Melanie (21)
Ich habe gar nichts von der Schwangerschaft gemerkt. Es gab Anzeichen,
die ich hätte erkennen müssen, aber da ich immer gewissenhaft darauf
achte, meine Pille (sogar um die selbe Uhrzeit) zu nehmen, mein Handy
erinnert mich daran, habe ich einfach nicht damit gerechnet.
Mir schmeckten plötzlich die Zigaretten nicht mehr und an Silvester
hatte ich nach ein paar Schlückchen Bowle schon genug. Aber realisiert,
dass ich schwanger bin, habe ich nicht. Am Dienstag, den 24.01.06, bin
ich auf dem Weg in die Berufsschule plötzlich umgekippt und hatte die
ganze Woche lang Kopfschmerzen (ich hatte wohl eine leichte
Gehirnerschütterung). Deshalb habe ich am 27.01.06 auch einen Tag Urlaub
genommen, weil ich mich erholen wollte.
Ich bin dann spontan zum Frauenarzt. Er sagte mir, dass ich schwanger
sei. Ich war geschockt. Ich bin in der Ausbildung, mein Freund studiert
noch. Es war ein so schlechter Zeitpunkt für so etwas! Mein Arzt gab mir
die Adresse von Profamilia, da ich sofort sagte, dass ein Abbruch nötig
sein wird. Ich war mir sicher, dass mein Freund der selben Meinung sein
würde. Er liebt mich, da bin ich mir sicher. Wir sind seit 4 Jahren
zusammen und immer noch verliebt wie am ersten Tag, aber der
Zeitpunkt... der war einfach nicht der richtige.
Abends erzählte ich meinem Freund alles. Er war geschockt, aber
unendlich lieb! Wir hatten keine Wahl, das wussten wir. Von meinem Vater
ist keine Unterstützung zu erwarten, er ist Pakistaner und sauer, dass
ich die deutsche Lebensweise meiner Mutter angenommen habe, und meine
Mutter ist durch ihr Asthma Frührentnerin und lebt 600km von mir
entfernt. Bei den Eltern meines Freundes ist es so, dass seine Mutter
sehr nett ist, sein Vater mich aber hasst. Wahrscheinlich bin ich nicht
gut genug für seinen Sohn, der seine Diplomarbeit schreibt und dann
Ingenieur ist. Ich bin nur eine „einfache“ Bürokauffrauauszubildende im
ersten Lehrjahr. Na ja... wir wussten also, wir hatten keine Hilfe.
Montags war das Profamilia-Gespräch. Sie waren sehr nett und gaben mir
die Adresse eines Arztes, der den Abbruch durchführen würde. Das Problem
war, ich war schon in der 13.Woche. Dieser Arzt macht eigentlich keine
so späten Abbrüche. Er war sehr zurückhaltend und strahlte etwas
Negatives aus. Ich erhielt einen Termin für den 03.02.06. Erst mal kam
der Anästhesist, erklärte mir in Ruhe die Narkose und dann holte mich
eine OP-Schwester ab. Ich lag dann auf dem OP-Stuhl und der Anästhesist
bereitete alles für die Narkose vor. Ich bat ihn, mir den Eingriff zu
erklären, was er auch tat. Ich war so dankbar! Das letzte, an das ich
mich erinnere ist, wie mein Arzt hereinkam, „hallo“ sagte, und dann
wurde alles schwarz.
Nach der OP sah ich den Arzt erst wieder, nachdem ich aufstehen durfte
und wir ein kurzes Nachgespräch hatten, in dem er mir sagte, dass alles
„soweit ganz gut“ gelaufen sei. Er gab mir Antibiotika und etwas gegen
starke Blutung mit und schon war er wieder weg. - Ich hatte keine
Schmerzmittel bekommen.
Und die Schmerzen wurden sehr schlimm!!! Mein Freund hat mir seine Hand
gegeben, damit ich sie drücken kann. Er tat mir echt leid, denn ich habe
gedrückt und zwar fast ununterbrochen mit aller Kraft.
Ich rief in meiner Verzweiflung meinen Frauenarzt an. Er sagte mir
sofort, welches Medikament mein Freund aus der Apotheke holen könnte.
Die Tabletten haben die Schmerzen Gott sei Dank etwas gemildert.
Mittlerweile bereue ich den Abbruch zum Teil auch - ich weiß, das ist
unverantwortlich, ich weiß, ich hätte dem Kind nichts bieten können,
aber ich werde mein Kind niemals vergessen. Mein Freund und ich kaufen
einen Stern, damit unser Stern für immer für uns vom Himmel strahlen
kann.
Lisa, 17
Ich habe Ende Dezember gemerkt, dass ich wohl schwanger bin, wollte es
aber nicht wahrhaben und verdrängte den Gedanken erst einmal. Doch mein
Freund drängte mich, einen Schwangerschaftstest zu kaufen, da er sich
sicher sein wollte. Ich machte diesen und hab auch nach ein paar
Sekunden ein eindeutiges Ergebnis gesehen, ich war wirklich schwanger.
Meinem Freund und mir war gleich klar, dass ich das Kind nicht bekommen
kann, da ich erst 17 bin und in die Schule gehe und er auch erst im 1.
Lehrjahr ist. Also machte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin und
die bestätigte mir das Ergebnis. Ich war in der 7. Woche. Sie sagte mir,
ich müsse ein Beratungsgespräch führen (in Deutschland obligatorisch)
und solle mich dann wieder melden. Ich habe mir nach dem Gespräch noch
eine Woche Zeit gelassen, da ich mir dann doch nicht mehr so sicher war.
Doch dann stand der Entschluss fest! Ich rief den zuständigen Arzt an
und bekam auch gleich einen Termin.
Heute früh um 7.00 Uhr war es dann soweit. Ich war in der Klinik, alle
waren sehr nett zu mir. Um 7.45 Uhr kam ich in den OP-Saal und bekam
eine Vollnarkose. Der Eingriff selber dauerte nicht lang und ich bin
gleich nach 5 Minuten wieder aufgewacht und kam in mein Zimmer, in dem
auch schon mein Freund auf mich wartete. Mir ging es nach der OP sehr
gut, hatte kurz Bauchschmerzen, aber die vergingen schnell wieder.
Erstmal hatte ich Hunger und Durst. Mein Freund hat mir alles gebracht
und war für mich da, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Es war die richtige
Entscheidung und in einigen Jahren werde ich dann ein Wunschkind zur
Welt bringen.
Ich bin froh, dass alles so gut verlaufen ist, denn ich hatte große
Angst vor dem Eingriff, da ich gestern auf dieser Seite gelesen habe,
dass viele Frauen große Schmerzen hatten. Aber jetzt bin ich glücklich
und mir geht es gut.
Edith
Gespürt hatte ich schon lange, dass ich schwanger bin, dass etwas nicht
stimmt mit mir. Nur wahrhaben wollte ich es nicht. Ich habe mich
schuldig gefühlt und dachte, der Arzt würde mich verurteilen, wenn ich
abtreiben wollte. Doch es gab keine andere Möglichkeit, denn ich wollte
dieses Kind um keinen Preis, ich bin doch erst 20 und mache gerade mein
Abitur und überhaupt habe ich noch keinen Bezug zu Kindern. Eher, auch
wenn es sich grausam anhört, hatte ich eine Wut auf das, was da in mir
heranwuchs, weil ich es nicht wollte. Es kam mir vor wie ein
Schmarotzer. Ich wollte nicht mal essen, um es nicht nähren zu müssen.
Auf den letzten Drücker, kurz vor Weihnachten bin ich dann zum Arzt und
ich war in der 13! Woche. Die Frage war, ob eine Abtreibung noch möglich
war. Der Arzt war sehr nett und hat mir sehr geholfen, er hat mich noch
am selben Tag zu ProFamilia geschickt, wo die Leute auch sehr
verständnisvoll waren. Direkt danach bin ich zur aok
(Versicherungskasse), um mir den Schein zu holen, was auch kein Problem
war. Ich musste nach Stuttgart fahren zur Abtreibung, da es in meinem
Ort so kurz vor Weihnachten nicht möglich war. Auch dort waren die Leute
sehr nett und haben mich freundlich aufgenommen. Nach dem Eingriff gings
mir gut und ich war erleichtert. Gesundheitliche Probleme hatte ich
nicht, ausser ein paar Blutungen, keine Schmerzen, nichts, ausser dass
die Last weg war.
Ich würde mir von keinem reinreden lassen und wieder abtreiben, falls
ich wieder in eine solche Situation käme. Schön war auch, dass meine
Mutter zu mir stand und viel Verständnis hatte sowie auch mein Freund,
das ist sehr wichtig. Bereuen tue ich nichts, denn ich habe in erster
Linie an meine Zukunft gedacht.
Kathleen
Es war im letzten Jahr, vor meinem Urlaub. Ich hatte ziemlich bald das
sichere Gefühl, schwanger zu sein. Ich bestellte mir Kataloge für
Schwangere und Babymode. Eine Woche lang war ich glücklich mit dem
Gedanken, ein Baby zu bekommen. Dann überfielen mich große Zweifel: ist
mein 5-jähriger Sohn der Situation gewachsen? Kann ich ihm die
notwendigen Dinge fürs Leben kaufen? Werde ich jemals genug Geld haben,
um auch nur zum Friseur gehen zu können - sei es auch nur ein mal im
Jahr? Was wird, wenn wir die Raten für unseren Hauskredit nicht mehr
aufbringen können und wir in eine kleine Wohnung ziehen müßten? Werde
ich auf meiner Arbeit jemals wieder solche Chancen bekommen?.....
Alle diese Fragen hatten einen schlechten Beigeschmack, der blieb. Die
Antworten waren niederschmetternd. Mir war so schlecht, dass ich nicht
mehr arbeitsfähig war. - Dann sprach ich den Gedanken aus.....
Ich ging zum Arzt und danach funktionierte ich wie ein Uhrwerk. Meine
Erfahrungen, die Menschen betreffend, die mit mir durch diese Hölle
mußten, sind begrenzt, da nur mein Mann und meine Freundin davon wußten.
Die behördlichen Stellen (Krankenkasse und Beratungsstelle pro familia)
waren supernett und verständnisvoll. Mein Frauenarzt ist der beste, lieb
und auch ehrlich, ohne Kompromiß.
Als ich die OP überstanden hatte (ambulant), war ich hungrig und froh,
dass mir nicht mehr schlecht war. Der Katzenjammer überfiel mich nicht
wirklich, ich habe einen gut funktionierenden Verdrängungsmechanismus.
Ich gehe arbeiten, ich lache und weine wie sonst auch, aber ich bin und
bleibe eine Mutter, die abgetrieben hat, weil sie solche Angst vor einer
ungewissen Zukunft hier in Deutschland hatte. Ich würde es in der
damaligen Situation wieder tun.
Ich grüße alle ganz lieb, die auch durch dieses Chaos mußten und müssen
und möchte euch sagen, egal welche Entscheidung ihr trefft, IHR trefft
die Entscheidung und sie ist richtig, wenn sie für Euch stimmt.
Doreen
Ich bin 25 Jahre und habe im November 2005 erfahren, dass ich trotz
Pille schwanger bin und wollte es nicht wahr haben. Ich wusste es erst,
als ich nach einigen Anzeichen (wie ständiges Brustziehen, Ausfall der
Periode) einen Schwangerschaftstest kaufte. Dort konnte man schon nach
einigen Sekunden sehen, wie der Strich in dem Feld "positiv" zum
Vorschein kam. Ich habe gleich einen Termin beim Frauenarzt vereinbart,
wo es mir 100 %ig bestätigt wurde. Ich war total fertig. Aber es gab so
viele Dinge, die gegen ein Kind sprachen. Nachteile in meinem Leben, der
Mann, von dem das Kind war, wollte es nicht. Das lag auch daran, dass
wir nur eine Affäre hatten. Er ist in einer Beziehung und dies wusste
ich, aber meist spielen die Gefühle ihr eigenes Spiel.
Am 30.11.2005 hatte ich einen Termin zur Voruntersuchung und am
1.12.2005 einen Termin im Krankenhaus zur ambulanten Operation. Es wurde
mit der Absaugmethode durchgeführt. Ich lag vor dem Eingriff ca. 3 h in
meinem Bett, hatte nichts zu lesen, keine Musik, kein TV. Einfach nur
Stille und die Schatten an der Wand, die sich aus der strahlenden Sonne
und den wippenden Ästen der Bäume bildeten. Ich muss sagen, es war eine
schwere Entscheidung, die schwerste in meinem bisherigen Leben. Bis kurz
vor dem Eingriff, habe ich überlegt, ob dies der richtige Weg ist, aber
die Vernunft siegte.
Man denkt noch oft daran, z. Bsp. wie hätte das Kleine wohl ausgesehen,
wären wir klar gekommen, was hätte sich in meinem Leben verändert, wäre
es schöner oder schlechter geworden ... ? Auch wenn man Kinder sieht,
denkt man daran. Aber ich denke / hoffe, dass dies mit der Zeit vergeht.
Ich habe oft geweint und mich bei meinem kleinen Stern entschuldigt. Ich
weiß, dass wenn ich einmal ein Kind bekomme, dann wird es dieser Stern
sein, den ich in meinen Armen halte. Er weiß dass es so das Beste war!
Ich habe meine Gedanken in einem Brief niedergeschrieben und ihn mit ein
paar persönlichen Dingen von mir in eine Schachtel gelegt...
Ich finde es übrigens toll, dass es so eine Seite gibt, denn ich bin auf
andere Homepages gelangt, wo man in Tränen ausbricht und denkt, dass man
der größte Straftäter ist. Danke!
Sonja
ja, ich dachte, dass das Leben nicht mehr
weiter gehen werde, als mir mein Frauenarzt mitteilte, dass mein
ungeborenes Mädchen die Trisomie 21 hat; besser bekannt als Down
Syndrom... Sonja musste mit dem Kopf entscheiden. Sie hatte sich über
die Schwangerschaft gefreut, aber da gab es Hindernisse... sie entschied
sich zum Abbruch im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft...
weiter zur bewegenden Geschichte von Sonja
Christine
38 Jahre, mit Tochter von 15 Monaten, die immer noch gestillt wird. Bei
mir ist es 10 Tage her, dass ich den medikamentösen
Schwangerschaftsabbruch hatte. 2 Tage vor dem Abbruchtag nahm ich beim
Arzt 3 Tabletten ein, 2 Tage später gab er mir nochmals 2 Tabletten und
nach 2 Stunden hatte ich heftigen Auswurf in der Toilette. Es blutete
stark, auch danach. Ich war nur noch am Binden wechseln. Ich fühlte mich
total erschöpft und schlief dann nur noch den restlichen Tag. Mein Kind
war immer bei mir. Sie gab mir Halt. Denn ansonsten sind wir alleine.
Mein Mann arbeitet im Ausland. Ich habe immer noch heftige Blutungen und
wundere mich, wann es endlich besser wird. Sind nun ja schon 10 Tage
her. Dazu kommt ich bin Diabetikerin und habe ein wenig Angst, dass dies
für mich die falsche Methode war. Ich fühle mich generell sehr schlapp
(obwohl ich eine Powerfrau bin). Ich denke der Arzt war nicht der Beste,
er entliess mich ohne weiteren Rat. So suche ich nun im Internet nach
Abhilfe und werde in wenigen Tagen einen anderen Arzt um Rat bitten.
Möchte noch erwähnen, ich war in der 8. SSW und ein weiteres Kind wird
ausgeschlossen. Ich habe seelisch mit der Situation kein Problem, doch
wenn ich um Jahre jünger wäre, keine finanziellen Sorgen hätte und keine
Diabetes, dann hätte ich das Baby gewollt...
Kommentar: Diabetes ist keine Gegenindikation zu Mifegyne. Starke Blutungen bis 12 Tage können durchaus vorkommen, das ist im Rahmen des Normalen, besonders wenn es schon die 8. SSW war. Allerdings hätte der Arzt Christine besser informieren sollen. Eine Nachkontrolle ist jetzt unbedingt nötig.
Yvonne
Ich war 17 Jahre alt, als ich schwanger wurde. An einem schönen Abend
liebten mein Partner und ich uns. Doch unglücklicherweise riss das
Kondom. Am nächsten Morgen nahm ich sofort die Pille danach und dachte:
"Jetzt kann nichts mehr passieren." Doch leider stellte sich ca. 3
Wochen danach, als meine Periode nicht einsetzte, heraus, dass ich
doppelt Pech hatte. Für mich brach eine Welt zusammen. Zum Glück war
meine beste Freundin bei mir, die mich tröstete. Dass ich das Kind nicht
wollte, war sofort klar, denn ich besuchte noch das Gymnasium und stand
finanziell und was meine Zukunft betrifft noch im Nirgendwo.
Wenn ich mal ein Kind kriege, was ich unbedingt will, denn ich bin ein
Familienmensch, dann will ich meinen Kindern etwas bieten und vor allem
sagen können, sie seien Wunschkinder. Ausserdem war meine Beziehung sehr
instabil. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er der Mann fürs Leben
sei. Auch er war für die Abtreibung. Doch er liess mich mit meinen
Sorgen alleine. Ich machte deshalb Schluss und von da an verarbeitete es
jeder auf seine Weise. Er war damals 20 und hatte nur Frauen, Sex,
Partys im Kopf.
Mein anderes Problem war, dass ich den Mut nicht hatte, es meiner
Familie zu erzählen. Ich beichtete es schliesslich meiner 5 Jahre
älteren Schwester, die mich nicht wirklich in meiner Entscheidung
unterstützte. Sie war dafür, dass ich das Kind austrage, doch sie
akzeptierte meine Entscheidung. Schliesslich sagte ich es auch meiner
Mutter, die überhaupt nicht wusste, dass ich sexuell aktiv bin. Sie fing
an zu weinen, nahm mich in den Arm und sagte, sie ist für mich da, egal
was ich mache, doch sie sei meiner Meinung. Sie kam dann mit in die
Praxis, als es soweit war. Mein Vater weiss es bis heute nicht, ich will
nicht, dass er von mir enttäuscht ist...
Ich entschied mich für die Absaugmethode. Die medikamentöse kam für mich
nicht in Frage, weil erstens ich den Medikamenten nicht mehr traute
(Versagen der Pille danach) und zweitens, weil ich zu einem anderen Arzt
hätte gehen müssen. Meine Frauenärztinnen waren super (ich bin in einer
Praxis, wo es nur Gynäkologinnen gibt). Sie haben mich spitzenmässig
beraten, haben meine Meinung unterstützt, haben mir Mut gemacht etc. Das
beste war, dass der Abbruch in der Praxis durchgeführt wurde. Ich hatte
fürchterliche Schmerzen und war froh, dass meine Mutter bei mir war.
Obwohl ich meinen Entscheid nie bereut habe, hatte ich recht Mühe, mit
der Situation fertig zu werden. Vor dem Abbruch waren alle für mich da
und nachher war das Thema wie abgehakt. Meine Mutter und Schwester
erwähnten es nie mehr und fragten nicht, wie es mir gehe. Auch von
meinen Freundinnen hätte ich mehr erwartet. Ich weiss nicht, ob sie mich
schlicht nicht daran erinnern wollten oder ob es sie peinlich berührte,
mit mir darüber zu sprechen, ich fühlte mich alleingelassen. Meine
schulischen Leistungen gingen zurück, ich begann öfter zu schwänzen und
wurde irgendwie von Schuldgefühlen begleitet. Ich steigerte mich in eine
depressive Stimmung hinein (auch andere Gründe kamen dazu). Nach 17-
jährigem sorgenlosem Leben explodierte die Bombe.
Doch es wurde bald wieder besser. Heute bin ich 19, es ist also fast 2
Jahre her. Ich habe bald Maturprüfung und nehme schwache Antidepressiva.
Seit ca. einem Monat bin ich wieder mit meinem damaligen Freund
zusammen. Es ist Gras darüber gewachsen, wir hatten gute Gespräche und
haben gemerkt, dass wir ohne einander einfach nicht können. Nach der
Matur werde ich die Antidepressiva absetzen. Ich fühle mich glücklich
und noch glücklicher, dass ich diese Seite entdeckt habe, denn Ihr habt
meinem guten Gefühl noch den letzen Schliff gegeben. Ich bin froh, dass
ich abtreiben durfte!!! Danke für die Hilfe!
Emma
Ich habe vor 2 Wochen mit Mifegyne abgetrieben und weiß bis heute nicht,
wie es mir geht oder gehen sollte.
Ich bin schwanger geworden, weil ich nicht verhütet habe. Ich bin seit 5
Monaten verheiratet und wollte immer ein Kind mit diesem Mann, zumindest
habe ich mir das gedacht. Er wusste nicht, dass ich nicht verhüte und
dann bin ich auch gleich schwanger geworden. Als der Test positiv war,
war ich überhaupt nicht froh. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass das
das schönste Gefühl auf Erden sein müsse - es war es nicht. Ich bekam
auf einmal Panik und begann da erst zu realisieren, was ich eigentlich
gemacht hatte und was das für Konsequenzen für mich und meinen Mann
haben würde. Ich konnte es mir plötzlich überhaupt nicht vorstellen, ein
Kind jetzt zu bekommen. Unsere finanzielle Situation ist alles andere
als rosig und der Vertrag meines Mannes läuft aus, 2 Wochen vor dem
voraussichtlichen Geburtstermin. Ich wusste weder ein noch aus.
Die Reaktion meines Mannes war auch so gar nicht, wie ich ihn
eingeschätzt hatte. Er liebt Kinder und ist vernarrt in seine kleine
Nichte, und ich dachte immer, er würde sich genauso freuen, wenn er
selbst eines bekäme, auch ungeplant. Nur war es nicht so. Es war das
Gegenteil von dem was, ich erhofft bzw. erwartet hatte. Er war total
negativ eingestellt, es bedeute das Ende aller seiner Träume etc. und
wollte von Anfang an die Abtreibung. Ich hab es dann meiner Mutter
erzählt und die hat genauso negativ reagiert, mehr noch, sie begann zu
weinen, weil ich ihr leid tat, und am Ende musste ich sie aufbauen.
Ich hab immer wieder versucht mit diesem "Etwas" Kontakt aufzunehmen,
aber ich hab mich nie damit verbunden gefühlt. Nach 2 Wochen der
Diskussionen und Streits und nachdem ich meinem Mann mitgeteilt hatte,
dass ich dieses Kind bekommen will, hab ich mich dann eher plötzlich
entschlossen, doch abtreiben zu lassen. Ich war nervlich am Ende, konnte
nicht mehr schlafen, kotzte die ganze Zeit und wusste einfach nicht mehr
weiter. Ich bin 25 Jahre alt, verheiratet, Sozialpädagogin, habe einen
Job und hätte niemals im Leben daran gedacht abzutreiben, überhaupt
jemals in so eine Situation zu kommen. Dennoch hab ich mich bewusst in
so eine Situation versetzt und konnte am Ende nicht damit umgehen.
Ich konnte für dieses Kind nicht kämpfen, weil ich selbst nicht wusste,
ob ich es überhaupt wollte. Vielleicht wäre meine Entscheidung eine
andere gewesen, wenn die Reaktionen aus meinem Umfeld positiver gewesen
wären. So fühlte ich mich nur allein. Ich habe im Endeffekt alleine
diese Entscheidung getroffen, doch war sie sicherlich beeinflusst.
Jetzt, nach 2 Wochen, bin ich einerseits froh, dass ich es gemacht habe,
weil es wahnsinnig schwierig geworden wäre, andererseits tut es mir auch
leid und ich möchte nie wieder in so eine Situation kommen. Ich wollte
die Abtreibungspille nehmen, weil ich es miterleben wollte und es war
gut für mich. Ich hatte nach der Einnahme des Prostaglandins sehr starke
Blutungen, aber der Fruchtsack ist erst 3 Tage später abgegangen. Ich
habe ihn dann in meinem Garten begraben.
Mein Mann hat mich in den ersten Tagen sehr unterstützt, doch nach ca. 1
Woche begann ich ihm starke Vorwürfe zu machen. Ich weiß noch nicht, wie
es weitergehen wird und manchmal hoffe ich nur, dass ich das alles
vergessen kann. Trotzdem ist es gut, die Entscheidungsfreiheit zu haben
und ich werde nie wieder eine Frau verurteilen, die abtreibt.
Wie es schon in einem anderen Bericht steht: Ich werde immer schon
einmal schwanger gewesen sein, aber falls ich es je wieder sein sollte,
werde ich mich zu diesem Kind bekennen. Danke, dass es diese Seite gibt.
Käthe
Um diese Jahreszeit geht es mir immer schlecht. Meine Schwangerschaft
jährt sich zum 3mal und ich bin noch nicht weiter.. Ich habe mir immer
Kinder gewünscht, ich hätte gerne eine ganze Schar Kinder aber dazu
gehört ein Mann, den man liebt und dem man vertraut. Schwanger wurde ich
von einem Mann, der nicht mehr als eine Affäre war. Ich war 27 Jahre
alt, wir trafen uns, gingen aus und liebten uns manchmal. Verhütet haben
wir mit Kondomen, denn ich habe die Pille abgesetzt, als meine
langjährige Beziehung auseinander ging. In der Neujahrsnacht meinte
meine beste Freundin, dass mein Busen aussehe, als hätte ich einiges
dafür bezahlt und auch mir war es schon aufgefallen, dass meine Brust
gross und härter geworden war. Wir redeten die nächsten Tage einige Male
darüber und am 6. Januar machte ich einen Test - ich war überzeugt, dass
das Ergebnis nicht stimmen konnte. Einen Tag später hat mich der
Frauenarzt getestet und, ich WAR schwanger. So wie viele hier berichten,
ist auch für mich eine Welt zusammen gebrochen!! Wie konnte ich nur
schwanger werden? Ich hatte nur noch Angst und in meinem Kopf hämmerte
es nur noch "nicht so!" Eine Freundin von mir zieht ihr Kind alleine
gross und ich wollte mir und meinem Kind nicht das gleiche antun. Einen
Tag nach dem Bescheid meiner Frauenärztin hatte ich im Spital einen
Untersuch und anschliessend das Gespräch. Ich fühlte mich voll
überfordert und ich schämte mich so sehr. Wieder einen Tag später
schluckte ich die ersten beiden Pillen und wieder 2 Tage später die
nächsten beiden. Meine Freundin umsorgte mich und brachte mich nach den
4 Std. im Spital nach Hause in mein Bett. Ich wollte nur noch alleine
sein und kaum hatte sie meine Wohnung verlassen, ging die Frucht in der
Toilette ab. Ich weiss nicht mehr wie lange ich dastand, ich konnte es
nicht glauben, was ich getan habe. Ich hatte zuwenig Zeit... bis ich
realisiert habe was geschehen ist, hatte ich die Pillen bereits
geschluckt.
Das heisst nicht, dass ich meinen Entscheid bereue, ich wünschte nur,
ich hätte mehr Zeit gehabt. Seit diesem Eingriff hat sich so vieles
verändert. Ich verjage alle Männer, hatte keinen Sex mehr. Ich bin heute
noch böse auf mich, dass ich schwanger wurde und dass ich diesen
Entscheid fällen musste. Ich bin froh, dass ich Menschen um mich habe,
mit denen ich reden kann und ich mich auch heute noch ausweinen kann.
Katy
Ich hatte bis jetzt, Gott sei Dank, noch keinen Schwangerschaftsabbruch,
jedoch musste ich leider schon die "Pille danach" nehmen. Für mich ist
diese Pille noch heute mein Retter, da ich zu der Zeit 15 Jahre alt war
und noch nicht mal wagte daran zu denken, ein Kind zu bekommen. Für mich
persönlich war es die schlimmste Erfahrung, die ich jemals gemacht habe.
Das Schlimme war nicht die Pille zu nehmen, sondern die Tatsache, dass
ich möglicherweise schwanger war.
Als ich die zwei Pillen nahm, dachte ich nicht daran, was in meinem
Körper passiert. Es war mir eigentlich auch egal. Ich hätte fast alles
getan, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.
Zu dieser "Schwangerschaft" kam es nicht, weil ich ohne Kondom Sex
hatte, sondern weil das Kondom gerissen war. Bis heute habe ich
kein Vertrauen mehr in dieses Verhütungsmittel.
Tanja
Ich möchte hier meine Erlebnisse schildern, da ich selbst froh war, auf
dieser Seite Berichte zu finden, die nicht mit dem Ziel der Verhinderung
einer Abtreibung veröffentlicht wurden.
Ich komme aus Deutschland und bin 23 Jahre alt. Ich wurde durch das
Zusammenwirken mehrerer Faktoren ungeplant schwanger. Da ich wegen der
plötzlichen Häufung von Besenreissern (geplatzte Äderchen) vor etwa 2
Jahren die Pille absetzte, verwendeten wir zur Verhütung Kondome und ich
kontrollierte meinen Zyklus mit Hilfe von Persona (Apparat zur
Feststellung der "fruchtbaren" Tage). Leider verschob sich im letzten
Zyklus mein Eisprung um ca. 3 Tage nach vorne. Obwohl wir ein Kondom
benutzten (was wir bei den grünen Tagen vor dem Eisprung immer taten -
während der roten Tage verzichteten wir auf Geschlechtsverkehr) blieben
meine Tage aus, am vierten Tag holte ich einen Urintest aus der
Apotheke. Der schlug auch sofort eindeutig an und ich war total
geschockt und heulte erstmal richtig.
Sofort weckte ich meinen Freund und heulte ihm alles vor und sagte auch
gleich, dass ich das nicht will! Wir waren uns sofort im Klaren darüber,
dass wir abtreiben würden, da wir beide keine Zeit für dieses Kind haben
würden. Ich würde bei Geburt des Kindes 6 Monate vor dem Examen stehen
und mein Freund will das Abitur nachholen, so dass auch die finanzielle
Situation äußerst schwierig würde.
Wir haben uns auch über staatliche Hilfen informiert, aber 1
zusätzliches Semester Bafög (Stipendium) und Erziehungsgeld sowie
Sozialhilfe für das Kind (von der das Kindergeld wieder abgezogen wird)
reichen nicht aus, um dem Kind das bieten zu können, was es verdient
hätte. Wir beide wären gezwungen, irgendwie Geld dazu zu verdienen und
damit wären wir wieder beim zeitlichen Faktor. Alles würde darauf
hinauslaufen, dass dieses Kind nichts von seinen Eltern hätte, die doch
so wichtig für seine gute Entwicklung sind.
Da der Entschluss gefasst war, ging ich direkt am nächsten Tag
(Dienstag) zu meiner Frauenärztin, die die Schwangerschaft mit
Ultraschall bestätigte. 5te SSW. Sie überwies mich zu einem Arzt, der in
seiner Praxis ambulante Operationen durchführt. Am Donnerstag lernte ich
ihn dann kennen. Er war sehr sympathisch und ging sehr entspannt mit mir
um. Da ich mich für einen medikamentösen Abbruch entschieden hatte, die
Beratung am Freitag stattfinden sollte, bekam ich für Montag Abend einen
Termin für die ersten Medikamente.
Die Frau in der Beratungsstelle war auch sehr nett und ruhig. Wir haben
mit ihr über unsere Gründe gesprochen und von ihr dann auch noch ein
paar Tipps zur Verhütung bekommen, wobei uns alles, was sie dazu zu
sagen hatte, schon klar war. Na ja, sie hat sich bemüht, und wer weiß,
welche Leute sonst da sitzen...
Am Montag bekam ich abends nach einem Ultraschall drei Tabletten
Mifegyne. Ich nahm sie im Beisein meines Freundes und wir
verabschiedeten uns von der kleinen Seele, der wir sagten, sie solle in
etwa vier Jahren nochmal vorbeischauen.
Ab da schaltete sich meine Psyche ein. Am nächsten Morgen ging es mir so
schlecht (Übelkeit, gereizter Magen), dass ich nicht zur Uni fuhr.
Mittags musste ich mich übergeben. Den ganzen Tag verbrachte ich auf dem
Sofa.
Heute morgen sollte ich dann das Prostaglandin bekommen, das die
Blutungen auslöst. Die Tabletten konnte ich nicht bei mir behalten.
Zweimal übergab ich mich in der Praxis. Dazu bekam ich starke
Bauchkrämpfe. Der Arzt sagte, die Symptome seien eindeutig psychischer
Natur und riet mir, eine Stunde spazieren zu gehen und dann würden wir
es noch mal versuchen.
Mir ging es aber so schlecht, dass ich nicht raus wollte und er bot dann
an, die ganze Aktion abzubrechen und - wenn ich das wollte - zu
operieren. Ehrlich gesagt war ich echt froh, dass diese Möglichkeit
bestand. Glücklicherweise war heute OP-Tag in der Praxis und ich war
noch nüchtern. Ich war als Erste dran. Als mir die Narkose gesetzt wurde
und ich einschlief, dachte ich nur "Gott sei Dank!".
Alle beteiligten Personen in der Praxis waren sehr verständnisvoll,
fürsorglich und ruhig. Keiner hat komisch geguckt.
Nachdem mein Kreislauf durch Infusionen wieder halbwegs hergestellt war,
konnte ich nach Hause gehen. Alles ist gut gegangen, direkt nach der OP
hat der Arzt nochmal geschallt und festgestellt, dass alles "weg ist".
Ein paar Krämpfe hatte ich noch, die aber im Laufe des Tages stetig
leichter wurden. Ich habe zu Hause sofort ca. 5 Stunden geschlafen und
jetzt am Abend geht es mir gut.
Ich habe noch leichte Blutungen, aber die sollten in den nächsten Tagen
verschwinden. Der Arzt sagte, dass sich alles im Rahmen halten wird, da
es noch sehr klein war. Ich bin jetzt froh, dass ich alles hinter mir
habe und muss sagen, dass für mich wohl von Anfang an der operative Weg
besser gewesen wäre. Auch wenn ich vom Vorgang her den medikamentösen
Abbruch besser finde, da er naturnaher ist.
Ich hätte auch nicht gedacht, dass mich das alles psychisch so belastet.
Als Fazit für mich kann ich festhalten, dass ich eine solche Situation
nicht mehr erleben möchte und mich über die nächste Schwangerschaft
freuen will.
Trotzdem bin ich froh, dass ich die Möglichkeit hatte, mich gegen das
Austragen zu entscheiden und bereue die Entscheidung - auch im Interesse
des Kindes - nicht und danke insgeheim allen, die sich für die
bestehende Gesetzesregelung zur Abtreibung eingesetzt haben!
Claudia
Seit einer Stunde lese ich die Berichte der Frauen auf diesen Seiten und
es geht mir schon wesentlich besser ! Ich weiss jetzt, dass ich nicht
alleine bin!... Zuvor landete ich auf den Gegnerseiten und brach mal
wieder in Tränen aus, wie des öfteren in den vergangenen Tagen. Letzten
Montag ging ich zum Frauenarzt - meine beste Freundin drängte mich dazu,
weil sie annahm, dass ich vielleicht eine Zyste hatte, denn sie hatte
festgestellt, dass ich irgendwie anders aussah... beim Arzt ist dann
eine Welt für mich zusammengebrochen - Schwanger - das kann einfach
nicht sein. Ich sass eine Dreiviertelstunde weinend im Behandlungszimmer
und konnte es nicht fassen. Mein Arzt ist wunderbar - er hat sich
unheimlich viel Zeit für mich genommen und alles in die Wege geleitet.
Zwei Besuche bei pro familia, nette Menschen, die für meine Situation
Verständnis aufbrachten.
Ich bin 31 Jahre jung, habe vor einer Woche meinen Lebenstraum erfüllt
bekommen. Ein Freund hat mit mir einen Laden eröffnet, in dem ich
sozusagen meine eigene Chefin bin und alleine arbeite. Ich bin in der
17. Woche schwanger! von einem Mann, mit dem nicht mehr als Petting
gelaufen ist, den ich einmal und gottseidank nie wieder gesehen habe -
es war grauenhaft - ich hatte eine Beziehung mit einer Frau zu dem
Zeitpunkt als es passierte... Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich
meinen Körper ignoriere und nicht das geringste bemerkt habe, ich habe
alles nur auf die momentane Stresssituation mit dem Umbau des Geschäfts
und die privaten Probleme geschoben - in Zukunft werde ich wohl
sensibler sein und mich mehr spüren.
Dann der Termin beim Arzt, der die Abtreibung vornimmt. Ich kam mir vor
wie der schlechteste Mensch auf Erden. Man sitzt vor dem Schreibtisch,
es werden zig Rezepte ausgedruckt, das wird aber sehr teuer für sie...
wollen sie das Kind nicht doch lieber zur Adoption freigeben? Wir haben
hier mindestens 12 Stunden Arbeit mit ihnen die uns nicht bezahlt
werden... das wird sehr schmerzhaft für sie, das ist ihnen ja wohl
klar... unterschreiben... hier und da... bis Montag haben sie noch Zeit
zu überlegen, da holen sie sich ihre Medikamente, am Mittwoch ist der
Eingriff... früher ist es nicht möglich, der Anästhesist am Montag ist
gegen das, was sie vorhaben... dreht sich um und geht, ohne sich zu
verabschieden.
Ich weiss, dass ein Kind für mich auf keinen Fall in Frage kommt, gerade
jetzt wo es endlich mal bergauf geht. Adoption ist meiner Meinung nach
sehr viel schlimmer - nicht für mich, sondern für das Kind - ich habe
lange überlegt und bin mir meiner Sache sicher, aber ich habe Angst,
mich in die Hände dieses Menschen zu begeben, den meine Situation nicht
im geringsten interessiert hat.
5 Tage später
Morgens um halb neun war der Termin angesetzt, die Stunden, bis es
soweit war, wollten gar nicht vergehen. Ich war so froh, dass ich zur
Unterstützung meine Mutter bei mir hatte. Auch grosse Kinder brauchen
gelegentlich mal die Mama zum Händchenhalten...
Um zwölf Uhr war es endlich soweit - ich habe gezittert vor Angst. Der
Narkosearzt war der einzig nette Mensch in dieser Praxis, er hat mir die
Angst genommen und eine halbe Stunde Tiefschlaf geschenkt. Man bekommt
wirklich gar nichts mit -
ein paar Stunden später konnte ich schon wieder nach Hause fahren... ich
habe die letzten zwei Tage fast nur geschlafen. - Morgen werde ich ein
wenig arbeiten gehen und mich am Wochenende von meiner besten Freundin
ablenken lassen.
Schuldgefühle habe ich keine. Es war genau die richtige Entscheidung.
Sollte ich in diesem Leben Kinder haben wollen, dann kann das auch noch
in 10 Jahren sein - wenn der richtige Partner an meiner Seite ist und
die Situation es zulässt...
Ich bin froh, diesen Schritt getan zu haben. Meine Angst davor war
unberechtigt - es geht mir gut! Ich hätte mir nur einen einfühlsameren
Arzt gewünscht, aber das konnte ich mir leider nicht mehr aussuchen,
dafür war es schon zu spät... beim nächsten Mal weiss ich, wie es sich
anfühlt, aber dann wird es so sein, dass ich mir das Kind wünsche und
auch bekomme. In Zukunft werde ich besser auf mich und meinen Körper
achten...
Ines
Ich bin 21 Jahre und hab am 14.09.05 erfahren, dass ich trotz Pille
schwanger bin. Nachdem meine Periode 1 Woche überfällig war, machte ich
einen Test, der auch gleich im Feld "schwanger" zu leuchten begann. Ich
wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich habe zwar eine
4-jährige Beziehung mit meinem Freund, die super läuft, doch war ich mir
nicht sicher. Am folgenden Montag ging ich gleich zum Frauenarzt. Dieser
bestätigte meine Schwangerschaft in der 5. Woche. Nun ging das Grübeln
los. Eigentlich hätte ich alle Voraussetzungen gehabt, ein Kind gross zu
ziehen. Ich habe eine super Beziehung, die Unterstützung meiner Eltern
und ich liebe Kinder über alles. Doch JETZT eine so grosse Verantwortung
zu übernehmen, dazu war ich noch nicht bereit.
Ich redete mit meinem Freund und meinen Eltern. Keiner von beiden
beeinflusste mich in meiner Entscheidung. Es wurde mir nur Hilfe
angeboten, bei dem Kind oder nach der Abtreibung. Das gab mir viel Mut
und Kraft. Ich bin dann auch gleich zu einer Beratungsstelle gegangen.
Dort waren alle ziemlich freundlich. Auch hier beeinflusste mich keiner.
Im Gegenteil, auch hier wurde mir Hilfe bei dem Kind oder nach der
Abtreibung angeboten. Nach dem Beratungsgespräch machte ich gleich einen
Termin ab bei einem Arzt, der Abtreibungen vornimmt. Ich wusste ja, dass
ich jederzeit meine Entscheidung ändern konnte.
Am 28.10.05 fuhren wir (ich, meine Schwester und mein Freund) in die
Klink. Ich hatte ziemlich Angst vor allem, was mich dort erwartet. An
der Rezeption wurde mir ein Formular in die Hand gedrückt, das ich
ausfüllen sollte. Als dies erledigt war, wurde ich aufgerufen, einer
Ärztin ins Beratungszimmer zu folgen. Ich durfte eine Person mitnehmen,
die aber nach dem Gespräch den Raum verlassen musste. Wir setzten uns in
das kleine, gemütliche Zimmer. Als erstes kam eine Sprechstundenhilfe,
die einige Dinge über mich wissen wollte, meinen gesundheitlichen und
psychischen Zustand. Nach diesem Gespräch folgte das nächste mit dem
durchführenden Arzt. Dieser klärte mich über den Vorgang auf und fragte
mich 2 mal ob ich mir sicher bin, das Kind nicht zu behalten. Es folgte
noch ein Gespräch mit der Anästhesistin. Nach gut 15 min. waren alle
Gespräche erledigt. Ich verabschiedete mich von meinem Freund und wurde
in ein Zimmer gebracht, in dem ich mich umziehen sollte. Danach ging's
ins Behandlungszimmer. Ab diesem Zeitpunkt bekam ich nichts mehr mit, da
ich unter Vollnarkose abtreiben liess. Nach 5 min. wurde ich aus der
Narkose geholt und ins Aufwachzimmer gebracht. Hier befanden sich ca. 8
Frauen, die die Abtreibung bereits hinter sich oder noch vor hatten.
Da ich so schnell wie möglich raus wollte, nahm ich meine ganze Kraft
zusammen und lief etwas müde zum Ausgang, wo bereits meine Schwester und
mein Freund auf mich warteten. Wir fuhren gleich nach Hause und ich war
froh, dass alles vorbei war. Mir ging es prima. Ich hatte auch keine
Schuldgefühle, da ich mir 100% sicher war. In der Klinik selber ging es
zu wie in einer ganz normalen Praxis, alles lief sachlich ab. Es war ein
Kommen und Gehen der Frauen.
Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, wenn sich Frauen zu einer
Abtreibung entschliessen, sollte die Entscheidung 100% sein, dann
braucht sich keine Frau irgendwelche Vorwürfe zu machen. Und es sollte
sich keine Frau zu ihrer Entscheidung zwingen oder überreden lassen.
Nicola
Als ich 19 war, wurde ich von meiner ersten großen Liebe schwanger, er
setzte mich brutal unter Druck, das Kind nicht zu bekommen. Ich wollte
auch kein Kind, aber, streng katholisch aufgewachsen, war ein Abbruch
das schlimmste für mich, und das letzte, was ich wollte. ... als ich
erneut schwanger wurde, bekam mein Gatte wieder einen Tobsuchtsanfall.
Mir war klar, nach alledem will ich mit diesem gewalttätigen Mann nichts
mehr zu tun haben...
Ich lernte einen anderen Mann kennen, obwohl ich nie wieder eine feste
Beziehung eingehen wollte. Fatalerweise vertrage ich keine Pille und
auch die Spirale wurde von meinem Körper ausgestoßen. Ich wurde
schwanger, und ohne zu wissen, wie der Mann reagieren würde, entschied
ich mich, das Kind zu bekommen, ... und wir sind jetzt seit 17 Jahren
ein glückliches Paar...
Jetzt bin ich 38, und nach 11 Jahren musste ich zu meinem Entsetzen
feststellen, dass die Verhütung versagt hat, ... Inmitten der
Verzweiflung sagte mir eine innere Stimme, dass, wenn es doch so
furchtbar für mich sei, ich das Kind nicht austragen müsse! ... Ich bin
froh und dankbar, dass ich in einem Land lebe, wo ich souverän
entscheiden kann...
Zur Geschichte von Nicola im vollen Wortlaut
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