Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Erfahrungsberichte von Frauen (Archiv-4)

Melanie (21)
Ich habe gar nichts von der Schwangerschaft gemerkt. Es gab Anzeichen, die ich hätte erkennen müssen, aber da ich immer gewissenhaft darauf achte, meine Pille (sogar um die selbe Uhrzeit) zu nehmen, mein Handy erinnert mich daran, habe ich einfach nicht damit gerechnet.
Mir schmeckten plötzlich die Zigaretten nicht mehr und an Silvester hatte ich nach ein paar Schlückchen Bowle schon genug. Aber realisiert, dass ich schwanger bin, habe ich nicht. Am Dienstag, den 24.01.06, bin ich auf dem Weg in die Berufsschule plötzlich umgekippt und hatte die ganze Woche lang Kopfschmerzen (ich hatte wohl eine leichte Gehirnerschütterung). Deshalb habe ich am 27.01.06 auch einen Tag Urlaub genommen, weil ich mich erholen wollte.
Ich bin dann spontan zum Frauenarzt. Er sagte mir, dass ich schwanger sei. Ich war geschockt. Ich bin in der Ausbildung, mein Freund studiert noch. Es war ein so schlechter Zeitpunkt für so etwas! Mein Arzt gab mir die Adresse von Profamilia, da ich sofort sagte, dass ein Abbruch nötig sein wird. Ich war mir sicher, dass mein Freund der selben Meinung sein würde. Er liebt mich, da bin ich mir sicher. Wir sind seit 4 Jahren zusammen und immer noch verliebt wie am ersten Tag, aber der Zeitpunkt... der war einfach nicht der richtige.
Abends erzählte ich meinem Freund alles. Er war geschockt, aber unendlich lieb! Wir hatten keine Wahl, das wussten wir. Von meinem Vater ist keine Unterstützung zu erwarten, er ist Pakistaner und sauer, dass ich die deutsche Lebensweise meiner Mutter angenommen habe, und meine Mutter ist durch ihr Asthma Frührentnerin und lebt 600km von mir entfernt. Bei den Eltern meines Freundes ist es so, dass seine Mutter sehr nett ist, sein Vater mich aber hasst. Wahrscheinlich bin ich nicht gut genug für seinen Sohn, der seine Diplomarbeit schreibt und dann Ingenieur ist. Ich bin nur eine „einfache“ Bürokauffrauauszubildende im ersten Lehrjahr. Na ja... wir wussten also, wir hatten keine Hilfe.
Montags war das Profamilia-Gespräch. Sie waren sehr nett und gaben mir die Adresse eines Arztes, der den Abbruch durchführen würde. Das Problem war, ich war schon in der 13.Woche. Dieser Arzt macht eigentlich keine so späten Abbrüche. Er war sehr zurückhaltend und strahlte etwas Negatives aus. Ich erhielt einen Termin für den 03.02.06. Erst mal kam der Anästhesist, erklärte mir in Ruhe die Narkose und dann holte mich eine OP-Schwester ab. Ich lag dann auf dem OP-Stuhl und der Anästhesist bereitete alles für die Narkose vor. Ich bat ihn, mir den Eingriff zu erklären, was er auch tat. Ich war so dankbar! Das letzte, an das ich mich erinnere ist, wie mein Arzt hereinkam, „hallo“ sagte, und dann wurde alles schwarz.
Nach der OP sah ich den Arzt erst wieder, nachdem ich aufstehen durfte und wir ein kurzes Nachgespräch hatten, in dem er mir sagte, dass alles „soweit ganz gut“ gelaufen sei. Er gab mir Antibiotika und etwas gegen starke Blutung mit und schon war er wieder weg. - Ich hatte keine Schmerzmittel bekommen.
Und die Schmerzen wurden sehr schlimm!!! Mein Freund hat mir seine Hand gegeben, damit ich sie drücken kann. Er tat mir echt leid, denn ich habe gedrückt und zwar fast ununterbrochen mit aller Kraft.
Ich rief in meiner Verzweiflung meinen Frauenarzt an. Er sagte mir sofort, welches Medikament mein Freund aus der Apotheke holen könnte. Die Tabletten haben die Schmerzen Gott sei Dank etwas gemildert.
Mittlerweile bereue ich den Abbruch zum Teil auch - ich weiß, das ist unverantwortlich, ich weiß, ich hätte dem Kind nichts bieten können, aber ich werde mein Kind niemals vergessen. Mein Freund und ich kaufen einen Stern, damit unser Stern für immer für uns vom Himmel strahlen kann.


Lisa, 17
Ich habe Ende Dezember gemerkt, dass ich wohl schwanger bin, wollte es aber nicht wahrhaben und verdrängte den Gedanken erst einmal. Doch mein Freund drängte mich, einen Schwangerschaftstest zu kaufen, da er sich sicher sein wollte. Ich machte diesen und hab auch nach ein paar Sekunden ein eindeutiges Ergebnis gesehen, ich war wirklich schwanger. Meinem Freund und mir war gleich klar, dass ich das Kind nicht bekommen kann, da ich erst 17 bin und in die Schule gehe und er auch erst im 1. Lehrjahr ist. Also machte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin und die bestätigte mir das Ergebnis. Ich war in der 7. Woche. Sie sagte mir, ich müsse ein Beratungsgespräch führen (in Deutschland obligatorisch) und solle mich dann wieder melden. Ich habe mir nach dem Gespräch noch eine Woche Zeit gelassen, da ich mir dann doch nicht mehr so sicher war. Doch dann stand der Entschluss fest! Ich rief den zuständigen Arzt an und bekam auch gleich einen Termin.
Heute früh um 7.00 Uhr war es dann soweit. Ich war in der Klinik, alle waren sehr nett zu mir. Um 7.45 Uhr kam ich in den OP-Saal und bekam eine Vollnarkose. Der Eingriff selber dauerte nicht lang und ich bin gleich nach 5 Minuten wieder aufgewacht und kam in mein Zimmer, in dem auch schon mein Freund auf mich wartete. Mir ging es nach der OP sehr gut, hatte kurz Bauchschmerzen, aber die vergingen schnell wieder. Erstmal hatte ich Hunger und Durst. Mein Freund hat mir alles gebracht und war für mich da, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Es war die richtige Entscheidung und in einigen Jahren werde ich dann ein Wunschkind zur Welt bringen.
Ich bin froh, dass alles so gut verlaufen ist, denn ich hatte große Angst vor dem Eingriff, da ich gestern auf dieser Seite gelesen habe, dass viele Frauen große Schmerzen hatten. Aber jetzt bin ich glücklich und mir geht es gut.


Edith
Gespürt hatte ich schon lange, dass ich schwanger bin, dass etwas nicht stimmt mit mir. Nur wahrhaben wollte ich es nicht. Ich habe mich schuldig gefühlt und dachte, der Arzt würde mich verurteilen, wenn ich abtreiben wollte. Doch es gab keine andere Möglichkeit, denn ich wollte dieses Kind um keinen Preis, ich bin doch erst 20 und mache gerade mein Abitur und überhaupt habe ich noch keinen Bezug zu Kindern. Eher, auch wenn es sich grausam anhört, hatte ich eine Wut auf das, was da in mir heranwuchs, weil ich es nicht wollte. Es kam mir vor wie ein Schmarotzer. Ich wollte nicht mal essen, um es nicht nähren zu müssen.
Auf den letzten Drücker, kurz vor Weihnachten bin ich dann zum Arzt und ich war in der 13! Woche. Die Frage war, ob eine Abtreibung noch möglich war. Der Arzt war sehr nett und hat mir sehr geholfen, er hat mich noch am selben Tag zu ProFamilia geschickt, wo die Leute auch sehr verständnisvoll waren. Direkt danach bin ich zur aok (Versicherungskasse), um mir den Schein zu holen, was auch kein Problem war. Ich musste nach Stuttgart fahren zur Abtreibung, da es in meinem Ort so kurz vor Weihnachten nicht möglich war. Auch dort waren die Leute sehr nett und haben mich freundlich aufgenommen. Nach dem Eingriff gings mir gut und ich war erleichtert. Gesundheitliche Probleme hatte ich nicht, ausser ein paar Blutungen, keine Schmerzen, nichts, ausser dass die Last weg war.
Ich würde mir von keinem reinreden lassen und wieder abtreiben, falls ich wieder in eine solche Situation käme. Schön war auch, dass meine Mutter zu mir stand und viel Verständnis hatte sowie auch mein Freund, das ist sehr wichtig. Bereuen tue ich nichts, denn ich habe in erster Linie an meine Zukunft gedacht.


Kathleen
Es war im letzten Jahr, vor meinem Urlaub. Ich hatte ziemlich bald das sichere Gefühl, schwanger zu sein. Ich bestellte mir Kataloge für Schwangere und Babymode. Eine Woche lang war ich glücklich mit dem Gedanken, ein Baby zu bekommen. Dann überfielen mich große Zweifel: ist mein 5-jähriger Sohn der Situation gewachsen? Kann ich ihm die notwendigen Dinge fürs Leben kaufen? Werde ich jemals genug Geld haben, um auch nur zum Friseur gehen zu können - sei es auch nur ein mal im Jahr? Was wird, wenn wir die Raten für unseren Hauskredit nicht mehr aufbringen können und wir in eine kleine Wohnung ziehen müßten? Werde ich auf meiner Arbeit jemals wieder solche Chancen bekommen?.....
Alle diese Fragen hatten einen schlechten Beigeschmack, der blieb. Die Antworten waren niederschmetternd. Mir war so schlecht, dass ich nicht mehr arbeitsfähig war. - Dann sprach ich den Gedanken aus.....
Ich ging zum Arzt und danach funktionierte ich wie ein Uhrwerk. Meine Erfahrungen, die Menschen betreffend, die mit mir durch diese Hölle mußten, sind begrenzt, da nur mein Mann und meine Freundin davon wußten. Die behördlichen Stellen (Krankenkasse und Beratungsstelle pro familia) waren supernett und verständnisvoll. Mein Frauenarzt ist der beste, lieb und auch ehrlich, ohne Kompromiß.
Als ich die OP überstanden hatte (ambulant), war ich hungrig und froh, dass mir nicht mehr schlecht war. Der Katzenjammer überfiel mich nicht wirklich, ich habe einen gut funktionierenden Verdrängungsmechanismus. Ich gehe arbeiten, ich lache und weine wie sonst auch, aber ich bin und bleibe eine Mutter, die abgetrieben hat, weil sie solche Angst vor einer ungewissen Zukunft hier in Deutschland hatte. Ich würde es in der damaligen Situation wieder tun.
Ich grüße alle ganz lieb, die auch durch dieses Chaos mußten und müssen und möchte euch sagen, egal welche Entscheidung ihr trefft, IHR trefft die Entscheidung und sie ist richtig, wenn sie für Euch stimmt.


Doreen
Ich bin 25 Jahre und habe im November 2005 erfahren, dass ich trotz Pille schwanger bin und wollte es nicht wahr haben. Ich wusste es erst, als ich nach einigen Anzeichen (wie ständiges Brustziehen, Ausfall der Periode) einen Schwangerschaftstest kaufte. Dort konnte man schon nach einigen Sekunden sehen, wie der Strich in dem Feld "positiv" zum Vorschein kam. Ich habe gleich einen Termin beim Frauenarzt vereinbart, wo es mir 100 %ig bestätigt wurde. Ich war total fertig. Aber es gab so viele Dinge, die gegen ein Kind sprachen. Nachteile in meinem Leben, der Mann, von dem das Kind war, wollte es nicht. Das lag auch daran, dass wir nur eine Affäre hatten. Er ist in einer Beziehung und dies wusste ich, aber meist spielen die Gefühle ihr eigenes Spiel.
Am 30.11.2005 hatte ich einen Termin zur Voruntersuchung und am 1.12.2005 einen Termin im Krankenhaus zur ambulanten Operation. Es wurde mit der Absaugmethode durchgeführt. Ich lag vor dem Eingriff ca. 3 h in meinem Bett, hatte nichts zu lesen, keine Musik, kein TV. Einfach nur Stille und die Schatten an der Wand, die sich aus der strahlenden Sonne und den wippenden Ästen der Bäume bildeten. Ich muss sagen, es war eine schwere Entscheidung, die schwerste in meinem bisherigen Leben. Bis kurz vor dem Eingriff, habe ich überlegt, ob dies der richtige Weg ist, aber die Vernunft siegte.
Man denkt noch oft daran, z. Bsp. wie hätte das Kleine wohl ausgesehen, wären wir klar gekommen, was hätte sich in meinem Leben verändert, wäre es schöner oder schlechter geworden ... ? Auch wenn man Kinder sieht, denkt man daran. Aber ich denke / hoffe, dass dies mit der Zeit vergeht. Ich habe oft geweint und mich bei meinem kleinen Stern entschuldigt. Ich weiß, dass wenn ich einmal ein Kind bekomme, dann wird es dieser Stern sein, den ich in meinen Armen halte. Er weiß dass es so das Beste war! Ich habe meine Gedanken in einem Brief niedergeschrieben und ihn mit ein paar persönlichen Dingen von mir in eine Schachtel gelegt...
Ich finde es übrigens toll, dass es so eine Seite gibt, denn ich bin auf andere Homepages gelangt, wo man in Tränen ausbricht und denkt, dass man der größte Straftäter ist. Danke!


Sonja
ja, ich dachte, dass das Leben nicht mehr weiter gehen werde, als mir mein Frauenarzt mitteilte, dass mein ungeborenes Mädchen die Trisomie 21 hat; besser bekannt als Down Syndrom... Sonja musste mit dem Kopf entscheiden. Sie hatte sich über die Schwangerschaft gefreut, aber da gab es Hindernisse... sie entschied sich zum Abbruch im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft...
weiter zur bewegenden Geschichte von Sonja


Christine
38 Jahre, mit Tochter von 15 Monaten, die immer noch gestillt wird. Bei mir ist es 10 Tage her, dass ich den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch hatte. 2 Tage vor dem Abbruchtag nahm ich beim Arzt 3 Tabletten ein, 2 Tage später gab er mir nochmals 2 Tabletten und nach 2 Stunden hatte ich heftigen Auswurf in der Toilette. Es blutete stark, auch danach. Ich war nur noch am Binden wechseln. Ich fühlte mich total erschöpft und schlief dann nur noch den restlichen Tag. Mein Kind war immer bei mir. Sie gab mir Halt. Denn ansonsten sind wir alleine. Mein Mann arbeitet im Ausland. Ich habe immer noch heftige Blutungen und wundere mich, wann es endlich besser wird. Sind nun ja schon 10 Tage her. Dazu kommt ich bin Diabetikerin und habe ein wenig Angst, dass dies für mich die falsche Methode war. Ich fühle mich generell sehr schlapp (obwohl ich eine Powerfrau bin). Ich denke der Arzt war nicht der Beste, er entliess mich ohne weiteren Rat. So suche ich nun im Internet nach Abhilfe und werde in wenigen Tagen einen anderen Arzt um Rat bitten.
Möchte noch erwähnen, ich war in der 8. SSW und ein weiteres Kind wird ausgeschlossen. Ich habe seelisch mit der Situation kein Problem, doch wenn ich um Jahre jünger wäre, keine finanziellen Sorgen hätte und keine Diabetes, dann hätte ich das Baby gewollt...

Kommentar: Diabetes ist keine Gegenindikation zu Mifegyne. Starke Blutungen bis 12 Tage können durchaus vorkommen, das ist im Rahmen des Normalen, besonders wenn es schon die 8. SSW war. Allerdings hätte der Arzt Christine besser informieren sollen. Eine Nachkontrolle ist jetzt unbedingt nötig.


Yvonne
Ich war 17 Jahre alt, als ich schwanger wurde. An einem schönen Abend liebten mein Partner und ich uns. Doch unglücklicherweise riss das Kondom. Am nächsten Morgen nahm ich sofort die Pille danach und dachte: "Jetzt kann nichts mehr passieren." Doch leider stellte sich ca. 3 Wochen danach, als meine Periode nicht einsetzte, heraus, dass ich doppelt Pech hatte. Für mich brach eine Welt zusammen. Zum Glück war meine beste Freundin bei mir, die mich tröstete. Dass ich das Kind nicht wollte, war sofort klar, denn ich besuchte noch das Gymnasium und stand finanziell und was meine Zukunft betrifft noch im Nirgendwo.
Wenn ich mal ein Kind kriege, was ich unbedingt will, denn ich bin ein Familienmensch, dann will ich meinen Kindern etwas bieten und vor allem sagen können, sie seien Wunschkinder. Ausserdem war meine Beziehung sehr instabil. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er der Mann fürs Leben sei. Auch er war für die Abtreibung. Doch er liess mich mit meinen Sorgen alleine. Ich machte deshalb Schluss und von da an verarbeitete es jeder auf seine Weise. Er war damals 20 und hatte nur Frauen, Sex, Partys im Kopf.
Mein anderes Problem war, dass ich den Mut nicht hatte, es meiner Familie zu erzählen. Ich beichtete es schliesslich meiner 5 Jahre älteren Schwester, die mich nicht wirklich in meiner Entscheidung unterstützte. Sie war dafür, dass ich das Kind austrage, doch sie akzeptierte meine Entscheidung. Schliesslich sagte ich es auch meiner Mutter, die überhaupt nicht wusste, dass ich sexuell aktiv bin. Sie fing an zu weinen, nahm mich in den Arm und sagte, sie ist für mich da, egal was ich mache, doch sie sei meiner Meinung. Sie kam dann mit in die Praxis, als es soweit war. Mein Vater weiss es bis heute nicht, ich will nicht, dass er von mir enttäuscht ist...
Ich entschied mich für die Absaugmethode. Die medikamentöse kam für mich nicht in Frage, weil erstens ich den Medikamenten nicht mehr traute (Versagen der Pille danach) und zweitens, weil ich zu einem anderen Arzt hätte gehen müssen. Meine Frauenärztinnen waren super (ich bin in einer Praxis, wo es nur Gynäkologinnen gibt). Sie haben mich spitzenmässig beraten, haben meine Meinung unterstützt, haben mir Mut gemacht etc. Das beste war, dass der Abbruch in der Praxis durchgeführt wurde. Ich hatte fürchterliche Schmerzen und war froh, dass meine Mutter bei mir war.
Obwohl ich meinen Entscheid nie bereut habe, hatte ich recht Mühe, mit der Situation fertig zu werden. Vor dem Abbruch waren alle für mich da und nachher war das Thema wie abgehakt. Meine Mutter und Schwester erwähnten es nie mehr und fragten nicht, wie es mir gehe. Auch von meinen Freundinnen hätte ich mehr erwartet. Ich weiss nicht, ob sie mich schlicht nicht daran erinnern wollten oder ob es sie peinlich berührte, mit mir darüber zu sprechen, ich fühlte mich alleingelassen. Meine schulischen Leistungen gingen zurück, ich begann öfter zu schwänzen und wurde irgendwie von Schuldgefühlen begleitet. Ich steigerte mich in eine depressive Stimmung hinein (auch andere Gründe kamen dazu). Nach 17- jährigem sorgenlosem Leben explodierte die Bombe.
Doch es wurde bald wieder besser. Heute bin ich 19, es ist also fast 2 Jahre her. Ich habe bald Maturprüfung und nehme schwache Antidepressiva. Seit ca. einem Monat bin ich wieder mit meinem damaligen Freund zusammen. Es ist Gras darüber gewachsen, wir hatten gute Gespräche und haben gemerkt, dass wir ohne einander einfach nicht können. Nach der Matur werde ich die Antidepressiva absetzen. Ich fühle mich glücklich und noch glücklicher, dass ich diese Seite entdeckt habe, denn Ihr habt meinem guten Gefühl noch den letzen Schliff gegeben. Ich bin froh, dass ich abtreiben durfte!!! Danke für die Hilfe!


Emma
Ich habe vor 2 Wochen mit Mifegyne abgetrieben und weiß bis heute nicht, wie es mir geht oder gehen sollte.
Ich bin schwanger geworden, weil ich nicht verhütet habe. Ich bin seit 5 Monaten verheiratet und wollte immer ein Kind mit diesem Mann, zumindest habe ich mir das gedacht. Er wusste nicht, dass ich nicht verhüte und dann bin ich auch gleich schwanger geworden. Als der Test positiv war, war ich überhaupt nicht froh. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass das das schönste Gefühl auf Erden sein müsse - es war es nicht. Ich bekam auf einmal Panik und begann da erst zu realisieren, was ich eigentlich gemacht hatte und was das für Konsequenzen für mich und meinen Mann haben würde. Ich konnte es mir plötzlich überhaupt nicht vorstellen, ein Kind jetzt zu bekommen. Unsere finanzielle Situation ist alles andere als rosig und der Vertrag meines Mannes läuft aus, 2 Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin. Ich wusste weder ein noch aus.
Die Reaktion meines Mannes war auch so gar nicht, wie ich ihn eingeschätzt hatte. Er liebt Kinder und ist vernarrt in seine kleine Nichte, und ich dachte immer, er würde sich genauso freuen, wenn er selbst eines bekäme, auch ungeplant. Nur war es nicht so. Es war das Gegenteil von dem was, ich erhofft bzw. erwartet hatte. Er war total negativ eingestellt, es bedeute das Ende aller seiner Träume etc. und wollte von Anfang an die Abtreibung. Ich hab es dann meiner Mutter erzählt und die hat genauso negativ reagiert, mehr noch, sie begann zu weinen, weil ich ihr leid tat, und am Ende musste ich sie aufbauen.
Ich hab immer wieder versucht mit diesem "Etwas" Kontakt aufzunehmen, aber ich hab mich nie damit verbunden gefühlt. Nach 2 Wochen der Diskussionen und Streits und nachdem ich meinem Mann mitgeteilt hatte, dass ich dieses Kind bekommen will, hab ich mich dann eher plötzlich entschlossen, doch abtreiben zu lassen. Ich war nervlich am Ende, konnte nicht mehr schlafen, kotzte die ganze Zeit und wusste einfach nicht mehr weiter. Ich bin 25 Jahre alt, verheiratet, Sozialpädagogin, habe einen Job und hätte niemals im Leben daran gedacht abzutreiben, überhaupt jemals in so eine Situation zu kommen. Dennoch hab ich mich bewusst in so eine Situation versetzt und konnte am Ende nicht damit umgehen.
Ich konnte für dieses Kind nicht kämpfen, weil ich selbst nicht wusste, ob ich es überhaupt wollte. Vielleicht wäre meine Entscheidung eine andere gewesen, wenn die Reaktionen aus meinem Umfeld positiver gewesen wären. So fühlte ich mich nur allein. Ich habe im Endeffekt alleine diese Entscheidung getroffen, doch war sie sicherlich beeinflusst.
Jetzt, nach 2 Wochen, bin ich einerseits froh, dass ich es gemacht habe, weil es wahnsinnig schwierig geworden wäre, andererseits tut es mir auch leid und ich möchte nie wieder in so eine Situation kommen. Ich wollte die Abtreibungspille nehmen, weil ich es miterleben wollte und es war gut für mich. Ich hatte nach der Einnahme des Prostaglandins sehr starke Blutungen, aber der Fruchtsack ist erst 3 Tage später abgegangen. Ich habe ihn dann in meinem Garten begraben.
Mein Mann hat mich in den ersten Tagen sehr unterstützt, doch nach ca. 1 Woche begann ich ihm starke Vorwürfe zu machen. Ich weiß noch nicht, wie es weitergehen wird und manchmal hoffe ich nur, dass ich das alles vergessen kann. Trotzdem ist es gut, die Entscheidungsfreiheit zu haben und ich werde nie wieder eine Frau verurteilen, die abtreibt.
Wie es schon in einem anderen Bericht steht: Ich werde immer schon einmal schwanger gewesen sein, aber falls ich es je wieder sein sollte, werde ich mich zu diesem Kind bekennen. Danke, dass es diese Seite gibt.


Käthe
Um diese Jahreszeit geht es mir immer schlecht. Meine Schwangerschaft jährt sich zum 3mal und ich bin noch nicht weiter.. Ich habe mir immer Kinder gewünscht, ich hätte gerne eine ganze Schar Kinder aber dazu gehört ein Mann, den man liebt und dem man vertraut. Schwanger wurde ich von einem Mann, der nicht mehr als eine Affäre war. Ich war 27 Jahre alt, wir trafen uns, gingen aus und liebten uns manchmal. Verhütet haben wir mit Kondomen, denn ich habe die Pille abgesetzt, als meine langjährige Beziehung auseinander ging. In der Neujahrsnacht meinte meine beste Freundin, dass mein Busen aussehe, als hätte ich einiges dafür bezahlt und auch mir war es schon aufgefallen, dass meine Brust gross und härter geworden war. Wir redeten die nächsten Tage einige Male darüber und am 6. Januar machte ich einen Test - ich war überzeugt, dass das Ergebnis nicht stimmen konnte. Einen Tag später hat mich der Frauenarzt getestet und, ich WAR schwanger. So wie viele hier berichten, ist auch für mich eine Welt zusammen gebrochen!! Wie konnte ich nur schwanger werden? Ich hatte nur noch Angst und in meinem Kopf hämmerte es nur noch "nicht so!" Eine Freundin von mir zieht ihr Kind alleine gross und ich wollte mir und meinem Kind nicht das gleiche antun. Einen Tag nach dem Bescheid meiner Frauenärztin hatte ich im Spital einen Untersuch und anschliessend das Gespräch. Ich fühlte mich voll überfordert und ich schämte mich so sehr. Wieder einen Tag später schluckte ich die ersten beiden Pillen und wieder 2 Tage später die nächsten beiden. Meine Freundin umsorgte mich und brachte mich nach den 4 Std. im Spital nach Hause in mein Bett. Ich wollte nur noch alleine sein und kaum hatte sie meine Wohnung verlassen, ging die Frucht in der Toilette ab. Ich weiss nicht mehr wie lange ich dastand, ich konnte es nicht glauben, was ich getan habe. Ich hatte zuwenig Zeit... bis ich realisiert habe was geschehen ist, hatte ich die Pillen bereits geschluckt.
Das heisst nicht, dass ich meinen Entscheid bereue, ich wünschte nur, ich hätte mehr Zeit gehabt. Seit diesem Eingriff hat sich so vieles verändert. Ich verjage alle Männer, hatte keinen Sex mehr. Ich bin heute noch böse auf mich, dass ich schwanger wurde und dass ich diesen Entscheid fällen musste. Ich bin froh, dass ich Menschen um mich habe, mit denen ich reden kann und ich mich auch heute noch ausweinen kann.


Katy
Ich hatte bis jetzt, Gott sei Dank, noch keinen Schwangerschaftsabbruch, jedoch musste ich leider schon die "Pille danach" nehmen. Für mich ist diese Pille noch heute mein Retter, da ich zu der Zeit 15 Jahre alt war und noch nicht mal wagte daran zu denken, ein Kind zu bekommen. Für mich persönlich war es die schlimmste Erfahrung, die ich jemals gemacht habe. Das Schlimme war nicht die Pille zu nehmen, sondern die Tatsache, dass ich möglicherweise schwanger war.
Als ich die zwei Pillen nahm, dachte ich nicht daran, was in meinem Körper passiert. Es war mir eigentlich auch egal. Ich hätte fast alles getan, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.
Zu dieser "Schwangerschaft" kam es nicht, weil ich ohne Kondom Sex hatte, sondern weil das Kondom gerissen war. Bis heute habe ich kein Vertrauen mehr in dieses Verhütungsmittel.


Tanja
Ich möchte hier meine Erlebnisse schildern, da ich selbst froh war, auf dieser Seite Berichte zu finden, die nicht mit dem Ziel der Verhinderung einer Abtreibung veröffentlicht wurden.
Ich komme aus Deutschland und bin 23 Jahre alt. Ich wurde durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren ungeplant schwanger. Da ich wegen der plötzlichen Häufung von Besenreissern (geplatzte Äderchen) vor etwa 2 Jahren die Pille absetzte, verwendeten wir zur Verhütung Kondome und ich kontrollierte meinen Zyklus mit Hilfe von Persona (Apparat zur Feststellung der "fruchtbaren" Tage). Leider verschob sich im letzten Zyklus mein Eisprung um ca. 3 Tage nach vorne. Obwohl wir ein Kondom benutzten (was wir bei den grünen Tagen vor dem Eisprung immer taten - während der roten Tage verzichteten wir auf Geschlechtsverkehr) blieben meine Tage aus, am vierten Tag holte ich einen Urintest aus der Apotheke. Der schlug auch sofort eindeutig an und ich war total geschockt und heulte erstmal richtig.
Sofort weckte ich meinen Freund und heulte ihm alles vor und sagte auch gleich, dass ich das nicht will! Wir waren uns sofort im Klaren darüber, dass wir abtreiben würden, da wir beide keine Zeit für dieses Kind haben würden. Ich würde bei Geburt des Kindes 6 Monate vor dem Examen stehen und mein Freund will das Abitur nachholen, so dass auch die finanzielle Situation äußerst schwierig würde.
Wir haben uns auch über staatliche Hilfen informiert, aber 1 zusätzliches Semester Bafög (Stipendium) und Erziehungsgeld sowie Sozialhilfe für das Kind (von der das Kindergeld wieder abgezogen wird) reichen nicht aus, um dem Kind das bieten zu können, was es verdient hätte. Wir beide wären gezwungen, irgendwie Geld dazu zu verdienen und damit wären wir wieder beim zeitlichen Faktor. Alles würde darauf hinauslaufen, dass dieses Kind nichts von seinen Eltern hätte, die doch so wichtig für seine gute Entwicklung sind.
Da der Entschluss gefasst war, ging ich direkt am nächsten Tag (Dienstag) zu meiner Frauenärztin, die die Schwangerschaft mit Ultraschall bestätigte. 5te SSW. Sie überwies mich zu einem Arzt, der in seiner Praxis ambulante Operationen durchführt. Am Donnerstag lernte ich ihn dann kennen. Er war sehr sympathisch und ging sehr entspannt mit mir um. Da ich mich für einen medikamentösen Abbruch entschieden hatte, die Beratung am Freitag stattfinden sollte, bekam ich für Montag Abend einen Termin für die ersten Medikamente.
Die Frau in der Beratungsstelle war auch sehr nett und ruhig. Wir haben mit ihr über unsere Gründe gesprochen und von ihr dann auch noch ein paar Tipps zur Verhütung bekommen, wobei uns alles, was sie dazu zu sagen hatte, schon klar war. Na ja, sie hat sich bemüht, und wer weiß, welche Leute sonst da sitzen...
Am Montag bekam ich abends nach einem Ultraschall drei Tabletten Mifegyne. Ich nahm sie im Beisein meines Freundes und wir verabschiedeten uns von der kleinen Seele, der wir sagten, sie solle in etwa vier Jahren nochmal vorbeischauen.
Ab da schaltete sich meine Psyche ein. Am nächsten Morgen ging es mir so schlecht (Übelkeit, gereizter Magen), dass ich nicht zur Uni fuhr. Mittags musste ich mich übergeben. Den ganzen Tag verbrachte ich auf dem Sofa.
Heute morgen sollte ich dann das Prostaglandin bekommen, das die Blutungen auslöst. Die Tabletten konnte ich nicht bei mir behalten. Zweimal übergab ich mich in der Praxis. Dazu bekam ich starke Bauchkrämpfe. Der Arzt sagte, die Symptome seien eindeutig psychischer Natur und riet mir, eine Stunde spazieren zu gehen und dann würden wir es noch mal versuchen.
Mir ging es aber so schlecht, dass ich nicht raus wollte und er bot dann an, die ganze Aktion abzubrechen und - wenn ich das wollte - zu operieren. Ehrlich gesagt war ich echt froh, dass diese Möglichkeit bestand. Glücklicherweise war heute OP-Tag in der Praxis und ich war noch nüchtern. Ich war als Erste dran. Als mir die Narkose gesetzt wurde und ich einschlief, dachte ich nur "Gott sei Dank!".
Alle beteiligten Personen in der Praxis waren sehr verständnisvoll, fürsorglich und ruhig. Keiner hat komisch geguckt.
Nachdem mein Kreislauf durch Infusionen wieder halbwegs hergestellt war, konnte ich nach Hause gehen. Alles ist gut gegangen, direkt nach der OP hat der Arzt nochmal geschallt und festgestellt, dass alles "weg ist". Ein paar Krämpfe hatte ich noch, die aber im Laufe des Tages stetig leichter wurden. Ich habe zu Hause sofort ca. 5 Stunden geschlafen und jetzt am Abend geht es mir gut.
Ich habe noch leichte Blutungen, aber die sollten in den nächsten Tagen verschwinden. Der Arzt sagte, dass sich alles im Rahmen halten wird, da es noch sehr klein war. Ich bin jetzt froh, dass ich alles hinter mir habe und muss sagen, dass für mich wohl von Anfang an der operative Weg besser gewesen wäre. Auch wenn ich vom Vorgang her den medikamentösen Abbruch besser finde, da er naturnaher ist.
Ich hätte auch nicht gedacht, dass mich das alles psychisch so belastet. Als Fazit für mich kann ich festhalten, dass ich eine solche Situation nicht mehr erleben möchte und mich über die nächste Schwangerschaft freuen will.
Trotzdem bin ich froh, dass ich die Möglichkeit hatte, mich gegen das Austragen zu entscheiden und bereue die Entscheidung - auch im Interesse des Kindes - nicht und danke insgeheim allen, die sich für die bestehende Gesetzesregelung zur Abtreibung eingesetzt haben!


Claudia
Seit einer Stunde lese ich die Berichte der Frauen auf diesen Seiten und es geht mir schon wesentlich besser ! Ich weiss jetzt, dass ich nicht alleine bin!... Zuvor landete ich auf den Gegnerseiten und brach mal wieder in Tränen aus, wie des öfteren in den vergangenen Tagen. Letzten Montag ging ich zum Frauenarzt - meine beste Freundin drängte mich dazu, weil sie annahm, dass ich vielleicht eine Zyste hatte, denn sie hatte festgestellt, dass ich irgendwie anders aussah... beim Arzt ist dann eine Welt für mich zusammengebrochen - Schwanger - das kann einfach nicht sein. Ich sass eine Dreiviertelstunde weinend im Behandlungszimmer und konnte es nicht fassen. Mein Arzt ist wunderbar - er hat sich unheimlich viel Zeit für mich genommen und alles in die Wege geleitet. Zwei Besuche bei pro familia, nette Menschen, die für meine Situation Verständnis aufbrachten.
Ich bin 31 Jahre jung, habe vor einer Woche meinen Lebenstraum erfüllt bekommen. Ein Freund hat mit mir einen Laden eröffnet, in dem ich sozusagen meine eigene Chefin bin und alleine arbeite. Ich bin in der 17. Woche schwanger! von einem Mann, mit dem nicht mehr als Petting gelaufen ist, den ich einmal und gottseidank nie wieder gesehen habe - es war grauenhaft - ich hatte eine Beziehung mit einer Frau zu dem Zeitpunkt als es passierte... Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich meinen Körper ignoriere und nicht das geringste bemerkt habe, ich habe alles nur auf die momentane Stresssituation mit dem Umbau des Geschäfts und die privaten Probleme geschoben - in Zukunft werde ich wohl sensibler sein und mich mehr spüren.
Dann der Termin beim Arzt, der die Abtreibung vornimmt. Ich kam mir vor wie der schlechteste Mensch auf Erden. Man sitzt vor dem Schreibtisch, es werden zig Rezepte ausgedruckt, das wird aber sehr teuer für sie... wollen sie das Kind nicht doch lieber zur Adoption freigeben? Wir haben hier mindestens 12 Stunden Arbeit mit ihnen die uns nicht bezahlt werden... das wird sehr schmerzhaft für sie, das ist ihnen ja wohl klar... unterschreiben... hier und da... bis Montag haben sie noch Zeit zu überlegen, da holen sie sich ihre Medikamente, am Mittwoch ist der Eingriff... früher ist es nicht möglich, der Anästhesist am Montag ist gegen das, was sie vorhaben... dreht sich um und geht, ohne sich zu verabschieden.
Ich weiss, dass ein Kind für mich auf keinen Fall in Frage kommt, gerade jetzt wo es endlich mal bergauf geht. Adoption ist meiner Meinung nach sehr viel schlimmer - nicht für mich, sondern für das Kind - ich habe lange überlegt und bin mir meiner Sache sicher, aber ich habe Angst, mich in die Hände dieses Menschen zu begeben, den meine Situation nicht im geringsten interessiert hat.

5 Tage später
Morgens um halb neun war der Termin angesetzt, die Stunden, bis es soweit war, wollten gar nicht vergehen. Ich war so froh, dass ich zur Unterstützung meine Mutter bei mir hatte. Auch grosse Kinder brauchen gelegentlich mal die Mama zum Händchenhalten...
Um zwölf Uhr war es endlich soweit - ich habe gezittert vor Angst. Der Narkosearzt war der einzig nette Mensch in dieser Praxis, er hat mir die Angst genommen und eine halbe Stunde Tiefschlaf geschenkt. Man bekommt wirklich gar nichts mit -
ein paar Stunden später konnte ich schon wieder nach Hause fahren... ich habe die letzten zwei Tage fast nur geschlafen. - Morgen werde ich ein wenig arbeiten gehen und mich am Wochenende von meiner besten Freundin ablenken lassen.
Schuldgefühle habe ich keine. Es war genau die richtige Entscheidung. Sollte ich in diesem Leben Kinder haben wollen, dann kann das auch noch in 10 Jahren sein - wenn der richtige Partner an meiner Seite ist und die Situation es zulässt...
Ich bin froh, diesen Schritt getan zu haben. Meine Angst davor war unberechtigt - es geht mir gut! Ich hätte mir nur einen einfühlsameren Arzt gewünscht, aber das konnte ich mir leider nicht mehr aussuchen, dafür war es schon zu spät... beim nächsten Mal weiss ich, wie es sich anfühlt, aber dann wird es so sein, dass ich mir das Kind wünsche und auch bekomme. In Zukunft werde ich besser auf mich und meinen Körper achten...


Ines
Ich bin 21 Jahre und hab am 14.09.05 erfahren, dass ich trotz Pille schwanger bin. Nachdem meine Periode 1 Woche überfällig war, machte ich einen Test, der auch gleich im Feld "schwanger" zu leuchten begann. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich habe zwar eine 4-jährige Beziehung mit meinem Freund, die super läuft, doch war ich mir nicht sicher. Am folgenden Montag ging ich gleich zum Frauenarzt. Dieser bestätigte meine Schwangerschaft in der 5. Woche. Nun ging das Grübeln los. Eigentlich hätte ich alle Voraussetzungen gehabt, ein Kind gross zu ziehen. Ich habe eine super Beziehung, die Unterstützung meiner Eltern und ich liebe Kinder über alles. Doch JETZT eine so grosse Verantwortung zu übernehmen, dazu war ich noch nicht bereit.
Ich redete mit meinem Freund und meinen Eltern. Keiner von beiden beeinflusste mich in meiner Entscheidung. Es wurde mir nur Hilfe angeboten, bei dem Kind oder nach der Abtreibung. Das gab mir viel Mut und Kraft. Ich bin dann auch gleich zu einer Beratungsstelle gegangen. Dort waren alle ziemlich freundlich. Auch hier beeinflusste mich keiner. Im Gegenteil, auch hier wurde mir Hilfe bei dem Kind oder nach der Abtreibung angeboten. Nach dem Beratungsgespräch machte ich gleich einen Termin ab bei einem Arzt, der Abtreibungen vornimmt. Ich wusste ja, dass ich jederzeit meine Entscheidung ändern konnte.
Am 28.10.05 fuhren wir (ich, meine Schwester und mein Freund) in die Klink. Ich hatte ziemlich Angst vor allem, was mich dort erwartet. An der Rezeption wurde mir ein Formular in die Hand gedrückt, das ich ausfüllen sollte. Als dies erledigt war, wurde ich aufgerufen, einer Ärztin ins Beratungszimmer zu folgen. Ich durfte eine Person mitnehmen, die aber nach dem Gespräch den Raum verlassen musste. Wir setzten uns in das kleine, gemütliche Zimmer. Als erstes kam eine Sprechstundenhilfe, die einige Dinge über mich wissen wollte, meinen gesundheitlichen und psychischen Zustand. Nach diesem Gespräch folgte das nächste mit dem durchführenden Arzt. Dieser klärte mich über den Vorgang auf und fragte mich 2 mal ob ich mir sicher bin, das Kind nicht zu behalten. Es folgte noch ein Gespräch mit der Anästhesistin. Nach gut 15 min. waren alle Gespräche erledigt. Ich verabschiedete mich von meinem Freund und wurde in ein Zimmer gebracht, in dem ich mich umziehen sollte. Danach ging's ins Behandlungszimmer. Ab diesem Zeitpunkt bekam ich nichts mehr mit, da ich unter Vollnarkose abtreiben liess. Nach 5 min. wurde ich aus der Narkose geholt und ins Aufwachzimmer gebracht. Hier befanden sich ca. 8 Frauen, die die Abtreibung bereits hinter sich oder noch vor hatten.
Da ich so schnell wie möglich raus wollte, nahm ich meine ganze Kraft zusammen und lief etwas müde zum Ausgang, wo bereits meine Schwester und mein Freund auf mich warteten. Wir fuhren gleich nach Hause und ich war froh, dass alles vorbei war. Mir ging es prima. Ich hatte auch keine Schuldgefühle, da ich mir 100% sicher war. In der Klinik selber ging es zu wie in einer ganz normalen Praxis, alles lief sachlich ab. Es war ein Kommen und Gehen der Frauen.
Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, wenn sich Frauen zu einer Abtreibung entschliessen, sollte die Entscheidung 100% sein, dann braucht sich keine Frau irgendwelche Vorwürfe zu machen. Und es sollte sich keine Frau zu ihrer Entscheidung zwingen oder überreden lassen.


Nicola
Als ich 19 war, wurde ich von meiner ersten großen Liebe schwanger, er setzte mich brutal unter Druck, das Kind nicht zu bekommen. Ich wollte auch kein Kind, aber, streng katholisch aufgewachsen, war ein Abbruch das schlimmste für mich, und das letzte, was ich wollte. ... als ich erneut schwanger wurde, bekam mein Gatte wieder einen Tobsuchtsanfall. Mir war klar, nach alledem will ich mit diesem gewalttätigen Mann nichts mehr zu tun haben...
Ich lernte einen anderen Mann kennen, obwohl ich nie wieder eine feste Beziehung eingehen wollte. Fatalerweise vertrage ich keine Pille und auch die Spirale wurde von meinem Körper ausgestoßen. Ich wurde schwanger, und ohne zu wissen, wie der Mann reagieren würde, entschied ich mich, das Kind zu bekommen, ... und wir sind jetzt seit 17 Jahren ein glückliches Paar...
Jetzt bin ich 38, und nach 11 Jahren musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass die Verhütung versagt hat, ...  Inmitten der Verzweiflung sagte mir eine innere Stimme, dass, wenn es doch so furchtbar für mich sei, ich das Kind nicht austragen müsse! ... Ich bin froh und dankbar, dass ich in einem Land lebe, wo ich souverän entscheiden kann...
Zur Geschichte von Nicola im vollen Wortlaut

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