In fast allen Ländern Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion werden seit einigen Jahren grosse Anstrengungen in der Prävention unternommen. Mit Erfolg. Bis zu Beginn der 90er Jahre war eine negative Einstellung zu modernen Methoden der Schwangerschaftsverhütung auch unter der Ärzteschaft weit verbreitet. Abtreibung war die häufigste Methode der Geburtenregelung. Jetzt ist ein allmählicher Mentalitätswandel festzustellen. Immer mehr Frauen verwenden Verhütungsmittel.
In Kasachstan stieg die Zahl der Pillen- und Spiralenbenutzerinnen zwischen 1988 und 1995 um ein Drittel an. Die Abtreibungen gingen um 15 % zurück. In der Russischen Föderation sank deren Zahl zwischen 1990 und 1997 um ein Fünftel.
In Estland hat sich die Zahl der Frauen, die die Pille nehmen, zwischen 1990 und 1995 fast verdreifacht, die Schwangerschaftsabbrüche sind in der gleichen Zeit von 29'400 auf 20'500 gesunken.
In anderen Ländern der Region wurde seit 1990 ein Rückgang der Abtreibungszahlen um 28 bis 68 Prozent verzeichnet. Auch wenn die Registrierung in einigen dieser Länder vermutlich nicht über alle Zweifel erhaben ist, so ist doch der Trend eindeutig. Die Entwicklung darf als äusserst positiv bezeichnet werden. Trotzdem ist die Abortrate in vielen dieser Länder mit 30 - 50 auf 1000 Frauen (15-44jährig) immer noch hoch gegenüber 7 - 20 in Westeuropa. Die Familienplanung steckt erst in den Kinderschuhen. Infolge der wirtschaftlichen Krise bleiben Verhütungsmittel für viele Frauen unerschwinglich. In Lettland entsprechen die Kosten einer Sterilisation drei Monatslöhnen.
(AFP, 30.11.98; Int.Fam.Plan.Persp. 23, 1997; Choices 25, 1997; Statistik Europarat 2003)