was frei. Ich habe darauf hin alles sofort umgeplant, was
heute gewesen wäre und bin nach einer schlecht geschlafenen Nacht 50
Minuten zu früh dort eingetroffen.
Dieses Center war echt super.
Es kann nicht jeder da hinein [es gibt in Kanada aggressive
Abtreibungsgegner. Anm. d. Red.], die Tür ist verriegelt und es arbeiten
nur Frauen dort, man wird nicht blöd angeschaut, die Ärztin hat mich
umarmt und gesagt, ich will dir nur helfen. Es warten einige Männer auf Ihre Frauen,
manche Frauen kommen mit Freundin und andere sind allein. Jetzt habe ich
ein paar Seiten Papierkram auszufüllen und anschliessend gings
ins Zimmer der Beraterin. Sie versucht nicht, dir den Abbruch auszureden,
sondern unterstützt dich in deiner Entscheidung und hinterfragt diese
Entscheidung nochmals, erklärt dir die Methode des Abbruchs und stellt
dir Verhütungsmethoden vor. Nun kommt man in das sogenannte Ruhezimmer,
dort sind lauter kleine Kabinen mit Liegesessel und Heizkissen und ein
zweiter Stuhl sowie Zeitschriften. Ich bekomme
5 Tabletten (1x Ibuprophen und 4x Antibiotika). Dann ging es ins
Behandlungszimmer, immer 2 Schwestern an meiner Seite, diese tragen hier
keine weissen Sachen, sondern ganz normale. Im Zimmer läuft leichte
Musik, ich habe jetzt mehr Angst. Ich bekomme noch 2 kleine Tabletten
zur Beruhigung
unter die Zunge und man gab mir Bonbons wegen dem üblen Geschmack der
Tabletten. Als nächstes folgte dann der Ultraschall, den ich auf gar
keinen Fall sehen wollte. Bei mir wurde die Absaugmethode unter lokaler Betäubung
durchgeführt. Plötzlich drehte die Ärztin den Bildschirm mir zu und sagte: "Keine Angst,
das muss ich dir zeigen, es gibt kein Baby." "War ich also doch nicht
schwanger?" "Doch, aber das Baby ist nicht gewachsen, es wäre früher
oder später sowieso gegangen, mit starken Bauchkrämpfen." Irgendwie hat
mich das total beruhigt, ich habe nun
auch überhaupt kein schlechtes Gewissen mehr, was ich vorher doch ein
bisschen hatte. Vor dem
Eingriff bekam ich noch etwas in die Vene gespritzt. Ich habe absolut
nichts gemerkt und habe auch keine Sauggeräusche wahrgenommen,
dafür war ich sehr dankbar. Vor den Schmerzen hatte ich wahnsinnige
Angst, aber das Team hat es super drauf. Zum Abschluss hat man
mir die Schale mit den Resten gezeigt, es waren rötliche Fetzchen und
eine kleine Bohne - mein Böhnchen - hautfarben, nichts von "Hände, Kopf,
Füsse" o.ä. Es
konnte nicht leben, wollte nicht und durfte nicht. Danach verbrachte ich
noch vielleicht 30 Minuten mit meinem Mann im Ruheraum und dann
sind wir nach Hause gefahren, ich habe den ganzen Nachmittag geschlafen. Der Eingriff ist jetzt 6,5 Stunden
her. Mir geht es sehr gut und ich habe keinerlei Schmerzen.
Jolanda
Ich schreibe hier meine Geschichte um mir etwas von der Seele zu
schreiben. Ich bin eine 30-jährige Mutter von zwei tollen, gesunden
Kindern (11 u. 6 Jahre). Als das kleinere Kind nicht ganz 1 Jahr alt war,
wurde ich ein weiteres Mal (ungewollt) schwanger. Die Beziehung zu meinem
Freund bestand nur noch aus Lügen und Betrug. Ich liebte diesen Mann aus
ganzem Herzen, konnte aber kein Kind mehr von ihm bekommen. Zu diesem
Zeitpunkt stand für mich bereits fest, dass ich mich trennen würde. Es
ging mir so schlecht in dieser Beziehung, dass ich innerhalb von 4 Monaten
mehr als 10 Kilo abgenommen hatte. Mein Freund überließ mir die
Entscheidung, bat mich dann allerdings zu dieser Zeit auch noch, seine
Frau zu werden (was für ein Unsinn)!
Ich ging zu einem Gynäkologen
und dieser bestätigte mir, dass
ich in der 5. SSW war. Da ich ihm gleich sagte, dass ich dieses Kind nicht
bekommen möchte, gab er mir Adressen von Abbruchsmöglichkeiten. Ich komme
aus Vorarlberg (Österreich) und hier sind Abbrüche nicht ganz so leicht zu
verwirklichen. Ich ging ins Ärztehaus nach Bregenz und wollte mich dort
beraten lassen. Mit einem Termin in der Tasche sind wir dorthin gefahren
(mein damaliger Freund, das kleine Kind und ich), meine Eltern durften
nichts davon erfahren!!!! Meine Eltern sind der festen Überzeugung, dass
Abtreibung einfach nur Mord ist!! Nicht daran zu denken, was für Vorwürfe
sie mir gemacht hätten. Wir waren also dort im Wartezimmer, und anstatt
die Information einfach schnell zu bekommen, mußte ich 1,5 Stunden
warten. Ich konnte diese Warterei nicht ertragen und bin gegangen ohne
beraten worden zu sein. Ich versuchte es bei einem anderen Arzt, da ich
in Bregenz auch noch mit Abtreibungsgegnern zu kämpfen
hatte. Die beschimpften mich als Mörder und hielten mir Bilder vor die
Nase, die ich nicht sehen wollte.
Als ich den Termin bei diesem anderen Arzt hatte, war ich bereits in der 9. SSW!
Er untersuchte mich, erklärte mir wie es gemacht wird und
gab mir einen Termin den Tag darauf. Mein Freund sollte an diesem Tag
dann auf das kleinere Kind aufpassen. Er ist Türke und ließ dann
anklingen, er würde sich freuen, mit der Kleinen allein zu sein (er
brauchte auch den Reisepaß der Kleinen, um etwas mit ihr unternehmen zu
können)! Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich hatte
plötzlich Angst, er könnte mit ihr ins Ausland verschwinden, während ich
in Narkose lag. Was sollte ich tun??? Ich hatte niemanden, der auf die
Kleine aufpassen konnte. Der Große war im Kindergarten und gut versorgt,
aber was sollte ich mit der Kleinen tun??? Ich ging schweren Herzens zu
meinen Eltern, und dann kam die Überraschung: sie wollten mich
unterstützen, egal wie ich mich entscheiden würde.
Gut, jetzt hatte ich jemanden auf meiner Seite und konnte endlich mit
jemandem reden. Ich ging also am nächsten Tag zu meinem Termin, die
Kleine war bei der Oma versorgt. Oma und mein kleiner Sonnenschein haben
mich hingefahren. Meine Gefühle kann ich
nicht beschreiben, es war, als ob die ganze Welt mich erdrücken
wollte, als ob ich auf mein eigenes Begräbnis ginge. Ich weinte
und weinte. Ich mußte mich ausziehen und auf diesen gräßlichen
Stuhl sitzen, ich wurde angeschnallt, kam mir vor wie ein Stück Vieh. Als mir der Arzt erklärte, dass er mir
jetzt eine Beruhigungsspritze geben würde, kam mir eine Idee: wenn er
mir jetzt diese Spritze gibt, werde ich alles vielleicht mit weniger
Verwirrung sehen. Ich werde ruhiger sein, das Herzrasen wird weg sein,
dieser Schmerz in der Brust! Ich dachte, ich könnte mich dann gegen den
Abbruch und für das Kind entscheiden!!
Dann bin ich aufgewacht, auf einem Sofa im anderen Raum. Total
schwindlig stand ich auf, hab mich angezogen und nur noch raus. Zu meinem Glück stand
meine Mutter schon vor der Tür. Ich stolperte ins Auto und schlief
sofort wieder ein. Zuhause durfte ich bei meinen Eltern ausruhen. Ich weinte und weinte. Mir wurde bewusst, was
ich getan hatte. Ich war wütend auf den Arzt, auf mich selber. Ich war wütend
auf die ganze Welt und eigentlich war es doch allein meine Schuld. Warum
hatte ich es so weit kommen lassen?? Warum ließ mich der liebe Gott
schwanger sein, wenn ich doch 5 Stunden nach dem Verkehr "die Pille
danach" genommen hatte. Warum???????
Meine Welt brach zusammen!! Mein Freund
meldete sich nach dem Abbruch nicht bei mir, es interessierte ihn nicht,
wie es mir gegangen ist. So konnte ich zumindest mit meinen Gefühlen zu
ihm abschliessen. Ich war auch wütend auf ihn, und das hat es für mich
leichter gemacht.
Nun sind etwas mehr als 4 Jahre vergangen. Nach dieser Geschichte konnte ich keine Beziehung mehr eingehen.
Zu groß war meine Angst, wieder schwanger und verletzt zu
werden. Seit 9 Monaten hab ich jetzt wieder einen Freund, er kennt meine
Geschichte und kann mit meiner Angst umgehen. Er hilft mir, wenn ich
wieder mal meine schlechten Tage habe und diesem Kind nachweine! Er ist
für mich da und gibt mir Halt. Ich habe noch ein Ultraschallbild von diesem
kleinen Zwerg, und vor kurzem meinte mein Freund, ich sollte es
"beerdigen". Ich kann das allerdings heute noch nicht. Es ist das
einzige was, mir geblieben ist von "meinem
Kind"! Ich würde jeder Frau raten, lange zu überlegen, was sie tun
möchte. Oder besser noch: lieber doppelt zu verhüten!
Olivia
Ich war 3 Wochen in Russland an einem Kurs. Als ich nach Hause kam, bekam
ich einen viralen Infekt (RS-Virus). Der Arzt hat mir, weil ich nicht
gesund wurde, starke Antibiotika verschrieben. Dies warf mein Zyklus
total durcheinander. D.h. ich hatte, während ich krank war, meine Periode
und 10 Tage später wieder (Zyklus sonst 33 Tage). Da es nicht einfach
Schmierblutungen waren, sondern Blutmengen wie bei einer normalen
Periode, fing ich bei meiner "natürlichen" Verhütung wieder bei Null an
zu zählen. Dies war, wie sich herausstellte, falsch. Muss hier noch
anfügen, dass ich (28) noch nie so Zwischenblutungen hatte und auch
nicht wusste, dass Medikamente dies auslösen können.
Ich arbeite als Helikoptermechanikerin. Wir hatten in meiner Firma am Montag 5.März 07 einen unserer Helikopter verloren (8 Arbeitskollegen
sind dabei gestorben). 3 Tage später erfuhr ich, dass ich schwanger war.
Ich stand im absoluten Chaos. Ich kann es nicht genau beschreiben, das
Gefühl, ich war so verloren. Mein Freund stand aber hinter mir, egal wie
ich mich entscheiden würde. Meine Frauenärztin wollte mich nicht so
schnell entscheiden lassen und schickte mich wieder nach Hause. Ich
musste in den darauf folgenden Tagen manchmal sogar 2 Beerdigungen an
einem Tag hinter mich bringen. Die Eltern meiner diversen Mitarbeiter
waren die Leute, die mir am meisten Leid taten. Ich konnte mich nicht
dazu entscheiden, nachdem so viele Leute gestorben waren, dieses Kind
auszutragen.
Der Entscheid stand nicht sofort fest. Vor allem als die Frauenärztin
merkte, dass ich kämpfte, wartete sie ab. Ich diskutierte über Tage mit meinen
engsten Freunden, was das ganze nicht leichter machte, da es da auch
jemand dabei hatte, der zu dem Zeitpunkt erfahren hatte, dass er Vater
werden würde./>
Die Frauenärztin war sehr nett. Nach dem 4ten Besuch meldete sie mich
im Spital an. Dort habe ich leider nicht sehr gute Erfahrungen
gemacht. Als ich dorthin kam, musste ich zuerst in den Ultraschall,
dort musste ich an der Rezeption vor einer Horde Angestellter mitteilen,
dass ich einen Ultraschall machen müsse, da niemand wusste weshalb, musste ich erzählen, dass ich hier sei wegen einer Abtreibung. Da
verstummte das Geschwätz, es war mir so peinlich. Nach der
Untersuchung wurde ich auf ein Zimmer gebracht und dort erklärte mir
eine ganz nette Schwester, dass ich jetzt eine Tablette bekomme und danach nach Hause dürfe, aber zuerst komme noch ein Arzt. Ich musste 4
Stunden in diesem Zimmer auf den Arzt warten, ich weiss nicht, ob dies so
geplant war um mich umzustimmen. Nach ewiger Zeit kam ein junger Arzt
total gestresst rein, fragte mich mit kurzem Atem, ob ich Fragen habe, als
ich verneinte, fragte er mich, ob ich ein Formular unterschreiben
würde, wo ich erlaube, dass sie meinen Embryo für medizinische
Forschungszwecke verwenden. Ich war
geschockt... Ich weiss nicht, vielleicht bin ich naiv. Fragt man so was? Und dies nach 4 Stunden
warten, wo man sich sowieso 1000 Mal die Frage stellt, ob man nicht
doch lieber nach Hause sollte. Ich unterschrieb total benommen das Formular
und schluckte die Tablette. Ich packte meine Sachen, nahm den Zug und
fuhr nach Hause.
Nach ca. 4 Stunden ging es los, sehr starke Blutungen setzten ein. Ich sass nur da und wartete die
2 Tage ab. Ich
schlief nicht, sass nur da, aus Angst
etwas falsch gemacht zu haben. Am 2ten Tag ging ich ins Spital und bekam
ein Kontraktionsmittel, wovon ich starke Schmerzen hatte, wobei ich
nicht weiss, ob dies mehr psychisch war, weil ich nicht los lassen
wollte. Ich bekam Schmerzmittel. Nach
3 Stunden, weinend auf dem Klo, schied mein Körper den Embryo aus. Ich muss
ehrlich sagen, dass ich mich noch heute schäme. Eine Schwester sass die ganze Zeit bei mir im Klo, während ich Durchfall hatte und
erbrach. Die wird auch gedacht haben! Ich weiss nicht mal ihren Namen.. sie
war einfach da.
Es ist nicht so, dass ich jeden Tag dran denke. Ich hatte Mühe, als diverse Babies
in meinem Bekanntenkreis auf die Welt kamen und all die Menschen sich so fest
darüber freuten. Ich traue meinem Körper nicht mehr, obwohl er mich noch
nie so belogen hat, wie in jenen Tagen. Aber ich muss ehrlich sagen, dass
ich denke, dass der Entscheid damals richtig war. Würde ich heute aber
schwanger werden, würde ich anders entscheiden.
Iris
Ich bin 29 Jahre alt und habe einen 6jährigen Sohn. Wir sind allein seit
einigen Jahren und kürzlich hat es auch mich erwischt. Bei einer
lockeren Affäre ist es passiert... ich wurde schwanger. Ich muss ehrlich
gestehen, dass ich es mit der Verhütung habe schleifen lassen. Ich hatte
die kindliche Einstellung, dass mir das schon nicht passieren würde. Nun
ja, ich wurde eines Besseren belehrt. Anfänglich hatte ich... von
Hormonen und dem Herzen gesteuert... nur den Gedanken an ein "für das
Kind". Innerhalb recht kurzer Zeit mischte sich die Vernunft ein. Ich
allein mit 2 Kindern? Finanziell und sozial wäre es für uns der absolute
Abstieg gewesen... vor Allem kämpfe ich seit einiger Zeit massiv um
einen Arbeitsvertrag. Der Entschluss für den Abbruch stand bald fest.
Zweifel liess ich nicht mehr zu, hatte ich doch schon genug gegrübelt.
Kurz vor dem Eingriff machte ich mich auf den Weg, um im Netz eine Seite
zu finden, die mir Mut macht... mich in meiner Entscheidung unterstützt.
Fehlanzeige. Ich bin nur auf Propagandaseiten gestossen, in denen
Menschen wie ich als Mörder dargestellt werden... bis ich auf diese
Seite kam. Nach und nach schaffte es diese Seite, mir mein schlechtes
Gefühl wieder zu nehmen und vor 5 Tagen war es dann so weit. Der
Eingriff an sich war nicht aufregend und schnell erledigt. Am Tag danach
meldete sich dann zum ersten Mal mein Gewissen. Nicht weil ich es
bereute, sondern weil plötzlich merkwürdige Bilder in meinem Kopf
auftauchten. Ausserdem reagiere ich momentan recht empfindlich auf
schwangere Frauen und junge Mütter... ja fühle mich regelrecht verfolgt.
Dann wiederum sehe ich mein Kind an....mein Kind, dem ich ein Leben in
Armut erspart habe und mein Kind, für das ich auch weiterhin ganz da
sein kann und dann weiss ich, dass meine Entscheidung richtig war. Anbei
möchte ich noch bemerken, dass man als Alleinerziehende sowieso schon
einem Wahnsinnsdruck ausgesetzt ist. Bei mir kommen noch chronische
Schmerzen hinzu, die demnächst einer aufwendige
n Therapie bedürfen. Es wären nicht nur die Kinder auf der Strecke
geblieben, sondern ganz besonders ich. Vermutlich werde ich noch öfter
traurig sein, aber ich bin unglaublich dankbar für die Möglichkeit, dass
ich mein Leben doch nochmal in eine lebenswerte Richtung habe lenken
dürfen und aus diesem wirklich dummen Fehler werde ich ganz bestimmt
lernen... und wer weiss, vielleicht werde ich eines Tages ein Baby im
Arm halten von einem Mann, der mich liebt und mich nicht allein lässt.
Ich wünsche euch alles erdenklich Gute!!!
Anna, 16.1.08
Mein erster Abbruch war vor 9 Jahren, ich war damals 19... war selbst
schuld. Ich wusste,
dass ich meinen Job verlieren werde (schon vor der Schwangerschaft),
dass mein Freund nicht bei mir bleiben würde, dass ich völlig unfähig
bin mit Geld umzugehen usw. usw. Was ich nicht wußte: Wie es mit meiner
Zukunft weiter geht. Also Abbruch! Die Entscheidung fiel nicht leicht,
ich traf sie, sofern das
in dem Alter möglich ist, sehr bewußt. Der Abbruch war für mich eine
Befreiung. Die darauf folgenden Tage waren der Horror. Denn mir sagte
niemand etwas über mögliche psychische Folgen: tagsüber war ich am
rumgackern, nachts hatte ich Todesangst. Ich habe mich selbst nicht mehr
wieder erkannt, was noch mehr Panik hervorrief. 14 Tage später war ich
wieder ich selbst. Ursache: Der Verstand war klar, aber das Herz, alle
Emotionen ... die waren mit dem Verstand, der Vernunft nicht im
Einklang. Die Psyche hat ihre eigenen Methoden damit umzugehen, sie
sucht sich ihren Weg, um damit zurecht zu kommen. Heute weiß ich das.
Und heut hat es mich wieder getroffen. Bin also zum 2. mal schwanger. Dieses
Mal war ich nicht schuld: falsche Einsetzung des Stäbchens vom Arzt.
Klar, kann man sich über den Arzt aufregen... aber vorrangig muss man
den FAKT SEHN. SCHWANGER! Und das zum 2. Mal. Was nu????
Als der Test positiv war, fühlte ich nichts... bis heute hält dieses
Gefühl an, ich empfinde für das was da ist einfach nichts. Keine Freude,
keine Trauer... einfach nichts! Mein Partner und ich haben uns gegen ein
Kind entschieden. Für mich gehört für eine Zeugung der Mann dazu, für
eine ungewollte Zeugung ebenfalls, und somit darf er ja wohl auch seine
Meinung zum Thema abgeben. Die Frau hat die letzte Entscheidung, das
liegt in der Natur der Sache. Bei einer intakten!!!!!! Beziehung sollten
aber beide etwas dazu sagen können.
Er ist arbeitslos, ich Studentin (arbeite nebenbei im Familienbereich), der Schuldenberg
durchs Studium sehr hoch (werde am Ende des Studiums 35.000 zurückzahlen
müssen), mit einem Kind, ohne Job???? Undenkbar für mich. Der Abbruch
fällt mir keineswegs leicht, ich möchte Kinder haben. Und sicherlich
gibt es nie den richtigen Zeitpunkt für ein Kind.... nur extrem
ungünstige, wie bei mir jetzt.
Habe nur Angst, dass wieder diese Depressionen kommen. Der Abbruch
erfolgt mit RU 486 und nächste Woche Montag ist es soweit. Ich bin sehr
ängstlich, was die Schmerzen angeht. Blutungen, Wehen und Schmerzen bis
zum Umfallen?????
Einige Tage später
Schritt 1. yne-Tabletten vertrage ich, Gott sei Dank, sehr gut.
Und interessanter Weise gehts mir nicht nur körperlich, sondern auch
emotional ganz gut.
Für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen: Mein Mann fährt mich
zur Tagesklinik. Eine Schwester bittet mich in das Untersuchungszimmer.
Sie drückt 3 Tabletten, die ziemlich groß sind, aus der 'Packung. Vor
mir steht warmer Hagebuttentee. Ich finde das sehr lieb von der
Schwester.
Sie reicht mir die 3 Tabletten. Da liegen sie nun in meiner Hand und ich
denke: JA! Das ist die richtige Entscheidung. Runter damit. Bleibe mit
meinem Mann noch 30 Minuten, um zu sehen, wie ich sie vertrage. Alles ok,
ab nach Hause, Blumen gießen, Post holen... alles ist irgendwie schön
normal. Ich merke, wie ich wieder ich selbst werde und fühle mich
einfach nur befreit!
Mal sehn, was am Mittwoch
dann passiert. Aber für mich ists jetzt schon abgeschlossen - Fruchtsack
ist am absterben.
Also was das immer so aufgebauscht wird...?! Nicht nachvollziehbar.
Tag 2, leichtes Ziehen im
Unterleib. Aber nicht schmerzhaft. Leichte Blutungen haben soeben
eingesetzt und irgendwie erleichtert mich diese Tatsache. Das bewusste
Miterleben des Abbruchs vertrage ich sehr gut. Ich fühl mich fit und
wohl. Packe meine Tasche für morgen: 6 Stunden muss ich in der
Tagesklinik bleiben. Naja, es gibt sicher Schöneres. Hoffe nur, dass die
Wehen nicht extrem schmerzhaft werden.
(Das ist mein Erlebtes und muss nicht bei jedem so sein! Es ist keine
Meinung, sondern ein Empfinden!)
3. Tag
Die ungeschminkte
Wahrheit... und nichts als die Wahrheit
6 Uhr: ich stehe auf, der letzte Schritt steht mir bevor. Ich bin
gelassen. Mein Mann fährt mich, darf leider nicht beim eigentlichen
Geschehen dabei sein (Hygiene)
7.30: Tagesklinik und ich hab ein Zimmer für mich allein. Das find ich
sehr angenehm
7.31: Schlucke 2 Tabletten, beziehe mein Bett, schlüpf hinein und na
hoppla... gehts denn schon los? Bekomme Krämpfe... aber durchaus
erträglich. Denke nur: raus... es muss alles raus (das klingt
kaltherzig, ist aber für mich ein Fruchtsack und nicht mehr!)
8.00: erster Gang zum Klo, die Schwester wartet draußen. Sind das meine
Innereien oder was? Hm, der Anblick schockiert mich nicht. Die Schwester
schaut sichs an: Alles raus.
Irgendwo las ich, es seien kleine Brocken... ne, bei mir nicht!
12 Uhr: ich darf heim, mein Mann wartet seit 7.30 tapfer im Wartebereich
der Praxis. Schön! Wir machen einen Spaziergang, gaaaaaanz langsam. Ich
schlürfe Kaffee und genieße die warme Sonne. Wir reden über das
Geschehene und wie es mir geht... wie es ihm geht. Ich fühl mich wohl.
Er fühlt sich wohl. Es ist endlich von mir gefallen, der Druck, der
Ausnahmezustand. Ich bin wieder ich selbst.
5. Februar
Ich habe bewusst entschieden und bereue es nicht.
Monique
Ich habe am 4.1.2008 in Wismar (Deutschland) einen
Schwangerschaftsabbruch gehabt! Habe die Pille genommen, hatte aber eine
Magen-Darm-Grippe eine Woche lang - ja sicher ist es klar, wenn man
Durchfall hat und spucken muss, dass die Pille dann weg ist, aber daran
hatte ich überhaupt nicht gedacht!
Habe den Abbruch gemacht, weil ich einen kleinen Sohn habe, 3 Jahre alt,
und er ist hyperaktiv, musste schon 3 Therapien machen, und ich fühle
mich einem weiteren Kind überhaupt nicht gewachsen. Ich liebe meinen
Kleinen sehr, aber ich wusste nicht, ob ich ein zweites Kind auch lieben
könnte und ob ich das alles schaffe und der Papa will auch keine Kinder
mehr!
Ja mein Arzt hat mich echt super behandelt, ist ein netter Mensch und
hat mir Mut gemacht und alles erklärt, kam danach sogar noch in den
Aufwachraum und hat mich gefragt, wie es mir geht und gesagt, dass alles
gut ist. Es war ein Freitag und Samstag früh hat er bei mir zuhause
angerufen und gefragt, ob es mir gut geht und wenn was ist, soll ich ihn
anrufen!
Bei dem Eingriff (Saugmethode mit Vollnarkose ) habe ich nichts gemerkt
und danach, na ja, körperlich gar keine Schmerzen, aber seelisch, gleich
wie ich wach wurde!
Nun fühle ich mich erleichtert, aber auch traurig und leer, habe wie ich
wach geworden bin, geweint und konnte nicht aufhören, wusste aber nicht
wirklich warum. Auch heute weine ich noch oft, ich bereue es auch, aber
trotzdem weiss ich, dass es für unsere Familie besser war. Aber ich muss
auch sagen, ich würde es nie wieder tun - auch wenn's keine Schmerzen
waren, aber die Seele tut doch weh, was ich nie gedacht hätte!
DANN NOCH BILDER UND VIDEOS IM INTERNET, DIE ICH HEUTE GEFUNDEN HABE,
MACHTEN MICH TRAURIG UND SAUER AUF MICH SELBST, BIS ICH AUF DIESE SEITE
KAM UND DIE WAHRHEIT SEHEN DURFTE, WIE DIE FÖTEN ENTWICKELT SIND IN DEN
ANFANGSWOCHEN.
Helena
Als erstes bin ich nun mal sehr froh, dass es so vielen Frauen ganz
ähnlich geht, denn ich mache mir die größten Vorwürfe über mich und mein
herzloses Verhalten, aber manchmal geht es leider nicht anders...
Ich bin 39 und Mutter von zwei Kindern 15 und 5. Mit 21 geheiratet, 3
Jahre später das erste Kind und 5 Jahre später die Scheidung. Bis da
alles normal und bis dort habe ich auch immer über ungewollte
Schwangerschaften gemault, denn jede "gescheite" Frau weiss wie man
schwanger wird... Nun, ich sollte auf diese Art und Weise bestraft und
belehrt werden.
Im Mai 2000 wurde ich trotz Pille schwanger (ein Tag zu spät genommen).
Mein Freund sagte sofort NEIN, ich ja und nach 6 Wochen kam es zu einer
Fehlgeburt. Erste ungewollte Schwangerschaft hat sich von allein
erledigt. 4 Monate später wieder ungewollt schwanger (hatte die Pille
abgesetzt und schlecht aufgepasst). Drei Monate lang habe ich meinen
Freund dazu überreden wollen, dass wir das Kind bekommen... er sagte,
nur wenn ich die ganze Verantwortung allein übernehme. Also der erste
Abbruch in meinem Leben. In einem Ambulatorium in der Hauptstadt, ich
und er haben halb halb bezahlt, mit Vollnarkose, wo mich zwei
Teufelinnen vor der Spritze festgehalten haben. Das letzte was ich in
der Panik sagte, war "bitte wartet noch" und da spürte ich schon die
Nadel in meinem Arm. Es fühlte sich an, als hätten sie mir einen
Stahldraht durch den Arm gesteckt und ihn Richtung Kopf geschoben. Eine
Sekunde später war alles weg. Als ich wieder aufwachte, war das erste
was ich gespürt habe, höllische Bauchschmerzen. Ich fühlte mich todkrank
und wollte nur schlafen. Da kam eine Frau, die genauso gut eine
Gefängniswärterin sein könnte und sagte: aufstehen und anziehen.
Einige Monate später mußte ich ins Krankenhaus, weil ich immer noch an
Bauchschmerzen litt und Schmerzen beim Stuhllassen hatte. Keine Ahnung
was die da mit mir gemacht hatten... 1,5 Jahr später wieder ungewollt
schwanger. Dieses Kind (meine Tochter heute) habe ich auch ohne den
Vater bekommen, weil ich viel zu viel Angst vor der Abtreibung hatte.
3/4 Jahr nach der Geburt meiner Tochter wieder ungewollt schwanger. Ich
muß dazu sagen, immer vom gleichen Mann. Er wollte keine Kinder, war nie
da und wenn er kam, machte er mich schwanger... Ich ging verzweifelt
durch die Straßen, den Kinderwagen schiebend und weinte (der
Verantwortliche war weg und wusste es nicht einmal). Da stand auf einmal
ein Mann vor mir mit einer Tafel in der Hand, der gegen Abtreibungen
demonstrierte. Er war meine Rettung!!! Ich fragte, warum er da steht und
er sagte, weil da nebenan ein Arzt ist, der Abtreibungen vornimmt. Genau
dort ging ich am nächsten Tag hin und bin diese Schwangerschaft auf eine
unwahrscheinlich angenehme heimelige Art los geworden, die ich nie
vergessen werde. Nur mit örtlicher Betäubung und davor und danach ganz
ohne Schmerzen.
Nun, ich dachte, weg mit diesem Freund auf nimmer Wiedersehen und das
wird mir NIE WIEDER passieren... dachte ich. Heute, 5 Jahre später, habe
ich seit 1Jahr einen Freund, der keinen anderen Wunsch hat, als ein Kind
zu haben. Gestern habe ich zum 3. Mal eine Abtreibung unternommen, ohne
ihn zu fragen, weil wir die letzten Monate viel Streit hatten und ich
Angst hatte, wieder allein da zu sitzen mit drei Kindern von drei
verschiedenen Vätern...
MEIN Freund ist zerstört, weil ich das gemacht habe und ich weine den
ganzen Tag. Ich wusste gar nicht, dass ihn das so verletzen würde,
nachdem keiner meiner Männer sich je gefreut hatte.
Christina
Ich bin 31 Jahre und habe bereits zwei Kinder (2 und 5 Jahre). Da mein
Mann als unfruchtbar gilt, haben wir nachdem unsere Kinder per
ICSI-Behandlung entstanden sind, auch nicht auf Verhütung achten
brauchen. Im Mai hatte ich aber plötzlich einen positiven Test in der
Hand. Das war soooo unwahrscheinlich. Kaum zu glauben. Eigentlich hätten
wir uns über dieses Wunder freuen müssen, aber v.a. ich habe mehr
geheult. Ein drittes Kind war wirklich nicht geplant und finanziell
hätte es den Ruin bedeutet.
Nach vielen Auf- und Abs habe ich mich schließlich für den Abbruch mit
Mifegyne entschieden. Meinem Mann fiel diese Entscheidung aus
Existenzangst viel leichter als mir. Es war nicht halb so schlimm, wie
ich dachte. Gut getan hat, die Entscheidung die Pille zu schlucken,
selbst getroffen zu haben und ganz bewusst.
Danach ging es mir eigentlich nicht schlecht, es sei denn ich habe
irgendwo von einer Schwangerschaft erfahren oder eine Schwangere
getroffen, die genauso weit war wie ich gewesen wäre. Einfach zu sehen,
wie der Bauch größer wird und ein Baby heranwachsen darf und ich habe
meinem keine Chance gegeben - das hat mir den Hals zugeschnürt und ich
bin ständig davongerannt.
Erst nach 4-5 Monaten bin ich wieder etwas zur Besinnung gekommen. Ich
bemitleidete eigentlich eher, wenn andere schwanger herumlaufen mussten
oder mit so einem Zwerg, zu dem ich wirklich gar keine Anziehung
verspürt habe. Trotzdem wollte ich mir die Option für ein drittes Kind
in ein paar Jahren noch offen halten.
Jetzt, letzte Woche kam aber der Oberhammer: Ich bin schon wieder
ungeplant schwanger. Das kann gar nicht sein! Wir hatten so aufgepasst.
Nur kurz nach der Regel hatten wir ungeschützten Verkehr und bei der
nächsten Regel (sollte übrigens erst die dritte seit dem Abbruch sein),
wollte ich mir die Spirale einsetzen lasse. Aber die Regel kam nicht!
Das Kind scheint Ende der Regel entstanden zu sein.
Diesmal heule ich nicht. Fühle mich wie im Vakuum. Mein erster Gedanke
war: Behalten - das ist nun mal Schicksal, vielleicht ein Geschenk, bei
einem sterilen Mann. Eine Woche habe ich nun versucht, mich an den
Gedanken zu gewöhnen, ein drittes Kind zu bekommen. Ich habe es Freunden
erzählt, die auf jeden Fall eine Schwangerschaft befürworten. Meinem
Mann, der schon gegen die erste ungewollte Schwangerschaft war, habe ich
unmissverständlich klar gemacht, dass ich dieses Kind behalten werde.
Doch jetzt kommen mir größte Zweifel. Finanziell wäre es nun zwar nicht
mehr so ein Problem. Aber ich will das nicht. Es stellen sich keine
Freude, Glück, Zuversicht, Anziehung zu Babys oder ähnliches ein. Im
Gegenteil: Ich verspüre Trauer über einen Teil meines Lebens, den ich
nun nicht so leben kann, wie ich es will, über die langsam gewonnene
Freiheit nach den Babyjahren der Großen, Angst über das Bevorstehende -
ich müsste wieder voll arbeiten und mein Mann arbeitet extrem viel. Wie
soll ich das schaffen? Früh fertig machen, Abends ins Bett bringen,
Kleinigkeiten wie Essen kochen, einkaufen, Haushalt erledigen. Wohin mit
dem Kleinsten? Hobbys wieder etliche Jahre aufgeschoben, jeglichen
kleinen Luxus (Urlaube,...) vielleicht für immer begraben....
Nachdem ich gestern gegoogelt habe und recht unbewusst nach natürlichen
Schwangerschaftsabbrüchen (irgendwelcher Klee,...) gesucht habe, habe
ich heute recht klar gesehen: Auch wenn dieses Kind vielleicht unbedingt
in unsere Familie will und wenn es sicher nicht rechtens ist, solch ein
Geschenk auszuschlagen und das schon zum zweiten mal in 6 Monaten, so
habe ich trotzdem heute einen Termin bei der Beratung vereinbart und mit
meiner Ärztin darüber gesprochen, dass ich am Montag nochmal die besagte
Pille nehmen könnte.
Ich bin im Moment völlig gefühlsarm, spüre keinen Schmerz und auch keine
Freude. Das einzige, was ich verspüre, ist eine gewisse Erleichterung.
Eine Erleichterung darüber, dass ich mich nicht meinem Schicksal ergeben
muss, sondern handeln kann.
Die Geschichte mit dem dritten Kind ist für mich dann aber ein für
allemal abgeschlossen. Wir werden wohl, trotz Sterilität einen
operativen Eingriff machen lassen, damit wirklich nichts mehr passiert.
Hoffe, ich schaffe es diesmal genauso wie vor einem halben Jahr, die
Pille zu schlucken.
Ich werde auch nie mehr über die herziehen, die ungewollt schwanger
werden oder sogar schon zum wiederholten Mal. Auf den Kopf gefallen bin
ich nun wirklich nicht. Verstehen werde ich das alles aber trotzdem
nicht. Wer hat sich das nur für mein Schicksal ausgedacht. Könnten nicht
lieber die Kinder bekommen, die so gerne eines möchten? Davon sitzen
einige in den Kinderwunschpraxen - ich weiß das.
Karen
Ich bin 35, verheiratet und habe 3 Kinder (7, 5, 2). Es waren keine
weiteren Kinder geplant.
Meine Periode kam immer zuverlässig. Wir haben während der vermeintlich
fruchtbaren Zeit mit Kondomen verhütet. Aber der Eisprung fand diesmal
viel früher statt. Intuitiv wusste ich gleich am ersten Tag, dass ich
schwanger bin. Es war ein Schock, aus dem ich nicht mehr herauskam.
Hoffnungen, dass sich alles noch von allein zum Guten wenden könnte,
hatte ich nicht. Bereits 4 Tage später war ich bei meinem Arzt. Zu
diesem Zeitpunkt war nur der Fruchtsack zu sehen. Er erzählte, dass er
im Ultraschall etwas sehen würde und eventuell damit rechne, dass ich
Blutungen kriegen könnte, doch für mich stand fest, dass dies nicht so
sein werde. Ich vertraute auf meine Intuition, die mir etwas ganz
anderes sagte. Von da an habe ich jede Minute des Tage und oft auch in
der Nacht an nichts anderes denken können. Wie sollte ich das schaffen.
Hinzu kam sehr bald die ständige Übelkeit, die praktisch 24 Stunden des
Tages anhielt. Kreislaufprobleme, Schwindelanfälle. Ich hatte mein Leben
nicht mehr im Griff, konnte meinen Haushalt kaum noch erledigen, war
apathisch. Jede Bewegung war eine Qual. Stundenlang sind Tränen
geflossen.
Irgend etwas in mir blockierte, es kam keine Freude, Hoffnung, Zuversicht
auf, es gab nur Angst, unsagbar große Angst. Um mich herum nahm ich nun
alle Schwangeren oder Mütter mit Babies wahr. Aber dieses „Ach, die sind
doch süß-Gefühl" kam nicht auf. Nein, das wollte ich nicht. Ich wollte
nicht mehr dick werden, mich nicht mehr rühren können, nicht mehr stehen
können, weil die Krampfadern anschwollen und schmerzten. Ich litt
während der Schwangerschaften unter Scheidenkrampfadern, die nach 3
Schwangerschaften immer früher und massiver wurden und schon aus
Vorsicht wurde deshalb vor 2 Jahren das 3. Kind per Kaiserschnitt
geboren. Und ich hatte auch furchtbare Angst, dass es noch viel
schlimmer werden könnte. Immerhin hatte jede Schwangerschaft das Gewebe
mehr geschädigt. Und alle Schmerzen und der ständig verkrampfte Bauch,
den ich bei der letzten Schwangerschaft hatte, kamen in Erinnerung....
... weiter
Jasemin,
Ich bin 25 Jahre alt, bin eine Türkin. Ich bin in Deutschland geboren
und mit zwei Kulturen aufgewachsen. Es ist ziemlich schwer, das
Gleichgewicht zwischen der deutschen und der türkischen Kultur zu
meistern.
Meine Geschichte: Ich habe in meinem ersten Türkei Urlaub mit meinen
Freundinnen einen attraktiven Menschen kennengelernt, da ich weltoffen
bin, hat es mir auch nichts ausgemacht, dass er halb Tunesier und halb
Puertoricaner ist. Wir haben eine schöne Zeit miteinander verbracht...
ohne uns irgendwie nahe gekommen zu sein. In Deutschland wieder
angekommen, trafen wir uns an den Wochenenden, wir kamen uns näher ..zu
nah... wir haben nicht verhütet, ich schenkte ihm blindes Vertrauen,
dass er seinen Körper - wie er es nannte - unter Kontrolle habe. Meine
Tage blieben aus... am 06.09.07 machte ich einen Schwangerschaftstest -
positiv....SCHOCK!!!! Ich wusste gar nicht, was ich fühlen sollte. Ich
erzählte es ihm am Telefon, er war schockiert, weil er sich ja so
selbstsicher mit seiner "Kontrolle" darstellte! Er meinte, dass er mit
mir am gleichen Abend darüber reden werde, sobald er zuhause ist. Ich
bekam eine SMS mit den Worten "ich stehe 100% hinter dir, egal was
passiert". Ich rief ihn darauf hin an, nichts... er reagierte nicht.
Vier ganze Tag habe ich nichts von ihm gehört... Verzweiflung. Später
hat er sich gemeldet. Er überlässt die Entscheidung mir, ob ich es
behalte oder nicht. Wir unterhielten uns lange über das Internet, ich
hätte mir gewünscht, dass wir uns sehen ... Jedes Telefonat eröffnete
ich vorwurfsvoll mit warum er so ist, wieso er das, wieso er jenes
macht... ihm passte es nicht, dass ich ihn angreife. Aber er merkte
nicht, dass sein Verhalten mich dazu brachte.
Die Stimmung zwischen uns ist ganz schlimm. Wir hören uns kaum und sehen
uns überhaupt nicht. Alles ist einfach gerade zuviel. Ich frage mich,
welche extreme Situation es denn in einer Beziehung noch geben wird, wo
man den Partner am besten kennenlernt.
Ich vereinbarte einen Termin bei meinem Frauenarzt. Im Ultraschall sah
man das kleine Herz? oder die Ader pochen - ein schönes Gefühl überkam
mich. Muttergefühle??? Ich weiss es nicht. - Bin in der 6. Woche.
Es gibt Phasen, da möchte man sich seiner Mutter in jedem Punkt
anvertrauen. (In anderen Kulturen ist es normal, dass man mit der
Familie über alles reden kann, doch bei mir nicht)... Ich erzählte ihr
von einer Freundin namens... aber es war MEINE Geschichte. Ich wollte
Ihre Reaktion sehen, ihre Meinung hören. Sie meinte, dass entweder der
Tod, Abtreibung oder die Heirat das schwangere Mädchen retten kann...
dass die Familie das Mädchen verbannen wird, verachten wird usw. Es war
grausam, in dem Moment meiner eigenen Mutter zuzuhören. Heiraten kann
ich nicht, da ich mit diesem Menschen erst seit einem Monat zusammen
bin. Ich will nicht, dass mein Kind der Grund zur Heirat ist, sondern es
sollte ein Anlass zum Heiraten sein. Und dafür kenne ich diesen Menschen
zuwenig.
Ich vereinbarte einen Termin bei der ProFamilia. Der Berater war sehr
sehr einfühlsam und nett. Wir diskutierten ziemlich lang über die
türkische Kultur. Er war erstaunt, dass meine eigene Mutter so eine
Meinung hatte. Ich holte mir die Bescheinigung und ging. Ich werde
abtreiben. Was anderes bleibt mir nicht übrig. Meine Familie würde
durchdrehen und ich habe Angst, alleine zu sein.. ohne Mann?!
Wenn ich mich betrachte sehe ich eine aufgeschlossene Frau, die 25 Jahre
alt ist, eine abgeschlossene Ausbildung hat und eine Weiterbildung
anstrebt. Ich denke, dass ich die Grundelemente habe, um Mutter zu
werden. Es gibt ja auch genug staatliche Unterstützung. Doch leider kann
ich es nicht. Meine Herz sagt, es gehört Dir, es ist Deins... Traurig.
Ich sitze zuhause und ich würde so gerne schreien, weinen... doch ich
kann nicht, meine Familie, die Wohnung, die Kultur... man ist in sich
gefangen. Sogar das Weinen würde eine Erklärung verlangen.
Ich habe meinen Freund?! angerufen und gesagt, wann ich vorhabe
abzutreiben. Er meinte, dass er auch dabei sein möchte. Gewissen
bereinigen? Oder Pflichtveranstaltung??? Die Zeit wird alles zeigen.
Nächste Woche am Freitag wird es soweit sein ich muss den Termin noch
vereinbaren.
Ich denke, dass es zu meinem Bericht viele Meinungen geben wird. Die
eine kann sein, warum meine Kultur es nicht erlaubt, ein uneheliches
Kind auf die Welt zu bringen,... wir leben doch in Deutschland. Du bist
25 Jahre alt, hast alles erreicht, ziehe es durch.... Höre auf dein
Herz... aber ich bin alleine mit meinem Herz und mit meinem Kind. Ich
bin nicht mal streng religiös erzogen worden. Bin ein freier Mensch, der
lebt aber nicht entscheiden darf... welch ein Widerspruch!.
Vielleicht wäre es anders, wenn ich den Zuspruch meiner Familie und
meines Freundes hätte. Den Standpunkt meiner Familie kann ich nicht
ändern. Aber von meinem Freund?! hätte ich mehr Führsorge, einen Anruf
mehr erwartet. Vielleicht könnte dann das Herz, das ich sah, für immer
schlagen.
1 Monat später schreibt Jasemin :
Ich habe mich für die Abtreibung entschieden... Der Erzeuger hat sich
einfach nicht mehr gemeldet... er bekam kalte Füße.
Bevor ich den Termin zur Abtreibung vereinbarte, fand ich heraus, dass
er seit 5 Monaten eine Freundin hat und mich dazu. Ich bat ihn, die
Abtreibung zu bezahlen... er willigte am Telefon ein, aber kam einfach
nicht zum verabredeten Treffpunkt.
Einen Tag später hatte ich den Termin. Meine Cousine begleitete mich. Es
war ein Eingriff von 10 Min. Und alles war vorbei.
Von dem Erzeuger habe ich bis heute nichts mehr gehört. - Meine Familie
darf nichts erfahren. Und somit muss ich alles für mich behalten, und
ein normales Leben denen vormachen.
Monica, am 14. Sept. 2007
Ich bin 28 Jahre alt und ich bin ungefähr in der 3. Woche schwanger..
habe einen super lieben Freund seit 2 Monaten (wir haben uns gesucht und
gefunden :).. wir haben mit Kondomen verhütet und ich hatte schon einen
Termin beim Frauenarzt, um mir die Pille verschreiben zu lassen. Aus
einem komischen Gefühl raus machte ich einen Schwangerschaftstest und
der war positiv.. habe erst einmal geheult, geheult, geheult. Wollte aus
dem ersten Impuls raus das Kind behalten, mein Herz entschied.. mein
Freund hat gesagt, dass er egal wie mein Entscheid ist, er hinter mir
stehen wird.. doch ich müsste bedenken, dass wir uns zuerst jobmässig
was zusammen aufbauen, heiraten und DANACH Kinder in die Welt
setzen wollen.. ein Kind grosszuziehen würde die ganze Situation nicht
gerade vereinfachen.. wollte das alles nicht hören, war traurig und
wütend zugleich, dass er das alles so nüchtern sieht!! habe das nicht
verstanden.. jetzt im Nachhinein bin ich froh, dass wenigstens JEMAND
einen klaren Kopf behalten hat.. er hat recht.. ich habe schon einen
8-jährigen Sohn und habe ihn allein grossgezogen, es war nicht immer
einfach und gross was bieten konnte ich ihm auch nie, aber irgendwie
gings.. doch ich wüsste nicht, ob ich jetzt schon die Kraft hätte, das
nochmals zu machen.. ich weiss, dass mein Freund der Mann ist, den ich
heiraten will, war lange allein und habe ihm offen und ehrlich gesagt,
dass ich vielleicht meinen Entscheid ZU dem Kind auch gemacht habe, weil
ich dachte, ihn so an mich zu binden.. einfach aus dem ersten Gefühl
raus.. absoluter Schwachsinn, doch im Stress der Gefühle war ich nicht
zum klar denken fähig..
Die schlimmste Zeit ist die gewesen, bis ich mich mal entschieden habe
abzutreiben.. das ewige Denken "mach ich das richtige??" "denk ich zu
egoistisch??" "ist das schädlich für meinen Körper??" "werde ich es
bereuen??" .. all diese Fragen machten mich kaputt und mir gings ne
ganze Woche ziemlich schlecht, hab bei jeder Situation sofort
losgeheult..
Habe dann spontan einen Termin beim Arzt gemacht, ich wusste, wenn ich
nicht bald einen Anfang mache, werde ich verzweifeln.. Mein Freund hat
mich begleitet, aber ich wollte allein zum Gespräch gehen, weil ich
meinen Entscheid zusammen mit ihm getroffen habe und mich stark fühlte..
Die Ärztin war sehr nett, hat mir alles erklärt, sie hat gemerkt, dass
ich überzeugt bin von meinem Entscheid.. ich wollte das Ultraschallbild
auch nicht ansehen.. ich war ganz klar im Kopf..
Am SA morgen also etwa in 12std werde ich die ersten zwei Tabletten
schlucken.. danach am MO zur Ärztin gehen und den Rest schlucken und
dort bleiben für ein paar Stunden.. habe grosse Angst vor den Schmerzen,
doch mein Freund wird mich begleiten.. Er macht es von sich aus, was ich
sehr schön finde ..habe mich danach für 3 Tage krank schreiben lassen,
evt wäre es gut zu arbeiten, etwas was mich ablenken täte, doch meine
Arbeit ist körperlich streng und da hat die Ärztin mir dazu geraten,
Pause zu machen.. Ich werde nach dem Abbruch bestimmt meine Trauerphase
haben, dann muss ich reden!! viel reden.. mein Freund hat auch 3 Tage
frei.. und ohne ihn würde ich das alles nicht schaffen!! mental hilft er
mir sehr viel..
Und wer weiss, evt werden wir in ein paar Jahren doch noch Kinder
miteinander haben, dann, wenn die ganze Lebenssituation stimmt..
Bin unsicher und habe ein bisschen Angst, weil ich nicht genau weiss,
was mich erwartet, aber ich bin nicht allein!! und das alleine ist gut
zu wissen..
Am 23. Oktober:
ich habe den Abbruch durchgeführt.. er ging erstaunlich problemlos über
die Bühne.. ohne Schmerzen oder sonst dergleichen.. ich bin froh, dass
ich ihn gemacht habe, denn alles andere wäre sinnlos gewesen.. ich fühle
mich gut, was dieses Thema betrifft, doch...
Petra
Mein Freund und ich hatten die ganze Zeit verhütet, deshalb verdrängte
ich den Gedanken an eine Schwangerschaft,... Ich hatte schreckliche
Angst. Ich fühlte mich der Herausforderung einer Schwangerschaft und der
Erziehung des Kindes nicht gewachsen. Ich hatte schon all die Wochen
zuvor mit mir gerungen, um endlich die Entscheidung zu treffen, mich von
meinem Freund zu trennen. Ich konnte mir kein Leben mit ihm
vorstellen....
Ich hatte gedacht, nach der Abtreibung würde ich Erleichterung spüren.
Statt dessen erleb(t)e ich eine mein ganzes Wesen erfassende tiefe
Trauer,...
Ich habe ein Kind, und habe es doch nicht... Warum ist es in mein Leben
gekommen?
Es war nur Gast bei mir, drei Monate lang. Und hat doch mein Leben
komplett geändert. Hat das geschafft, was sonst keiner geschafft hat.
Keine Therapie, kein "Selbstfindungskurs" usw.. Es ist der Schlüssel,
der mir die Tür zu einem Bereich meines Herzens aufgeschlossen hat, den
ich vor langer, langer Zeit zugesperrt hatte...
Dahinter ist ein Ozean von Liebe. Ich hatte vergessen, dass ich lieben
kann...
Aber ich liebe mein Kind wirklich. Das ist das Paradox. Das ist der
Schmerz, das ist die Liebe, das ist die Wahrheit, mit der ich bis ans
Ende meines Lebens leben muss.
Mein Kind ist immer da, und doch ist es nicht da. Da ist eine
Leerstelle. Sie wird immer leer bleiben. Aber ich habe Vertrauen, dass
ich es lernen werde, damit zu leben.
Eines Tages werde ich wieder lachen. Und neue Träume schmieden...
Ich schreibe diesen Bericht, um allen Frauen, die in einer ähnlichen
Lage sind, Mut zu machen, sich dem Trauerprozess zu stellen. Um ihrer
selbst willen.
Hier klicken zum ungekürzten Bericht von Petra
Tita
Ich habe 1988 in Norddeutschland abgetrieben, als Schülerin mit 18
Jahren. Ich hätte die Entscheidung verbummelt, aber meine Mutter hat
rechtzeitig erkannt, was ich nicht sehen wollte, und mich zu einer
Beratungsstelle abkommandiert, mit klaren Vorgaben, was bei der Beratung
herauszukommen hatte. Das hat unsere Beziehung sehr belastet. Ich habe
viel über das Leben gelernt in der Wartewoche… ich war tatsächlich sehr
ambivalent damals, aber meine Überlegung war "andere müssen das Kind
auch wollen, ich kann das nicht allein stemmen". Keiner wollte es, nicht
meine Eltern und der Vater auch nicht. Meine Mutter hat mich unter
ähnlichen Umständen gewollt und bekommen, sie hat ihr Leben lang dafür
büßen müssen. Darüber habe ich in der Woche Details erfahren, die ich
nie hätte wissen wollen. Ich dachte damals, "ein Leben als Gebühr für
ein anderes, das kann nicht von einem verlangt werden" und dieser
Ansicht bin ich auch heute noch.
Heute bin ich sehr, sehr froh, dieses Kind nicht bekommen zu haben, denn
die Beziehung mit dem Vater des Kindes ging auf unschöne Art
auseinander. Er stellte mir noch Jahre nach der Trennung mit einer
Mischung aus Drohung, moralischer Erpressung und Gebettel nach, als ich
längst deutlich gemacht hatte, dass ich keinen Umgang mehr mit ihm
wollte. Das alleine war schon sehr belastend für mich, und ich denke,
wenn ich das Kind bekommen hätte, hätte ich es nicht einmal versuchen
dürfen, den Kontakt zu ihm abzubrechen (schließlich hätte ich damit
meinem Kind den Vater genommen). Was für ein Alptraum!!!!!!
Die Frauen in der Beratungsstelle waren damals die einzigen, die
wirklich Verständnis und Mitgefühl für MICH hatten, die überhaupt nach
MEINEN Gefühlen gefragt haben. Ich habe das damals nicht durchschaut,
aber jeder in meinem privaten Umfeld dachte nur an sich und hat massiv
versucht, mich in seinem Sinne zu beeinflussen. Ich denke, dass das
nicht die Ausnahme ist, sondern die Regel. Deswegen macht es mich
wütend, wütend, wütend, wenn sich auch noch Leute einmischen und Frauen
vorschreiben wollen, was sie tun oder lassen sollen, die nicht einmal
von ihrer Situation persönlich betroffen sind!!! Ich denke, man kann
meistens schon ohne den Senf Unbeteiligter davon ausgehen, dass die Frau
sich unabhängig von ihrer eigenen Meinung so fühlt, als ob sie allein an
allem schuld wäre ("was habe ich ihn/sie in eine fürchterliche Situation
gebracht! kein Geld, keine Perspektive, und jetzt komme ich mit einem
Kind daher…" vs. "…das Kind hat niemanden als Fürsprecher als mich ….und
ich bringe es um…") . Damned if you do, damned if you don´t: wenn man
das in seiner vollen Härte begriffen hat, geht es einem dann aber wieder
besser.
Ich habe damals gedacht "jedes Kind hat das Recht, ein gewolltes Kind zu
sein" und das denke ich heute mehr denn je. Übrigens habe ich das Kind
selber nicht mal nicht gewollt. Wenn ich es bekommen hätte, dann wäre
meine persönliche und berufliche Entwicklung sicher wesentlich
bescheidener und weniger glamourös verlaufen, aber dieser Aspekt kratzt
mich nicht mal: Na und, dafür hätte ich andere schöne Erfahrungen
gemacht…. Aber ich kann mir ein Leben in der Nähe meines damaligen
Freundes in Retrospektive nur als Horrorvision vorstellen. Und ich will
zum Schluss eine Erinnerung nicht unerwähnt lassen: ich hatte mich
bereits ein erstes Mal von ihm getrennt gehabt, als ich schwanger wurde.
Das Kondom muss ein Riesenloch gehabt haben, denn ich habe sofort
gespürt, dass es nicht in Ordnung war und ihn ins Badezimmer zum Prüfen
geschickt. Er kam wieder und verkündete, alles sei in Ordnung gewesen.
Ob das jetzt eine fatale Höflichkeitslüge war - sonst hätte es ja die
Pille danach gegeben - oder ob er dann als es ernst wurde, kalte Füße
bekam und sich nicht mit meinen furiosen Eltern anlegen wollte...
Jedenfalls hat er später versucht, mich damit moralisch zu erpressen, er
hätte das Kind doch gewollt und ich sei für seine Seelenqualen mit
verantwortlich. Ich kann nichts beweisen, ich will nichts beweisen, aber
schwängern als verzweifeltes Machtmittel von Männern erscheint mir heute
nicht mehr so ungeheuerlich wie ich es damals eingeschätzt hätte.
Kerstin
Ich bin 20 Jahre und habe gestern einen Schwangerschaftsabbruch
durchführen lassen.
Es war die richtige Entscheidung, da ich noch zu jung für ein Kind bin
und mich überhaupt noch nicht reif dafür fühle, ich könnte so eine große
Verantwortung nicht übernehmen! Außerdem habe ich noch so viel vor,
möchte die Welt bereisen & mich weiterbilden!
Nachdem ich 2 Wochen überfällig war machte ich einen Test > Schwanger!
Und mein erster Gedanke war > Ich kann dieses Kind nicht bekommen! Ich
habe mich dann informiert und eine sehr gute Stelle gefunden. Pro:woman
- wenn jemand aus der Nähe Wien ist, ist dieses Institut gut zu
empfehlen! Ich habe sofort einen Termin bekommen .. begleitet hat mich
meine beste Freundin worüber ich sehr froh war - alleine hätte ich es
nicht geschafft!!
Nach einem weiteren Test, einem Gespräch und der Entscheidung welche Art
von Narkose ich wähle, war ich auch schon im Umkleideraum. Ich habe mich
für eine Vollnarkose entschieden. Diese dauert im Schnitt 8-10 Minuten
und ist völlig harmlos.
Bei dem Eingriff waren 2 Ärzte & 2 "Schwestern" anwesend, die alle
wahnsinnig nett waren. Kurz nachdem die Nadel gesetzt wurde, war ich
auch schon weg & wachte im Aufwachraum (wo auch andere Patientinnen
waren) wieder auf. Ich sollte noch liegen bleiben für 10 Minuten.. nach
einem Tee und Wasser konnte ich problemlos aufstehen und mich umziehen.
Es verlief alles ziemlich schnell & ohne Probleme. Ich habe auch jetzt
keine Beschwerden, ab und zu ein leichtes ziehen .. ist zu vergleichen
mit Menstruationsbeschwerden. Die leichten Blutungen sind normal und
vergehen innerhalb von 2-3 Wochen.
Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war.. auch wenn es mir leid
tut um das Kind.. aber es ist besser so! Natürlich wünsche ich mir
Kinder, jedoch gehören für mich dazu ein Mann, auf eigenen Beinen stehen
und ich muss einfach reif dafür sein und mir sicher sein!!
Maike
Ich bin 28 Jahre und habe vor einigen Monaten mit Mifegyne abgetrieben.
Mein Freund und ich hatten eine tiefe Beziehungskrise mitsamt kurzer
Affäre (meinerseits), und das Kind wurde gezeugt, als wir zum ersten Mal
wieder miteinander geschlafen haben, halb besinnungslos vor Angst,
einander zu verlieren. Einige Freunde fanden, das sei ein wunderschönes
Omen - und wir stellten fest, dass wir das Kind wollten. Aber wir hatten
auch furchtbare Angst. Ich mache mich gerade selbständig, das kostet
viel Zeit und Kraft und ist mit einem Baby nicht realistisch. Und wir
hatten (und haben noch immer) sehr viel zu sortieren. Wir brauchen Zeit
für uns zwei, nicht für uns drei. Wir wollen ein Kind, aber erst in
zwei, drei Jahren, vielleicht auch vier.
Ich war schon zwei oder drei Tage nach der Befruchtung sicher, dass da
"etwas" ist, mein Körper hat sich anders angefühlt, ich war viel
sanfter, als ich es von mir kenne. Am ersten Tag der ausbleibenden Regel
waren wir bei meiner Frauenärztin. Sie war sehr lieb und hat sich viel
Zeit genommen. Weil ich "dabei" sein wollte, habe ich mich für Mifegyne
entschieden. Bis zum Einsetzen der Blutung hat es fast drei Stunden
gedauert, dann tat es ungeheuer weh, war aber mit einem Schmerzmittel
schnell wieder erträglich. Leider gab es bei mir heftige Blutungen im
zweiten Zyklus als das "Restblut" abging (eine mögliche Komplikation),
die fingen bei der Kontrolluntersuchung an, selbst meine Ärztin hatte
einen Schreck - es hat sich aber ohne weiteren Eingriff wieder
reguliert.
Ich war oft müde; seit ich Eisen und Magnesium nehme, ist es viel
besser. Mein Körper muss sich erholen und wieder einpendeln, da hätte
ich es mit einer anderen Methode vermutlich deutlich leichter gehabt.
Aber innerlich brauche ich auch noch eine Weile, und ich finde es gut,
dass da "Seele und Körper" Hand in Hand gehen, auch wenn das sicher
nicht jedermanns Sache ist.
Ich bin noch immer traurig. Dieses Kind kommt nie wieder, eine andere
Schwangerschaft bedeutet ein ganz anderes Kind. Mein Freund - inzwischen
mein Mann - kommt recht gut damit klar, aber er fragt hin und wieder,
wie weit das Kind jetzt wäre. Ich denke, wir wären auch klargekommen,
wenn wir es bekommen hätten.
Ich halte es aber nach wie vor für die "richtige" Entscheidung und stehe
dahinter. Eine leichte oder glatte Entscheidung aber war es nicht - wie
sollte es auch?
Zu meiner eigenen Verblüffung bin ich jetzt "eine der Frauen, die sich
ein Kind wünschen". Selbständigkeit hin oder her, mein Körper und etwas
tief in mir wollen ein Kind mit dem Mann, den ich liebe. Ich bin sicher,
wir werden eines Tages halbwegs brauchbare Eltern abgeben.
Obwohl der wüste Fanatismus vieler Abtreibungsgegner, der sie
sogar zu offenkundigen Lügen treibt, mich eher abstößt und erstaunt als
in mir Schuldgefühle weckt, bin ich dankbar für diese Seite. Beim
Googeln kann man das Gefühl bekommen, die Welt hätte den Verstand
verloren, und diese Seite ist der einzige Lichtblick. Danke!
Sarah
Ich mag Kinder, habe auch eins, aber ein Weiteres allein zu bekommen, in
meinem Alter (44), kommt nicht in Frage. Zumal auf Grund meines Alters
und meiner medizinischen Vorgeschichte ein glücklicher Ausgang
unwahrscheinlich ist. Und ich möchte keine Fehlgeburt oder Abtreibung im
5.Monat. Ich bin mir besonders deshalb ganz sicher.
Natürlich bin ich traurig. Aber wenn ich ehrlich bin, bezieht sich das
nicht konkret auf diesen Embryo, sondern ganz allgemein auf Kinder, die
man hätte haben können mit dem geliebten Menschen. Und diese Gedanken
bewegen mich auch, ohne gerade schwanger zu sein. Zwischen dem Embryo
und Kinderphantasien besteht nicht wirklich ein Zusammenhang. Ich
trauere also ganz grundsätzlich um nicht erfüllte Lebensträume. Das ist
eigentlich Sentimentalität. Die Trauer entsteht aus einem egoistischen
Gefühl. Weil man etwas nicht bzw. nicht mehr haben kann. Ich stehe dazu
und bin da ganz ehrlich mit mir. Die Sentimentalität hilft mir beim
Trauern. Auch, wenn ich um mir nahestehende, verstorbene Freunde
trauere, funktioniert das so.
Ein nicht unerheblicher weiterer Grund zum Abbruch sind übrigens meine
fürchterlichen Erfahrungen mit meiner Schwangerschaft mit meiner Tochter
und der Entbindung. Die vorgeburtliche Betreuung und die Entbindung
erlebte ich in der DDR, in einer katholischen Entbindungsklinik in
Berlin-Pankow. Ich bin in meinem Leben niemals vorher und nachher so
schlecht behandelt worden. Hatte noch Jahre ganz schreckliche Albträume.
Und bis heute noch einen Albtraum: Ich bin schwanger und man zwingt
mich, die Schwangerschaft und die Entbindung zu ertragen! Hilfe! Nein!!!
Und das Schlimme ist, dass man über diesen Abbruchsgrund öffentlich
nicht reden darf. Dabei ist dies in meinen Augen ein ganz existenzieller
Grund!! Ständig wird nur über Lebenshilfen und finanzielle
Unterstützungsmöglichkeiten u.ä. gefaselt. Als ob man eine Maschine ist!
Ich weiß von vielen Frauen, dass man noch nicht mal eine unmenschliche
Behandlung erfahren haben muß, um eine weitere Schwangerschaft auf Grund
von Entbindungserfahrungen abzulehnen.
Die Schwangerschaftsfeststellung erfolgte durch eine Ärztin in der
Poliklinik Berlin-Buch. Sie drängte mir keine Ultraschallbetrachtung
auf, hinsichtlich der verschiedenen Abbruchmöglichkeiten beriet sie mich
aber nicht ausreichend. Zur Info helfen seriöse Seiten im Internet.
Die Poliklinik ist einem großen, neuerdings privatisierten Klinikum
angeschlossen. Leider mußte ich feststellen, dass es sich Kliniken heute
tatsächlich aussuchen können, inwieweit sie Frauen helfen. Insofern war
der Weg in diese Poliklinik/Klinik umsonst. Leider informieren in
Deutschland nicht alle Kliniken darüber, dass sie keine Abbrüche
durchführen. Mir ist auch nicht bekannt, inwiefern vom Gesetzgeber eine
Sichergestellung der Versorgung der zum Abbruch entschiedenen Frauen
vorgeschrieben ist.
Die Zwangsberatung fand bei einer nichtkonfessionellen, kommunalen
Beratungsstelle statt. Ich wurde gleich zu Beginn gefragt, ob ich
entschieden bin. Und inwieweit ich vom Arzt ausreichend über die
medizinischen Abbruchsvarianten informiert bin. Sicherlich schreckte
schon mein graues Haupthaar von einer "Beratung" ab.
Den (ambulanten) Abbruch mit der Absaugmethode habe ich in einem
Familienplanungszentrum in Ost-Berlin durchführen lassen, da man dort
die Wahl zur Narkose hat. (Niedergelassene Ärzte können oft nur die
örtliche Betäubung anbieten.) Ich habe mich für eine Vollnarkose
entschieden, bekam kurzfristig einen Termin, mußte mich nicht
rechtfertigen. Ich war nicht Bittstellerin, sondern die Hauptperson.
Nebenbei: Es gibt dort nicht dieses Praxis- bzw. Klinik-Flair. Es ist
viel angenehmer!! Die Betreuung war sehr liebevoll. Das ist sicherlich
ein Grund, warum man sich auch danach gut fühlt. Die medizinische
Beratung und Betreuung war ausgezeichnet. Die Ärzte sehr
engagiert. Habe noch nie eine bessere Narkose bekommen.
Werde auch zur Nachuntersuchung und bei sonstigen Problemen wieder dort
hingehen. Denn ich brauche einen Arzt nicht für die guten Tage im Leben,
sondern für die schlechten.
Zu den Kosten in Deutschland: 350 ... 450 Euro für einen ambulanten
Eingriff. Die Vor- und Nachuntersuchung bezahlen die Krankenkassen.
Nicht-krankenversicherte bzw. nicht in Deutschland versicherte Frauen
müssen diese zusätzlich bezahlen. Für Bundesbürger müssen die
Krankenkasse die Kosten auch für den Eingriff übernehmen, wenn das -
EIGENE! - Einkommen unter ca. 950 Euro netto pro Monat liegt. Der Betrag
erhöht sich, wenn man unterhaltsberechtigte Kinder hat. Des weiteren
werden auch noch Mietkosten berücksichtigt. Daher müssen sicherlich
besonders junge Frauen die Kosten nicht selber tragen. Allerdings muß
man sich den Kostenübernahmeschein der Krankenkasse VOR dem Abbruch
besorgen.
Gefühle/Gedanken danach: Wie die Gedanken davor. Hinzu kommt das Gefühl
der Erleichterung. Direkt nach dem Aufwachen aus der Narkose auch noch
ein Gefühl der Wärme und des Aufgehobenseins. Das nimmt man auch mit
nach Hause. Man fühlt sich richtig umsorgt. (Das ist ja in den Wochen
davor, wenn man mit sich allein ist, nicht unbedingt der Fall.)
Daher empfehle ich, sich in jedem Fall so früh wie möglich an so ein
Zentrum zu wenden. Für die Entscheidung für oder gegen die
Schwangerschaft kann man sich ja dann noch etwas Zeit lassen. Alternativ
kann man dort ja schließlich auch die Schwangerschaftsberatung in
Anspruch nehmen ..... Auch psychologische Beratung wird angeboten. Man
fühlt sich dort als Mensch mit eigenen Entscheidungen einfach sehr gut
aufgehoben. Und das kann man ja in jedem Fall gut gebrauchen.
Katia
Ich bin fast 41 Jahre alt, bin seit 4 (!) Jahren sterilisiert, habe 2
gesunde Mädchen im Alter von 17 und 10 Jahren und hatte zwischen den
beiden Geburten eine Fehlgeburt in der 12. Woche. Für meinen Mann und
mich war also eine Schwangerschaft kein Thema mehr und wir haben alles
getan, um dieses Thema abzuschließen.
Nun ja. Die Natur wollte es wohl etwas anders. Vor etwa einer Woche
bekam ich die ersten Schwangerschaftsanzeichen (Spannung der Brüste,
Übelkeit, keine Regel). Voller Panik ging ich zu meinem Gyn., den ich
nun schon seit der Geburtsvorbereitung meiner großen Tochter, also über
17 Jahre, kenne. Er meinte, das wäre nur eine Hormonstörung, weil ich ja
gar nicht schwanger werden könne, aber er machte trotzdem mal einen
Ultraschall. Er ist fast vom Stuhl gerutscht, als er die Fruchtblase
sah. Er hat mich dann gleich zu einem Kollegen überwiesen (der wiederum
zur Geburt meiner jüngeren Tochter dabei war), welcher andere
Gerätschaften zur Feindiagnostik hat und der sah dann auch die Anlage in
der Fruchtblase und wir konnten sogar schon den Herzschlag hören. beide
Ärzte meinten, dass sie so etwas in ihrer langjährigen Berufspraxis noch
nicht erlebt hatten. In dem ersten Jahr nach der Steri könnte es schon
mal vorkommen, aber nicht nach 4 Jahren. Naja, mir nützt das jedenfalls
alles nichts.
Am Montag habe ich ein Gespräch bei Profamilia und die Krankenkasse
bezahlt den Eingriff. Eine Woche später (ich bin dann 8. Woche) wird
dann der Eingriff erfolgen und ich bekomme gleich noch kostenlos eine
neue Steri. Ich bin so deprimiert und mir ist so furchtbar schlecht. Wir
haben nun alles getan um nicht schwanger zu werden und trotzdem... und
andere Frauen versuchen alles mögliche, um ein Kind zu bekommen und
haben einfach kein Glück. Es tut mir so leid!
10 Tage später
Jetzt habe ich es hinter mich gebracht und ich fühle mich rundherum gut.
Ich denke inzwischen auch, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss.
Die Ärzte und Schwestern waren außerordentlich nett zu mir (vielleicht
Mitleid/Mitgefühl?). Ich bin montags in die Klinik und donnerstags erst
wieder raus. Die Op war am Dienstagmittag. Es wurde die Schwangerschaft
beendet und gleichzeitig wurden beide Eileiter entfernt. Vorher wurde
ich innerlich noch fotografiert, da auch die Ärzte es sich nicht
vorstellen konnten, wie "es" passiert sein könnte. Die Fotos wurden mit
mir ausgewertet (es war hochinteressant mich von innen zu sehen) und
trotzdem waren die Ärzte nicht schlauer als vorher. Sie nannten mich
"medizinisches Wunder". Leider habe ich trotzdem keinen Sponsor
gefunden, der mir mein Krankenhaustagegeld (insges. 40,00€) bezahlen
wollte. Als ich aus der Narkose aufgewacht war, stellte ich zu meiner
großen Erleichterung sofort fest, dass mir nicht mehr schlecht war und
die Spannung in der Brust nachgelassen hatte. Und damit begann ich
wieder nach vorn zu blicken...
Wenn meine drei Nähte am Bauch dann gut verheilt sind und der eine
Wundschmerz (wo die Kamera hinein und die Eileiter heraus geholt wurden)
vorbei ist und ich keinen aufgeblähten Bauch von dem Gas mehr habe, ja
dann ist wirklich wieder alles gut.
Nora
Ich bin 19 Jahre alt und habe vor drei Wochen von meiner Schwangerschaft
erfahren.
Meine Regel kam immer mehr oder weniger regelmässig. Eines Tages hatte
ich dann starke Schmerzen in der Niere. Der Schmerz wollte einfach nicht
weg. So hat mich ein Freund notfallmässig ins Spital gebracht. Dort
fragten mich die Ärzte, ob ich schwanger sein könnte. Ich antwortete mit
nein und dass meine Regel in den nächsten paar Tagen kommen sollte. Das
war am 20.7.07. Ich bekam starke Schmerzmittel und viel Antibiotika. Ich
spürte schon einige Zeit, dass meine Brüste sehr empfindlich waren und
schmerzten, ich dachte, dass sie vielleicht noch etwas wachsen?! Ich
litt an Verstopfung, was ich sonst nie hatte. Auch dafür hatte ich eine
Erklärung, ich dachte es liege an den Medikamenten. Auch spürte ich ein
leichtes Ziehen im linken Eierstock. Ich dachte: meine Tage kommen bald.
Nichts da. Ich machte am 30.7. einen Test: positiv. Ich war nicht
überrascht, konnte es trotzdem nicht glauben und machte einen 2. Test.
Wieder positiv.
Anfangs hatte ich so schöne Gefühle, dass ich nicht im Traum daran
dachte abzutreiben. Mit dem Erzeuger jedoch war und bin ich nicht
zusammen. Wir hatten eine Sexbeziehung. Ihm konnte ich es erst eine
Woche später sagen, da er gerade in die Ferien gefahren war und ich ihn
nicht erreichen konnte. 2 Tage später war ich dann im Spital in
Winterthur bei einer Frauenärztin, die sehr einfühlend war. Kaum hatte
der Ultraschall die Gebärmutter erreicht, sagte sie: oh ja, ich sehe es
schon. Es war nur die Fruchtblase zu sehen, ich war in der 6.SSW.
Dann bekam ich meine ersten Zweifel: Ich habe keine Ausbildung, keinen
Job und eigentlich nicht mal einen Vater (von ihm wusste ich, dass er
Kinder nicht mag). Was soll ich mit einem Kind?! Alleine?! Ich
hatte Angst, alleine mit einem Kind zu Hause zu sitzen, kein Vater der
sich kümmert. Auch hatte ich Angst, wenn ich unglücklich sein würde, das
Kind dafür verantwortlich zu machen, es nicht lieben zu können, eines
Tages festzustellen, dass ich doch besser abgetrieben hätte, dass mein
Leben zerstört ist oder, oder, oder... Ich habe mich für die Abtreibung
entschieden, ohne dass mir irgend ein Mensch drein redete.
Weil ich gegenüber der Frauenärztin im Spital Zweifel geäussert hatte,
machte sie für mich einen Termin in der psychiatrischen Poliklinik ab.
Gleich am nächsten Tag. Ich stellte keine weiteren Fragen, denn ich
wusste nicht, dass das nicht vorgeschrieben ist. Der Psychiater wollte
Auskunft über meine Familienverhältnisse, meine Kindheit. Auch fragte er
mich über die Umstände der Schwangerschaft aus, den Vater und dessen
Verhältnisse. Insgesamt war mir das Gespräch sehr unangenehm. Das lag
nicht nur daran, dass der Psychiater sehr unsicher wirkte, sondern auch
daran, dass er nur Fragen stellte und nicht gross auf mich einging.
Am 6.8. habe ich dann drei Mifegyne Tabletten bekommen. Am nächsten
Morgen bereits fingen die Blutungen an. Ich habe gespürt, wie die Frucht
"rauskam". Das Gefühl, mein "Kind" das WC runterzuspülen brach mir fast
das Herz. Ich konnte nur noch heulen. Begleitet wurde das Ganze von
heftigen Schmerzen. Man hatte mir gesagt, dass es erst nach dem
Prostaglandin zur Blutung kommen sollte. Als ich bei der Ärztin
telefonisch nachfragte, beruhigte sie mich und sagte, dass ich
anscheinend zu den 3% gehöre, die die Frucht schon nach dem Mifegyne
ausstossen. Das Cytotec musste ich dann trotzdem 1 Tag später nehmen. Es
hat niemanden ausser mir interessiert, ob die Frucht wirklich schon
abgegangen war. Es wurde nicht nachkontrolliert. Auf meine Nachfrage ob
ich das Cytotec wirklich noch brauche, hiess es nur: zu grosses Risiko,
dass Gewebe zurück bleibt. Ich musste nicht in der Klinik bleiben, sie
schickten mich sofort heim und sagten, ich solle mich schonen. Ich bekam
auch Schmerzmittel. Ich war mit dem öffentlichen Verkehrsmittel
unterwegs, als ich grauenhafte Schmerzen bekam. Irgendwie schleppte ich
mich nach Hause, habe mir Schmerzmittel reingehauen und versuchte zu
schlafen.
Nun ist es schon über zwei Wochen her, und ich habe noch relativ starke
Blutungen. Heute war ich bei der Ärztin zur Nachkontrolle. Meine
Gebärmutter ist so gut wie leer. Es ist ein seltsames Gefühl, dort wo
man vorher einen Punkt auf dem Ultraschallbild sah, war jetzt plötzlich
nichts mehr. Ich kann noch nicht sagen, ob ich voll hinter meinem
Entschluss stehe oder ihn bereue. Beides ein wenig. Es bleibt ein Gefühl
der Leere. Ich trauere um das Würmchen, und doch bin ich froh, dass ich
mein Leben "normal" weiterführen kann. Ich möchte so etwas nie mehr
durchmachen. Ich hoffe, dass die Seele, die ich wieder zurückgeschickt
habe, mir das verzeiht, und vielleicht eines Tages doch bei mir zur Welt
kommen wird.
Sylvia
Ich möchte Euch hier meine Geschichte erzählen, wieso ich auch eine
eigene Website zum Thema Nackentransparenz ins Leben gerufen habe:
Die Überraschung als auch die Freude war sehr groß (es ist ja auch oft
Freude und nicht immer nur "Schock") als ich erfuhr, das zweite Mal
schwanger zu sein - vor allem in meinem Alter (41 Jahre) und nach 3
Jahren nach der Geburt meiner ersten Tochter Pia.
Mein Frauenarzt riet mir sofort zur Fruchtwasseruntersuchung - aufgrund
meines Alters. Er meinte, es bestünde ja immer ein gewisses Risiko in
meinem Alter (aber, man denkt ja immer, dass es einen selbst nicht
trifft...).
In der 12. Schwangerschaftswoche machte mein Frauenarzt eine
Ultraschall-Untersuchung und stellte dabei fest, dass das Baby eine
sogenannte Nackentransparenz (auch bekannt als Nackenfalte oder
Nackenödem) von -3,9 hatte (ca. 1 % aller Schwangeren weisen eine solch
stark erhöhte NT auf). Alles, was bis zu einem Wert von ca. 2,5 geht ist
ok - so sagte er mir auf Nachfrage. Alles darüber hinaus, könnte auf
einen Genschaden hinweisen.
Sei es eine bestimmte Trisomie (21 = Down-Syndrom, 13 oder 18 = nicht
mit dem Leben vereinbar), oder auch ein Organdefekt, so z.B. Herzfehler,
offener Rücken etc., aber auch ein Gendefekt, der das normale Leben
überhaupt nicht beeinträchtigt. Alles weitere könne aber erst bei der
Fruchtwasseruntersuchung festgestellt werden.
Diese Fruchtwasseruntersuchung wird i.d.R. frühestens ab der 14.
Schwangerschaftswoche (SSW) durchgeführt. So vereinbarten wir einen
Termin auf die SSW 14+0, der früheste Termin der in meinem Falle möglich
war.
weiter...
www.nackenfalten-forum.de/index.html
Gesa
Was ich getan habe, ist für mich die richtige Entscheidung gewesen, die
ich mir gründlichst überlegt habe. Ich bin 21 Jahre alt und war über
einen Monat in den Staaten. Hatte - wie ich damals dachte - einen
wundervollen Mann kennen gelernt. Wir verbrachten nette Wochen
miteinander, doch mehr und mehr fiel mir auf, dass er mich nervt. Naja
ihr versteht sicherlich wie das ist. Es hatte einfach nicht klick
gemacht... In der Zeit, wo wir oft zusammen waren, hatten wir auch
einmal Sex. (Mit Kondom, da ich nicht mit der Pille verhüte, weil ich
keinen festen Freund habe, und Sex auch normalerweise nie außerhalb
einer Beziehung für mich in Frage kommt, schon gar nicht
one-night-stands) Nie wieder hab ich mich bei ihm gemeldet, seine Nummer
gelöscht. Er probierte es oft, aber ich wollte nicht.
Naja gut, Thema vorerst beendet. Ich komm zurück nach Deutschland,
anfangs dachte ich mir nichts Schlimmes, als meine Periode ausblieb, ich
dachte evtl. wegen des Jetlags und der Klimaverschiebung usw... Weil in
Miami hatte ich auch Probleme mit der Periode.
Die Tage verstrichen und ich fing an zu grübeln. Eines Tages setzte ich
mich an den Laptop und habe Infos gesammelt. Zyklusrechner gemacht, wie
wann usw. meine fruchtbaren Tage waren... Und OH MEIN GOTT!!! Ich war 3
Wochen drüber, und genau an diesem Tag wo wir zwei miteinander
geschlafen hatten, war ich höchst fruchtbar. Es war spät abends, und ich
war beruflich im Ausland. Ich habe mich ins Taxi gesetzt und ab zur
Notapotheke, Schwangerschaftstest kaufen.
Zurück im Hotel den Test gemacht und positiv... Ich musste erstmal
ein bißchen weinen. Ich war zu geschockt, um richtig dramatisch zu
heulen. Gedanken sind mir im Kopf herum gesprungen. Wie konnte das nur
passieren? Wir hatten ein bißchen was getrunken, aber nicht viel. Hatte
ich nicht bemerkt, dass das Kondom gerissen war? Was mach ich nun...?
Dann rief ich meine beste Freundin an und wir haben ewig telefoniert.
Heulen musst ich immer noch nicht richtig, bis heute nicht. Natürlich
hat es mich sehr beschäftigt, aber ich konnte nicht weinen. Mehr
Gedanken hab ich mir gemacht, wie ich das meinen Eltern beibringen
soll???? So oft sagten sie mir, immer verhüten, und jetzt so was?! Auch
noch nicht mal von einem festen Partner?! Einen Tag danach kaufte ich
mir nochmals einen Test, und wieder stands da: Schwanger!
Dann habe ich mir das Für und Wider einer Schwangerschaft durch den Kopf
gehen lassen, doch es stand fest. Ich werde dieses Kind nicht bekommen.
21 Jahre alt, bei den Eltern wohnhaft, und jetzt ein Jahr beruflich im
Ausland, im Prinzip kein Mann vorhanden. Keine Unterhaltszahlungen. Ich
liebe mein Leben, so hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt,
nicht so früh - egoistisch? Ich hatte eine wunderbare Kindheit, wurde
sehr gut erzogen, mit Vater und Mutter. Ich möchte meinem Kind das
ebenso bieten können. Oft in den Urlaub, Geschenke, Liebe der Mutter
sowie des Vaters. Außerdem wünsch ich mir Unterstützung für mich von dem
Vater. Was soll ich meinem Kind erzählen, wenn es älter ist? "Wer ist
mein Papa?" "Schatz, son Typ aus den Staaten". Neeeee... ich möchte
meinem Kind was bieten, sowie es mir geboten wurde. Abgesehen davon, ich
wohne in einem Vorstadtdorf. Jeder kennt jeden, ich habe einen guten
Ruf, was würden die Leute denken, wenn ich auf einmal schwanger bin?!
Also für mich stand fest, es gibt keinen anderen Weg. Ich hab mich
gründlich informiert und nachgedacht. Freitags hatte ich es erfahren.
Samstags nachgedacht, recherchiert im Internet, und alles durchgegangen.
Ich war übrigens in der 6. Woche. Gott sei dank habe ich so ein gutes
Verhältnis zu meinen Eltern, ich hatte nur so Angst es zu sagen, weil
ich echt ein anständiges Mädchen bin und das meine Eltern auch wissen.
Naja sonntags hatte ich mich überwunden und es gesagt. Zum Glück hatte
ich vollste Unterstützung. Egal wie meine Entscheidung ausfallen würde.
Wobei meine Eltern auch eher zum Abbruch tendierten. Ich muss sagen, wir
sind alle Atheisten, sprich es war keine Glaubensfrage.
Am nächsten Tag, Montag ging ich zu meinem Frauenarzt, der mir das
nochmals bestätigt, ich habe ihm meine Lage erklärt und er hat mich an
einen anderen Arzt verwiesen, der Abbrüche durchführt. Mein Frauenarzt
sagte mir, dass ich sehr früh dran bin und eine medikamentöse Abtreibung
möglich ist. Am gleichen Tag bin ich zum andern Arzt, hab nochmals mit
ihm gesprochen. Am Dienstag bin ich zu "Profamilia" und hab mich da
nochmals beraten lassen. Dann 3 Tage "Bedenkzeit" (das ist
Gesetzesvorschrift in Deutschland).
Am nächsten Montag musste ich mich nochmals vom Arzt untersuchen lassen,
und nachdem er feststellte, dass die Schwangerschaft in der Gebärmutter
sitzt (bei einer Eileiterschwangerschaft ist die medikamentöse Methode
nicht möglich), nahm ich die ersten 3 Tabletten ein, vor dem Arzt.
2 Tage später nahm ich die letzten 2 Tabletten, ich musste 2 Std beim
Arzt bleiben, dass dieser mich im Auge hat bei evtl. Komplikationen. Und
dann gings los. Sehr starke Unterleibsschmerzen, für meine Verhältnisse.
Ich bin aber auch sehr schmerzempfindlich. Man kann jedoch
Schmerztabletten nehmen, diese wirken auch gut. Blutung beginnt, und
binnen ca 12 Std war das Embryo ausgestoßen. Stellt euch nicht vor, dass
ihr da was seht, es ist zu klein. Ich war so früh dran, dass noch nicht
mal ein Herzschlag nachzuweisen war.
Dann bin ich wieder 2 Tage später zur Nachuntersuchung, ob alles
geklappt hat, und ja die Tabletten hatten gewirkt.
Ich muss ehrlich sagen, meine größte Angst war, dass ich nach dem
Eingriff ein schlechtes Gewissen haben werde. Aber diese Angst war
unbegründet. Ich warte Tag für Tag darauf, aber es kommt nicht. Dies war
die richtige Entscheidung und ich bereue es keine Minute...
Natürlich gibt es Frauen, die psychisch labil sind und damit gar nicht
klar kommen. Es gibt aber auch andere wie mich, die da drüber stehen.
Die Frauen müssen nicht immer in ein "tiefes Loch" fallen. Ich hatte
auch das große Glück, eine wunderbare Familie und 2 wunderbare
Freundinnen zu haben, die mich ganz toll unterstützten.
Zora
Ich bin 28 Jahre, habe schon 2 Kinder (7-jährig und 3 Monate) und bin
jetzt in der 9. Woche schwanger und habe einen Abbruch vor! Dass ich
schwanger bin, habe ich irgendwie an meinem Körper gemerkt, mein Mann
holte mir einen Test und das Ergebnis natürlich schwanger, aber das
ahnte ich schon. Zugegeben, wir hatten ohne Verhütung geschlafen, was es
mir auch schwer macht, denn ich schwanke... ja... nein. Auf jeden Fall
ging ich zum Frauenarzt, der mir die Schwangerschaft bestätigte. Ich war
dem totalen Heulen nahe. Mein Arzt machte einen Ultraschall, den ich
eigentlich nicht sehen wollte, da ich mich doch zum Abbruch entschieden
hatte, aber ich schaute doch hin und ich sah das kleine Wesen und wußte
nicht mehr, was ich machen sollte. Außer meinen Mann hab ich niemand zum
reden, also machte ich mich über das Internet schlau, weil ich wissen
wollte, was passiert bei einem Abbruch und was ich dort sah, war
erschütternd. Natürlich waren das alles Gegner und die zeigen die
grausamsten Bilder, Texte ... jetzt wußte ich gar nichts mehr, ich kam
mir vor, wenn ich die Schwangerschaft abbreche, dann bin ich eine
Mörderin, das bezwecken die ja auch und genau das hatten sie geschafft,
gerade wenn ich mir meinen kleinen Sohn ansehe, wobei mir eigentlich
klar war, ein drittes Kind, das schaffe ich nicht. Mein Mann hat auch
noch 2. Ich habe aus meiner ersten Beziehung genug durchgemacht, der
Mann war gewalttätig, dies habe ich auch noch nicht verarbeitet. Meine
Tochter braucht sehr viel Aufmerksamkeit und mein Kleiner auch. Ich war
am Ende. Ich hatte die Vorstellung, ich werde was töten. Ich hatte
gestern meinen Beratungstermin und zum Glück gab mir das totale Kraft
und vor allem nahm mir die nette Frau meine Gedanken, ich sei eine
Mörderin. Seit dem Gespräch geht es mir besser, aber die Entscheidung
ist immer noch schwer, gerade weil ich nicht verhütet habe, mache ich
mir große Vorwürfe. Nächste Woche ist der Eingriff geplant, den ich auch
wahrnehmen werde, so leid es mir auch tut, aber ich habe keine Kraft im
Moment, für nach so kurzer Zeit noch eine Schwangerschaft und für noch
ein Kind. Aber keine sollte dafür als Mörderin hingestellt werden, denn
ich denke, alleine was man innerlich durchmacht, ist schon schwer genug.
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